Drehtage im Rathaus

Filmkulisse: Olching statt Bayernkitsch

Olching – Als ausgesprochen schön gilt das Olchinger Rathaus nicht. Doch genau deshalb dient es nun als Kulisse für eine neue Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks (BR). Ein Kamerateam war drei Tage lang vor Ort.

 Am Set neben dem Rathaus herrscht gerade Mittagspause, als plötzlich heftiger Regen einsetzt. Das Fernsehteam deckt sich beim Catering mit Essen ein und flüchtet sich unter drei Pavillons ins Trockene. „Es klingt vielleicht seltsam, aber der Regen freut uns gerade total“, sagt Produzent Rafael Parente. „Ein Beton-Rathaus und viel Regen – so ist Hindafing.“

Hindafing ist der fiktive Ort, in dem die neue Serie „Willkommen in Hindafing“ spielt, die voraussichtlich im Laufe des Jahres 2017 im BR ausgestrahlt wird. „Das ist aber erst mal nur der Arbeitstitel“, erzählt Parente, der zusammen mit Niklas Hoffmann und Regisseur Boris Kunz auch die Drehbücher verfasst hat. Der Name des Ortes ist freilich schon fix. Muss er auch sein, wegen der Kulisse: An den Schautafeln des Olchinger Rathauses steht nämlich in großen Lettern „Information Hindafing“. Und davor steht ein Wahlkampfplakat für einen gewissen Bürgermeister Alfons Zischl.

Das Rathaus ist der Arbeitsplatz eben jenes leicht korrumpierbaren Gemeindechefs, dargestellt von Maximilian Brückner. Der will zusammen mit Landwirt und Bio-Metzger Sepp Goldhammer ein neues Shopping-Center errichten, wird aber von der Ankunft von 50 Flüchtlingen ausgebremst. Die Flüchtlings-Thematik dient dabei jedoch nur als Aufhänger für zahlreiche andere Geschichten und Verstrickungen auf politischer und auch zwischenmenschlicher Ebene in dem fiktiven Ort.

Insgesamt 46 Drehtage sind für die sechs Folgen á 45 Minuten angesetzt. An 15 Tagen ist das Fernsehteam in Olching unterwegs, drei davon am und im Rathaus. Los geht’s meistens um 9 Uhr. „Dann gehen die Schauspieler in die Maske und das Team hält seine Vorbesprechung“, erzählt Regisseur Kunz. Kameramann Tim Kuhn rückt dabei die Vorstellungen des Regisseurs ins rechte Bild. Sieben bis acht Stunden lang heißt es dann: Kamera läuft, und Action. „Ich habe das Glück, dass ich mit guten Schauspielern arbeiten darf“, sagt Kunz. Da müsse er nur Kleinigkeiten korrigieren. „Die meisten Szenen sind in zwei bis drei Takes im Kasten.“

Die Figuren der Serie sind ambivalent gezeichnet. „Jeder hat etwas Gutes und etwas Böses an sich“, sagt Parente. Dazu passt auch, dass Hindafing eben nicht das pittoreske bayerische Dorf sein soll, wie man es aus vielen Heimatserien kennt. „Wir wollten visuell etwas anderes machen“, sagt Parente. „Weg vom bayerischen Landhaus-Stil.“ In Bayern würden schließlich kaum noch Ortschaften diesem Klischeebild entsprechen. „Nicht alles ist immer Chiemgau, viele Orte sind wie Olching mit Neubaugebieten und 70er-Jahre-Häusern.“

Aus diesem Grund habe man auch kein Rathaus an einem hübschen Platz mit einem schönen Brunnen davor gesucht. „Wir wollten eher abwegige Kulissen finden.“ Dass der BR daraufhin in Olching anfragte, ist kein Zufall. Parente ist in Puchheim aufgewachsen und kennt die Region. „Das Rathaus hier hat uns als Kulisse gut gefallen und war erste Wahl“, sagt der Produzent und Autor. Die Stadt habe sich der Anfrage gegenüber gleich sehr offen gezeigt – „trotz mancher frecher Drehbuchinhalte“, wie Parente sagt.

So habe Hauptfigur Zischl beispielsweise ein latentes Drogenproblem. Das jedoch schreckte den echten Rathaus-Chef Andreas Magg nicht ab, sein Amtsgebäude zur Verfügung zu stellen. Für das Filmteam ist die Kulisse gleich mehrfach wertvoll. „Wir drehen dort nicht nur die Rathaus-Szenen“, sagt Parente. Die Räume im Inneren dienen auch als Kulisse für eine Polizeistation.

Nach drei Tagen ist der Spuk vorbei: An den Schaukästen steht wieder der Name der Stadt Olching, das Wahlplakat von Alfons Zischl ist verschwunden – und auch der Rathauschef hat kein latentes Drogenproblem mehr.

