+
4000 Metallgegenstände hat Thomas Skroch im Graßlfinger Moos ausgegraben. Sie stammen aus der Nazi-Zeit - doch wie kommen sie dorthin?

Hobby-Historiker gräbt Vergangenheit aus

Wie kommen diese Gegenstände aus der NS-Zeit nach Gut Graßlfing?

Olching – Mysteriöser Fund im Graßlfinger Moos: Ein Hobby-Historiker hat rund 4000 Metallgegenstände aus der Nazi-Zeit ausgegraben. Die rätselhafte Frage dabei: Wie kamen sie dorthin?

Hunderte von metallenen Abzeichen, tausende Koppelschlösser von Uniformgürteln, Essbesteck aus Italien, Knöpfe von Unterhemden und Unterhosen, Unmengen an Munition: All das hat Thomas Skroch (53) auf dem Gelände des Guts Graßlfing gefunden. Und der Inhaber der Bergkirchner Firma „Deep Scan Detectors“ ist überzeugt: „Da ist noch viel mehr.“

Doch wem haben die Sachen gehört? Welche Geschichte steckt dahinter? Und vor allem: Was ist mit den Soldaten passiert? Der Fund gibt Rätsel auf. „Da sind viele Ungereimtheiten“, sagt Skroch. Er geht davon aus, dass auf dem Gelände des Gutes ein Verbrechen stattgefunden hat. „Da sind irgendwo Leute umgebracht worden“, sagt er. „Da war ja alles dabei, Wasserflaschen, Pillendosen, kleine Musikinstrumente.“ Es könne aber auch sein, dass dort die Besitztümer von Häftlingen des KZ Dachau entsorgt worden sind. „Das war ja nicht weit weg.“

Abzeichen von den Alpini-Brigaden

Skroch ist leidenschaftlicher Schatzsucher und Hobby-Historiker. Mit hochsensiblen Metalldetektoren sucht er den Boden ab. Bereits Ende der 1990er-Jahre fand er die ersten Abzeichen im Graßlfinger Moos. Das war neben den Stallungen des Guts. Anfangs hielt er die Funde für unbedeutend. „Wir wussten erst gar nicht, was das war“, erzählt Skroch. Recherchen haben dann ergeben, dass die Abzeichen von den berühmten Alpini-Brigaden stammten. Diese kämpften an der Seite des deutschen Heeres vor Stalingrad. Aber auch Gegenstände tschechischer und albanischer Soldaten waren darunter.

Das alles hat Skorch neugierig gemacht. Ab 2012 hat er intensiver gesucht. Helme und Waffen – oder gar Knochenreste - hat er aber nicht zutage gefördert. Bezüglich seiner Entdeckung spricht er von einer Sensation: „Nirgendwo sonst ist so etwas in dem Ausmaß bis jetzt gefunden worden.“

Beim Institut für Zeitgeschichte (IfZ) hält man den Fund für eine spannende Sache, ist aber etwas verhaltener. Thomas Schlemmer, Experte für neuere Geschichte beim IfZ, hält es für „eher unwahrscheinlich“, dass Gut Graßfling Schauplatz eines Verbrechens oder gar Massakers war. „Aber auszuschließen ist nichts.“ Für ihn gibt es derzeit zwei mögliche Varianten, wie die Abzeichen ins Moos gekommen sind.

Von 5000 Häftlingen fehlt jede Spur

Bis September 1943 haben die Italiener an der Seite der Deutschen gekämpft. Dann wechselten sie die Fronten. Rund 600.0000 italienische Soldaten wurden dann von den Nazis in deutsche Konzentrations- und Gefangenenlager verschleppt. Von etwa 5000 Gefangenen fehlt jede Spur, heißt es in einem Bericht der deutsch-italienischen Historikerkommission. „Viele wurden auch nach Dachau deportiert“, berichtet Schlemmer – ist das der Zusammenhang zu Graßfling?

Für wahrscheinlicher hält er aber folgende Variante: „Die Deutschen haben sich in Italien alles unter den Nagel gerissen, was kriegswichtig war.“ Teilweise seien ganze Divisionen der Waffen-SS mit italienischen Uniformen ausgerüstet worden. Fest steht, dass die Wehrmacht auf Gut Graßlfing ein Bekleidungslager hatte. „Es könnte sich auch um eine Schneider-Müllkippe handeln“, so Schlemmer. Die Abzeichen habe man abgerissen, die Uniformen weiter verwendet.

„Da müssen jetzt Experten ran“

Das hält auch Klaus Wollenberg für die wahrscheinlichere Variante. Der Wirtschaftshistoriker hat sich eingehend mit der Nazi-Zeit im Landkreis befasst und kann sich nicht vorstellen, dass es in Graßlfing ein Massengrab gibt. Im Gut seien auch nach dem Krieg noch Kleidungsstücke aller Art gesammelt worden. Sie wurden teils umgefärbt und der zivilen Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Doch insgesamt sind das alles nur Spekulationen. Schlemmer und Skroch sind sich einig: „Da müssen jetzt Experten ran.“

Das Gut Graßlfing mit einer Größe von 165 Hektar ist Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Erstmals erwähnt wurde es im Jahr 1200 in einer Urkunde des Klosters Schäftlarn. Das Gut diente lange Zeit als Schwaige. Ab 1783 nutzte es Kurfürst Karl Theodor von Bayern als Ausgangspunkt für seine Pferdeausflüge und Jagden. Anfang des 19. Jahrhunderts fiel das Gut in bürgerlichen Besitz. Es wurde an das Militär veräußert. Nach dem Ende der Monarchie ging das Gut an den Wittelsbacher Ausgleichsfonds, der es seitdem vorwiegend für den Getreide- und Maisanbau nutzt.

Eva Dobler

Auch interessant

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen

Schokoladen-Set "Alles Liebe" zum Selbermachen
<center>Schokoladen-Set zum Selbermachen</center>

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Schokoladen-Set zum Selbermachen

Meistgelesene Artikel

Maisach investiert 21 Millionen Euro

Maisach – Für 2017 stellt Maisach erneut einen Rekordhaushalt auf: Es werden 21 Millionen Euro investiert. Allein die Südumfahrung verschlingt 9,3 Millionen Euro. Der …
Maisach investiert 21 Millionen Euro

Tagblatt-Reporter testet neue Fitnessgeräte der Stadt

Fürstenfeldbruck – Wer fit bleiben will, kann im Park beim Marthabräuweiher trainieren. Die Stadt hat elf Geräte eingeweiht, die jeder nutzen kann. Tagblatt-Reporter …
Tagblatt-Reporter testet neue Fitnessgeräte der Stadt

Sie erfüllen Sterbenden den letzten Wunsch

Fürstenfeldbruck – Sie erfüllen sterbenden Menschen ihren letzten Traum: Die Mitglieder des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) München. Nun kommt der so genannte …
Sie erfüllen Sterbenden den letzten Wunsch

Germedicum wird noch einmal erweitert

Germering – Das Germedicum soll ein weiteres Mal erweitert werden. Geplant ist die Aufstockung des Gebäudeteils an der Nibelungenstraße und ein weiterer Anbau an der …
Germedicum wird noch einmal erweitert

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion