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Moorenweis

Die Vision von der großen Umfahrung

Moorenweis – Kommt der große Wurf, macht man Kleinklein mit geringen Erfolgsaussichten oder irgendetwas dazwischen? Ein Planer hat jetzt die Machbarkeitsstudie für die mögliche Verkehrsentlastung von Moorenweis vorgelegt – die Debatten können beginnen.

 Mehrere (Kreis-)Straßen in der Gemeinde müssten dringend saniert werden, allen voran die St. Margareth-Straße, wobei hier die Planungen wegen des schwierigen Grunderwerbs fast zum Erliegen gekommen sind, wie es in einem Papier der Landkreisverwaltung heißt. Der Ort Windach wünscht sich außerdem eine Umgehung – genau wie Moorenweis selbst. Repariert man also Altes oder baut man Neues? Das ist vereinfacht gesagt die Gemengelage beim Thema Verkehr in und um Moorenweis.

Das Planungsbüro TSC aus Gröbenzell hat Verkehrszählungen gemacht, die Gegebenheiten untersucht und jetzt im Planungsausschuss des Kreistags mehrere Vari-anten vorstellt. Dabei handelt es sich um eine Machbarkeitsstudie. Das heißt: Nach einer Analyse werden Möglichkeiten aufgezeigt. Mehr aber auch noch nicht.

Der Ist-Stand

Folgende Ausbauprojekte stehen in Moorenweis an: Sanierung Durchfahrt Windach, Gehwegbau/Sanierung Birkenstraße im Hauptort, Ausbau St. Margareth-Straße und Ausbau der FFB 16 nach Dünzelbach. Gleichzeitig sind verkehrsberuhigende Maßnahmen innerorts beabsichtigt. Als Schwachstellen in der Verkehrsführung gelten Windach, die Einmündung der Römer- zur Ringstraße sowie die Kreuzung Römer-Ammersee-Linden-St. Margareth-Straße. Die Staatsstraße 2054 durch Moorenweis lasse keinen flüssigen Verkehr zu, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Als problematisch gelten die Einmündungen der Staatsstraße 2054 genau wie die zur Ringstraße und die Tatsache, dass viel Verkehr an der Schule vorbeifließt. Kurz und überspitzt gesagt: Optimal ist die Verkehrsführung fast in ganz Moorenweis nicht wirklich.

Verkehrszählungen

Das Planungsbüro hat die Verkehrsströme untersucht, sodass auch die tatsächlich gefahrenen Routen sichtbar werden. Insgesamt gilt der Durchgangsverkehr in Moorenweis als erheblich – er liegt zwischen 60 und 80 Prozent. Die Hauptbelastung liegt auf der Staatsstraße. Hervorzuheben sei auch die östliche Staatsstraße und die FFB 16 nach Dünzelbach unter anderem über die Lindenstraße. Als eher unbedeutend gilt die Beziehung der FFB 13 (Windach) zur östlichen Staatsstraße. Allerdings ist hier die Frage des witterungsbedingten Freizeitverkehrs zwischen Augsburg und Ammersee noch nicht berücksichtigt.

Die Varianten

Fußend auf den Verkehrsmessungen legt das Büro nun mehrere Varianten vor. Die Variante 1 „West- und Südumfahrung“ würde westlich an Windach vorbei zur FFB 16 (Dünzelbach) führen und von dort zum Kreisverkehr an der Tanke und südlich von Moorenweis weiter zum Kreisel am Gewerbegebiet.

Alle Varianten (a bis c) der Ziffer 2 führen östlich an Windach vorbei, queren die FFB 13 in Richtung Westen und verlaufen weiter wie die Variante 1. Die Variante 2a würde zwischen Windach und der FFB 3 eine zusätzliche Verbindung herstellen. Die Variante 2b ginge bis zur FFB3, 2c ginge ohne Anschluss an die FFB 3 östlich an Windach vorbei zur FFB 13.

Die Variante 3 „Ost- und Südumfahrung“ führt östlich am Ort vorbei zum Gewerbegebiet, quert dieses bis zum Kreisverkehr Ost und führt dann wie die Variante 1 weiter.

Erste Bewertung

Das Büro hat alle Varianten hinsichtlich der Verkehrswirksamkeit, der Baukosten, der Konflikte mit Leitungen, Gräben und Gewässern sowie des Umwelteingriffs untersucht. Demnach wäre Variante 1 die beste, gefolgt von 2c vor 2a und 2b mit erheblichem Abstand auf 3. Insgesamt sieht das Büro in der Variante 1 leichte Vorteile gegenüber 2c. Also: westlich vorbei an Windach rüber zur FFB 16 nach Dünzelbach, ab zur Tanke (Kreisel-Süd) und südlich weiter zum Gewerbekreisel.