Der Landkreis steht bei Filmemachern hoch im Kurs

Die Dreharbeiten im Olchinger Rathaus sind nicht die ersten und sicherlich auch nicht die letzten im Landkreis Fürstenfeldbruck. Die Region ist bei Filmemachern sehr beliebt. Zum einen liegt sie nahe an München, wo viele Produktionsfirmen beheimatet sind. Zum anderen gelten die Kommunen bei Genehmigungen als sehr kooperativ und unkompliziert. Immer wieder sind beispielsweise Teams von Aktenzeichen XY vor Ort. Zuletzt drehten sie mitten im Winter 2015 in der Kreisstadt eine Szene, die im Zusammenhang mit der Fußball-WM in Brasilien im Sommer 2014 stand. Es war bitter kalt. Während Kameraleute, Assistenten und Regisseure in Daunenjacken herumstanden, mussten die Akteure in kurzärmligen T-Shirts einen Fan-Autocorso nachstellen.

Zum Schminken und Aufwärmen gingen sie ins Studio von Tagblatt-Fotograf Peter Weber. Gut in Erinnerung ist dem Brucker Stadtbrandinspektor Michael Ott auch noch eine Begebenheit, bei der die Feuerwehrleute eigentlich als Akteure vor Ort waren. Nachgestellt werden sollte ein Hausbrand. Ein Kandidat sollte für eine Serie in einem Privatsender seinen Mut beweisen, indem er in das Gebäude geht. Um es so aussehen zu lassen, als ob das ganze Mietshaus brennen würde, wurden in dem abbruchreifen Gebäude hinter allen Fenstern mit Gas Flammen entzündet. Dabei hatte sich der Pyrotechniker verrechnet. Eine Flamme wurde zu groß. Er zog sich Verbrennungen zu. Unversehens hatten die Statisten in Feuerwehruniform einen echten Einsatz zu bewältigen. Am Ende ging alles gut. Gesendet wurde die Folge der Show nie. In Germering gab es vor einigen Jahren große Aufregung wegen Dreharbeiten. Vor der Sparkasse am kleinen Stachus wurde ein Banküberfall nachgespielt. Viele Passanten glaubten an ein echtes Verbrechen und alarmierten die Polizei.

Die rückte auch prompt an – denn niemand hatte Bescheid gesagt. Vor Ort klärte sich der Irrtum dann schnell auf. Noch länger her, aber unvergessen ist eine Begebnheit beim Germeringer Eisstadion. Im Polarium wurde für einen Action-Thriller gedreht. Dabei explodierte im Eingangsbereich eine Bombe. Das Eisstadion wurde dementsprechend dekoriert: mit Betonbrocken und Verletzten. Natürlich waren die Gebäudeteile nur aus Pappmaché und die Verletzten Schauspieler. Aber nichts ahnende Passanten sahen sich einem Horror-Szenario gegenüber, das sie natürlich für echt hielten. Auch in diesem Fall dauerte es eine Weile, bis sich der Irrtum aufklärte. Für die Genehmigungen von Dreharbeiten sind die Körperschaften zuständig, in deren Verantwortung ein Ort liegt. Für Straßen beispielsweise sind die Kommunen zuständig, wie eine Sprecherin des Landratsamts erklärt. Wenn das Landratsamt zuständig ist, werden Anfragen in der Regel unbürokratisch behandelt. Wichtig: es darf niemand ins Bild kommen, der das nicht mag

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fürstenfeldbruck: OB-Wahl soll im Mai 2017 stattfinden

Fürstenfeldbruck - Die Neuwahl zu Brucks OB soll im Mai 2017 über die Bühne gehen. Das teilte die Stadt am Mittwochabend mit.
Fürstenfeldbruck: OB-Wahl soll im Mai 2017 stattfinden

Alling plant Bürgerzentrum und zahlt für Wasserleitungen

Alling – Der Gemeinderat will in Klausur gehen um die anstehenden großen Aufgaben der Zukunft zu diskutieren. Dies wurde jetzt auf der ersten Haushaltssitzung im …
Alling plant Bürgerzentrum und zahlt für Wasserleitungen

Absage an Senioren-Wohnen im Zentrum

Kottgeisering – Das Projekt Seniorenwohnen (SeWoKo) in der Ortsmitte von Kottgeisering ist gescheitert: Mit knapper Mehrheit hat der Gemeinderat den Bau des …
Absage an Senioren-Wohnen im Zentrum

Energie-Checks weiter kostenlos

Germering – Seit eineinhalb Jahren übernimmt die Stadt die Kosten der Energieberatung der Verbraucherzentrale und bietet zudem Belohnungen für alle Ratsuchenden. Jetzt …
Energie-Checks weiter kostenlos

Kommentare