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Im Gebetsraum: Husam Salama ist Vorsitzender des neuen Muslimischen Brucker Kulturvereins. Als Versammlungsort dient eine alte Werkstatt, die die Mitglieder schon teilweise eingerichtet haben. Auf dem Podest rechts wird der Vorbeter in Zukunft sitzen.

Muslimischer Kulturverein

Neue Moschee entsteht in Werkstatt

Fürstenfeldbruck – Sie wollen sich als Muslime für Flüchtlinge einsetzen und handeln: In Bruck hat sich der „Muslimische Brucker Kulturverein“ gegründet. Die Beteiligten sind in einer ehemaligen Werkstatt untergekommen.

Geeignete Räumlichkeiten, in denen man sich trifft und betet, haben die Verantwortlichen bereits in der Buchenau gefunden. Als eigene muslimische Gemeinde wollen sich die Mitglieder aber nicht verstehen, sagt der Vorsitzende des Vereins, Allgemeinarzt Dr. Husam Salama. „Ich finde wir Brucker sind alle eine Gemeinde.“

Die Idee zur Vereinsgründung sei entstanden, weil in der jetzigen Situation alle Bürger gefordert seien, sagt Salama. Damit spielt er darauf an, dass 2015 viele Flüchtlinge in Deutschland und natürlich auch in Fürstenfeldbruck ankamen. Zusammen mit Bekannten und Freunden diskutierte Salama immer wieder über das Thema.

Die Brucker kamen zu dem Schluss: „Wir müssen auch als muslimische Gemeinde etwas tun und können das leisten.“ Besonders die große Sprachbarriere könne man leichter überwinden als deutsche Helfer, sagt Salama. Denn viele Flüchtlinge aus dem nahen Osten können sich auf Arabisch verständigen.

Im Herbst vergangenen Jahres wurde die Idee der Vereinsgründung in die Tat umgesetzt. Die Arztpraxis nahe des S-Bahnhofs in der Buchenau fungierte oft als Versammlungs- und Diskussionsraum. Viel Überzeugungsarbeit musste Salama bei der Gründung nicht leisten. „Die meisten Leute hatten das gleiche Gefühl.“ Sie wollen mit ihrem Handeln auch ein Zeichen gegen Extremismus setzen. Natürlich spielen dabei auch Parolen gegen Flüchtlinge eine Rolle. Helfen wolle man aber absolut jedem, nicht nur den eigenen Glaubensbrüdern, betont der Vorsitzende.

Seit November hat der Verein eigene Räumlichkeiten angemietet. Das Gemeindezentrum mit Gebetsräumen ist in einer ehemaligen Motorradwerkstatt neben der S-Bahnlinie untergekommen.

In der Küche: Walid Abu Naser baut die gebraucht gekauften Geräte auf. Denn in dem Haus soll auch gemeinsam gegessen werden.

Die rund 40 Mitglieder haben in den vergangenen vier Monaten schon einiges angepackt. Im Erdgeschoss sind die Gebetsräume entstanden, im Keller gibt es einen Aufenthaltsraum, eine Teeküche mit Büro und eine Küche. Zwar muss noch einiges getan werden – beispielsweise ist die gebraucht gekaufte Industrie-Küche im Moment noch nicht eingebaut. In der begrenzten Zeit habe man aber in viel Eigenarbeit schon einiges geschafft, sagt Husam Salama.

Der Aufenthaltsraum mit Tischtennisplatte: Vor allem für junge Asylbewerber ist es laut Husam Salam wichtig, dass sie eine Beschäftigung haben.

Die eigenen Räume seien nötig, weil der Verein darin Integrations-Arbeit betreiben möchte, erklärt der Arzt. Das soll zuerst einmal die Kernaufgabe sein. In der ehemaligen Motorradwerkstatt soll natürlich gebetet werden. Aber es gibt auch Deutsch-Unterricht, einige Mitglieder übernehmen Hausaufgaben-Betreuung für junge Flüchtlinge. Zusätzlich soll es Sport-Angebote geben. Außerdem wollen die Helfer den Asylbewerbern dabei helfen, den neuen Alltag in Deutschland kennenzulernen. Auch bei der mühsamen Wohnungssuche für anerkannte Asylbewerber wollen die Muslime mit anpacken.

Die Al-Nur-Moschee ist schon jetzt Anlaufpunkt für viele Bürger. Die regelmäßigen Treffen helfen ihnen, ihrem Leben eine Struktur zu geben. Salama und die anderen Muslime wollen ihren neuen Verein bekannt machen. Dabei setzen sie vorerst auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Zusätzlich gehen sie in die Unterkünfte der Asylbewerber. Ein großer Vorteil vor allem für die Flüchtlinge ist, dass die Moschee gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. In der Buchenau halten neben der S-Bahn auch Busse.

Sobald der Verein sich noch besser in den Räumlichkeiten eingerichtet hat, wollen die Mitglieder alle Interessierten in ihre Moschee einladen. Vorzugsweise soll ein solches Kennenlernen bei gutem Wetter passieren, sagt Salama, der als Arzt und Familienvater zurzeit einer Mehrfachbelastung ausgesetzt ist. Stressig sei das schon, sagt er. Aber der Dank der Menschen wiege vieles auf. „Es sind ein paar Anstrengungen dabei. Aber was man zurückbekommt, übersteigt das um ein Vielfaches.“

Fabian Dilger

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