Sommer-Interview mit Olchings Bürgermeister Andreas Magg

Darum faszinieren mich die USA

Olching – Von einer Reise nach Amerika träumen viele, das Land lockt mit Bilderbuch-Nationalparks, Mega–städten und Shopping-Centern. Schon lange ist auch Bürgermeister Andreas Magg (SPD) großer Fan der USA. Mit seinen Reiseerfahrungen zeichnet er das Bild eines Landes der Gegensätze – kulturell wie politisch.

Herr Magg, was begeistert Sie an den USA?

Magg: Als Kind war ich mit meinen Eltern viel in Europa beim Campen. Ich hatte einen guten Freund in San Francisco, der mich während der Studienzeit gefragt hat, ob ich Lust auf einen USA-Roadtrip hätte. Da dachte ich, gut, das schau ich mir an! Ich hatte viel über die USA gehört, nicht nur Positives. Wir sind in San Francisco untergekommen und dann quer durch Kalifornien gefahren.

Wie waren Ihre ersten Eindrücke von Amerika?

Magg: Bei der Einreise war ich sehr unbedarft und bin zusammen mit meinem Freund zum Grenzbeamten gegangen. Der hat uns nicht sehr dezent gefragt, ob wir verheiratet seien. Denn sonst müsse jeder einzeln zu ihm kommen. Das war mein erster Kontakt mit den USA. Aber in den vier Wochen im Land habe ich an der offenen Art der Amerikaner, der Landschaft und der Natur Gefallen gefunden. Das war der Beginn. Seither war ich noch vier mal dort.

Wie sahen Ihre Touren aus?

Magg: Zweimal war ich an der kalifornischen Westküste und habe zusätzlich das Monument Valley, Lake Powell, den Grand Canyon und Las Vegas besucht. Meine Frau und ich sind richtige Las-Vegas-Fans, die verrückte Stadt gefällt uns sehr. Ich habe dort auch mit 19 Freunden meinen Junggesellenabschied gefeiert. Zudem haben wir alles nördlich von Boston bereist, die Niagarafälle und Neuenglandstaaten haben uns sehr gefallen. Am beeindruckendsten war aber wohl unsere Tour von New York City bis Key West in Florida. Die USA sind einfach so vielfältig und diese Ecke so anders als die Westküste. Natürlich kann das Fahren auch mal öde werden, aber wir haben viele spannende Eindrücke gesammelt. Jetzt fehlen mir noch die Südstaaten wie Texas und Neumexiko. Außerdem wäre es eine Überlegung Wert, ob man nicht einmal quer durchs Land fährt. Oder von San Francisco bis nach Kanada rauf.

Welche Gegend wäre für Urlauber empfehlenswert, die noch nie in den USA waren?

Magg: Da gibt es ja die USA, wie sie in Europa wahrgenommen werden: In Kalifornien spielen ja viele Filme, das ist ein Klassiker mit Beverly Hills, Malibu, San Francisco und der Golden Gate Bridge. Eben alle Klassiker, die wir außer New York City mit den USA verbinden. Für USA-Einsteiger würde ich aber die Neuenglandstaaten empfehlen. Die sind schon etwas europäischer als Kalifornien oder Florida, auch die Menschen sind anders und die Essenskultur europäischer. Da findet man sich leichter zurecht.

Wie könnte da eine Einsteigerreise aussehen?

Magg: Ganz toll ist der Acadia-Nationalpark und der Ort Bar Harbor im Norden von Maine. In Rockport steht ein bekanntes rotes Fischerhaus, als Motiv Nummer 1 der USA bekannt, das auf vielen Briefmarken zu sehen ist. Es ist sehr schön, an dieser Küste entlangzufahren, aber man kann auch einen Abstecher ins Landesinnere machen. Ich bin damals bis zu den Niagara-Fällen, dann am Ontario-See entlang und zu den Finger Lakes gefahren. Die Landschaft ist großartig. Ein Muss ist außerdem die Stadt Boston. Mit den Wolkenkratzern ist sie sehr amerikanisch, aber mit den Restaurants draußen hat sie auch ein europäisches Feeling. Denn normalerweise haben die Amerikaner kaum Straßenleben, sie essen selten draußen. Man schlendert dort auch nicht, sondern fährt überall hin. In der Umgebung von Boston gibt es aber viele Lokale am Wasser. Und man sollte die Villa der Familie Bush anschauen, die steht auf einer Halbinsel und im Vorbeifahren kann man rübergucken. Das Hinterland ist zudem total verträumt, es gibt kleine, zuckersüße Ortschaften. Die Zeit scheint dort etwas stehen geblieben zu sein.

Was reizt Sie gerade an Las Vegas?

Magg: Das ist die verrückteste Stadt. Man kann sie nur lieben oder hassen. Dort sollte man die Stadt auf sich wirken lassen und eine Show besuchen oder einfach im Casino zuschauen und beobachten. Als Geograf und Städteplaner ist für mich auch die Stadtentwicklung interessant – mangels Historie hat Las Vegas eine ganz andere Form als gewachsene Städte. Es ist verrückt, was mit Geld alles machbar ist und wie viel Show dort in Beton gegossen ist. Wer von sich behauptet, in den USA gewesen zu sein, muss Las Vegas und New York City gesehen haben.

Wie viel Zeit sollte man für so eine Reise einplanen?

Magg: Es ist nicht empfehlenswert, für die USA weniger als 14 Tage einzuplanen mit dem Flug, dem Jetlag und dem Runterkommen nach der Ankunft.