Alle Varianten werden in Abschnitte unterteilt. Abschnitt 1 ist die Umfahrung Windach. Abschnitt 2 ist die West-Umfahrung Moorenweis, Abschnitt 3 die Süd-Umfahrung, wobei der Abschnitt 3 die nachhaltigste Entlastungswirkung bringe, so heißt es in der Studie. Sprich: Am meisten bringt es, wenn die Staatsstraße verlagert wird. Für die Ortsdurchfahrt hieße das 70 bis 80 Prozent weniger Verkehr – das entspricht etwa 1000 Autos pro Stunde in beide Richtungen. Abschnitt 2 würde die Lindenstraße etwas entlasten (minus 60 Prozent Verkehr, 280 Autos pro Stunde). Abschnitt 1 bringt am wenigsten (180 Autos pro Stunde). Allerdings wäre damit die Engstelle Windach entschärft.

Die Empfehlungen

Das Planungsbüro kann sich vorstellen, die Variante 1 in folgender Reihung zu bauen: zunächst Abschnitt 3 (2, 6 Millionen Euro), dann Abschnitt 2 (1,5 Millionen Euro, alles netto) und zuletzt Abschnitt 1 (2,9 Millionen Euro).

Das sagt die Politik

Im Planungsausschuss des Kreistags war jetzt eigentlich nur die Kenntnisnahme der Machbarkeitsstudie eingeplant. Trotzdem kam es bereits zu einer kurzen, ersten Aussprache. Planer Bernd Reich vom Büro TSC betonte dabei, dass bei den Kostenschätzungen der Grunderwerb noch nicht berücksichtigt sei. Diesen einbezogen, rechnet er mit Ausgaben insgesamt von 8 bis 10 Millionen Euro.

Landrat Thomas Karmasin sprach spontan von einer „gigantischen Summe“, sodass jede Realisierung in weiter Ferne liege. CSU-Verkehrsreferent Johann Wörle (Hattenhofen) lobte die Studie („Endlich eine, die es wert ist, in Auftrag gegeben worden zu sein“) und erinnerte daran, dass die Sanierung der Straßen innerorts auch nicht einfach wäre. Ein innerörtlicher Ausbau bliebe eine Kompromisslösung mit vielleicht geringeren Kosten, aber auch geringerer Wirkung. Er betonte, dass für die Staatsstraße finanziell nicht der Landkreis zuständig wäre und dass ja auch die innerörtliche Sanierung nicht wenig kosten würde. Wörle: „Wir müssen ausführlich nachdenken.“

Geld vom Staat?

Der Planer erinnerte außerdem an die Möglichkeit überörtlicher Förderung von bis zu 40 Prozent, wobei Karmasin „auf den ersten Blick“, wie er sagte, 10 000 Euro Straßenkosten je Einwohner schon für viel hielt. Der Moorenweiser Kreisrat Rudi Keckeis (FW) erinnerte, dass der Verkehr seit vielen Jahren in Moorenweis zentrales Thema sei. Der Ort wolle den Weg des Machbaren gehen. Dass die Maximallösung kaum gehen werde, sei klar. Er plädierte für schrittweise Teillösungen.

In den Kreis-Haushaltsberatungen kam das Thema noch mal aufs Tapet. Denn im Plan für 2016 stehen 400 000 Euro für den Komplex Margarethenstraße. „Wenn die Umgehung käme, würden wir das lassen“, kommentierte Karmasin. Man entschied sich, die Summe stehen zu lassen und die Debatte abzuwarten. Über das weitere Vorgehen will der Planungsausschuss in einer der nächsten Sitzungen beraten. (st)

Die Planungen

werden am Mittwoch, 30. November, ab 19.30 Uhr in der öffentlichen Sitzung des Moorenweiser Gemeinderates vorgestellt.

Kommentar: Ruhig mal genauer prüfen

In Bruck rollt der Bundesstraßen-Verkehr mitten durch die Große Kreisstadt und das Dorf Moorenweis soll großräumige Umfahrungen für ein Staatssträßlein beziehungsweise ein Kreissträßlein bekommen? Kann das wahr sein? Ja, das kann wahr sein! Zumal man die Verniedlichung bei den Straßenbezeichnungen in Moorenweis angesichts der realen Verkehrszahlen getrost weglassen kann und zumal die Brucker ja selbst schuld sind. Natürlich tun die Kreispolitiker erst einmal gut daran, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sich erst einmal setzen zu lassen. 

Natürlich wird jetzt zu diskutieren und zu prüfen sein. Den Moorenweisern selbst beispielsweise muss klar sein (ist es sicher auch), dass die Straßenbaulast innerorts an die Gemeinde zurückfiele – mit allen Kosten und Aufgaben, aber eben auch mit allen Möglichkeiten der Gestaltung. Dem Kreis muss klar sein, dass er sich zwischen innerörtlichen kaum-Verbesserungen und einer großen Lösung entscheiden kann. Wenn zwischen den Kosten für den Bestandsausbau (etwa 3,3 Millionen Euro) und den Kosten für die größere Lösung eine überschaubare Differenz besteht, dann sollte die Umfahrungs-Idee zugunsten des Traums einer lebenswerten Ortsmitte in einem Unterzentrum des Westkreises weiter verfolgt werden. 

Zu befürchten ist, dass Windach auf der Strecke bleiben könnte. Auf keinen Fall vergessen werden darf hierbei allerdings der im Winter schlecht messbare, aber real vorhandene Touristenverkehr von Augsburg zum Ammersee. (Thomas Steinhardt)

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