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Neue Radlwege sollen nicht mehr nur der Freizeit dienen, sondern auch von Pendlern benutzt werden.

Kreispolitik

Auf dem Weg zum neuen Rad-Konzept

Landkreis - In eineinhalb Jahren soll ein völlig neues Radwegekonzept für den ganzen Landkreis vorliegen. Einige zweifeln aber, ob es je umgesetzt wird.

Erstmals soll dabei großer Wert auf Verbindungen für Berufspendler und für den Alltagsverkehr gelegt werden. Das Konzept soll auch die möglicherweise steigende Zahl von elektrisch betriebenen Rädern (E-Bikes) im Blick haben. Bei all den bisherigen Radwege-Listen habe man vor allem auf den Freizeitwert geachtet, hieß es unlängst im Planungsausschuss des Kreistags. Entsprechend wurde bei Radwegen eher auf landschaftliche Schönheit gesetzt als auf schnelle und effektive Verbindungen.

Jetzt soll ein externes Büro ein neues Konzept erstellen, das sowohl die Gaudi-Radler im Blick hat als auch diejenigen, die den Drahtesel ganz ernsthaft jeden Tag etwa auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen benutzen. Um die 65 000 Euro will sich der Kreis das neue Konzept kosten lassen.

Der Landkreis weise wegen seiner flachen Landschaft und wegen seiner geringen Entfernungen beste Voraussetzungen für ein hohes Radverkehrsaufkommen, heißt es zur Begründung. Die Förderung des Radverkehrs diene außerdem dem Klimaschutz, dem sich der Kreis ja verschrieben habe.

Zudem hätten sich durch die technischen Fortschritte bei den E-Bikes die Anforderungen an die Wege-Infrastruktur geändert. In die Planungen einfließen sollen schon vorliegende Erkenntnisse in den Kommunen und beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Die Studie soll auch eine komplette Mängelliste enthalten (siehe Kasten).

Unter den Kreispolitikern regte sich freilich auch Kritik an den Plänen. Klaus Wollenberg (FDP) forderte die Verwaltung vergeblich auf, das Konzept selbst zu erstellen, anstatt es an eine externe Firma zu vergeben. Gegenargument von Vertretern der CSU und der Verwaltung: Das Landratsamt arbeitet bereits am Limit und müsste zur Bewältigung dieser Aufgabe eine neue Stelle schaffen.

Skeptisch zeigte sich neben Wollenberg auch Hans Märkl (Grüne). Er erinnerte an die schon existierende Radwege-Prioritätenliste und daran, dass der Ausbau der Wege in der Vergangenheit aus finanziellen Gründen immer wieder verschoben wurde. Er befürchtet, dass die neue Studie ebenso wie die alte Liste da landet, wo sie niemandem nützt: In der Schublade.

Dem setzte Rudi Keckeis (FW) die Aufforderung entgegen, sich mal die Wahlprogramme aller Parteien anzusehen. Überall sei die Rede von Verbesserungen an der Infrastruktur. Keckeis: „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Märkl dazu: „Es wird spannend zu sehen, was wirklich umgesetzt wird.“

Er und Wollenberg stimmten gegen die externe Vergabe an ein Planungsbüro. Sie unterlagen der Mehrheit im Ausschuss aus CSU, SPD und FW aber deutlich. Jetzt folgt die Ausschreibung.

Pilotprojekt 

Das neue Kreis-Radwegekonzept soll so gestaltet werden, dass die Verbindungen dereinst mit den denkbaren Radl-Schnellwegen verbunden werden kann, von denen der Planungsverband des Wirtschaftsraums München träumt. Vorerst allerdings werden die Schnellwege im Landkreis aus Kostengründen und wegen vieler Unwägbarkeiten (Grundstücke?!) nicht weiter verfolgt. Der Landkreis Bruck will die Erfahrungen aus einem Pilotprojekt in Garching abwarten. Erst bei Erfolg dieses Wegs nach München könne man auch in der Brucker Region neu nachdenken – darin waren sich die Mitglieder im zuständigen Planungsausschuss des Kreistags einig. Rad-Schnellwege können vor allem entlang von S-Bahn-Linien verlaufen. Sie sollen den Radlern möglichst viel Platz gewähren und möglichst viele Kreuzungen ersparen. Bis das Pilotprojekt fertig sein könnte, dürften bis zu drei Jahren vergehen.

Skandal um Germering 

Puchheims Bürgermeister Norbert J. Seidl (SPD) zeigte sich zunächst skeptisch ob der Radwegeplanungen. Welchen Wurf ein solches Konzept denn bringen soll, fragte er, um danach, freilich schon ironisch werdend, sein Mitwirken bei der angekündigten Fehlerliste anzubieten. „Die Mängelliste kann ich kostenlos beisteuern.“ Gottfried Obermair (FW) schlug scherzhalber vor, Seidls sicher wertvolle Arbeit mit 30 000 Euro zu vergüten. So spare sich der Kreis immerhin noch die Hälfte der Kosten. „Wenn wir so weiter rechnen, bekommen wir am Ende noch was raus“, kommentierte Germerings OB Haas launig. Skandal übrigens: In einer den Sitzungsvorlagen beigefügten Karte endet das existierende Radwegenetz der Region knapp hinter Biburg – und lässt Germering außen vor. „Bitte nehmt uns auf. Wir wären auch gern dabei“, kommentierte OB Haas.

tb

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