Wie sollten sich Urlauber fortbewegen?

Magg: Ich war meistens mit dem Mietwagen unterwegs und habe in Motels übernachtet. Das ist eine ganz tolle Geschichte, man ist völlig ungebunden. Einmal hatten wir einen Camper, das war auch super, fast idealer als das Motel. Denn es gibt sehr schöne Plätze zum Campen in den Nationalparks. Der Preis ist auch ok, aber man braucht dann eher zwei bis drei Wochen, weil viele Einmalkosten sich erst über die Zeit rechnen.

Auch politisch sind die USA ja ein sehr spannendes Land. Verfolgen Sie momentan die Politik?

Magg: Ich verfolge die Wahl wie jeder andere, der sich für die USA interessiert. Das Ganze betrachte ich mit Sorge. Es kann doch nicht sein, dass Vater und Sohn beziehungsweise Mann und Frau beide Präsident werden! Barack Obama finde ich nach wie vor gut, ich hatte größte Hochachtung vor ihm, als er gewählt wurde. Es wäre seltsam, wenn Hillary Clinton Präsidentin würde und damit die Frau eines ehemaligen Präsidenten das Amt antritt.

Wie stehen Sie zum republikanischen Kandidaten?

Magg:  Donald Trump ist das Sinnbild dafür, dass Politik in den USA käuflich ist. Was man nicht mögen sollte, führt er sehr deutlich vor. Ich bin froh, dass ich in einem Land lebe, in dem Demokratie nichts damit zu tun hat, ob jemand Geld hat – auch wenn Parteien für Wahlkämpfe natürlich auch Geld brauchen. Ich bin also hin- und hergerissen, es ist keine perfekte Wahl möglich. Das liegt auch am Wahlsystem, weil es ja nur zwei große Parteien gibt.

Wie schätzen Sie den Wahlausgang ein?

Magg: Ich schätze nicht, dass Donald Trump gewinnt, weil er sich doch ein Stück weit selbst entlarvt. Es gibt viele, die denken, Trump würde endlich mal sagen, wo es langgeht. Aber wenn es hart auf hart kommt, hat Amerika doch einen Ruf zu verlieren. Wetten will ich aber nicht. Jedes Land bekommt den Präsidenten, den es verdient. Aber Trump enttarnt sich über die Zeit. Hillary Clinton hingegen kann sich auf dem politischen Parkett bewegen.

Was ist aktuell das größte Problem in den USA?

Magg: Waffen. Und immer noch Rassismus, was mich sehr bewegt. Für uns ist es unvorstellbar, dass auf Wehrlose einfach so geschossen wird – zum Beispiel von Polizisten! Vor dem Staat gibt es keine Achtung mehr. Das trägt zu dieser hochgradig sensiblen Situation bei. Jeder Einsatz birgt ein hohes Risiko für beide Seiten. Es ist traurig, dass niemand das Waffenproblem in den Griff kriegt – was muss denn noch alles passieren? Aber das ist wohl tief verwurzelt, für die Amerikaner gehören Waffen zur Freiheit dazu, sie dienen der Selbstverteidigung.

Machen Sie sich Sorgen um die USA?

Magg: Nein. Das Land hat gelernt, mit vielen Niederlagen und mit Wandel umzugehen. Es hat auch die Bankenkrise überstanden. Trotzdem: Amerika ist ein Land der großen Ungleichheit und teils auch Ungerechtigkeit.

Über die Amerikaner sagen viele, dass sie so oberflächlich sind. Haben Sie das auch so erlebt?

Magg: Ehrlich gesagt: Im Supermarkt ist es mir total egal, ob die Kassierer oberflächlich nett sind oder ernsthaft nett. Dem Kunden ist das Gefühl wichtig, dass alles gut ist. Das ist wunderbar. Der Dienstleistungsgedanke ist hervorragend und man erwartet ja keine Freundschaften. Das macht das Urlaubsleben leichter. Die Leute helfen gerne und sprechen einen aktiv an, während wir immer eher zurückweichen. Ich habe schon an Tankstellen mit Rockern über Benzinpreise diskutiert. (lacht)

Was sollten Reisende in den USA beachten?

Magg: Ein Nachteil ist die deutlich geringere öffentliche Sicherheitslage als in Deutschland. Gerade in der Dunkelheit muss man etwas mehr aufpassen. Man muss dort schon genauer hinschauen, zwei Blocks zum Supermarkt können mit dem Auto sicherer sein als zu Fuß. Gerade in den Städten gibt es dieses Problem, aber auch im soliden ländlichen Bereich.

Aber Sie reisen trotzdem wieder hin?

Magg: Ja. Mit den Städten bin ich mittlerweile durch. Allerdings ist San Francisco meine Traumstadt, die möchte ich schon wieder besuchen. Wenn möglich möchte ich zur Natur hin und die langen Küstenabschnitte nördlich von San Francisco sehen. Dort gibt es nur Berge und Strand, da ist niemand. Es herrscht eine wahnsinnige Weite und Freiheit und ganz viel Natur. „Land der Gegensätze“, das ist für die USA wohl der richtige Ausdruck.

Interview: Maria-Mercedes Hering

Die Serie

Ferienzeit ist Reisezeit, aber wohin soll’s gehen? Auf der Welt gibt es schließlich viele mögliche Ziele. Wir haben mit Personen aus dem Landkreis über ihre Lieblingsländer gesprochen. Als Experten geben sie Tipps, beleuchten aber auch aktuelle Probleme des jeweiligen Landes.

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