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In exlusiven Clubs wie Olching gehören Benefizturniere zum guten Ton. Das funktioniert aber nur, wenn die Teilnehmer auch wirklich spenden.

Weil er sich so geärgert hat

Spender beim Benefiz-Golfen zu geizig - Präsident tritt zurück

Olching - Eigentlich sollte das „Bayerische Sommerfest“ des Golfclubs Olching als Benefizturnier gut 7000 Euro bringen. Doch die Teilnehmer zeigten sich geizig. Es kamen kaum Spenden zusammen. Das hat Präsident Michael Borbe so geärgert, dass er zurückgetreten ist.

Die Vorstandschaft des exklusiven Golfclubs hatte alles vorbereitet: 144 Teilnehmer konnten beim Sommerfest nicht nur Golf spielen, sondern auch Preise gewinnen. Außerdem wurden sie den ganzen Tag großzügig bewirtet – und das alles für ein Antrittsgeld von gerade mal 31 Euro. 

Im Gegenzug wurden die Teilnehmer in der schriftlichen Einladung gebeten, den Förderverein „Fore Youth“ mit einer freiwilligen Spende zu unterstützen. Dort hieß es: „Sie erhalten hierfür ab einem Betrag von 50 Euro pro Person eine Spendenquittung.“ Doch am Turniertag kam die Ernüchterung: Über 70 Teilnehmer hatten gar nichts gespendet. Insgesamt kamen nur etwas mehr als 2000 Euro zusammen. Michael Borbe erklärte daraufhin noch am gleichen Abend seinen Rücktritt vom Präsidentenamt. 

In einem dann versandten Brief an die Mitglieder, der dem Tagblatt vorliegt, verweist der Vereinschef darauf, dass für ein Turnier in dieser Größenordnung ein Antrittsgeld von 130 Euro üblich sei. Man sei deutlich darunter geblieben und habe stattdessen im Einladungsschreiben deutlich darauf hingewiesen, dass man neben dem Antrittsgeld von nur 31 Euro lieber Spenden für den Förderverein „For Youth“ sammeln wolle, hieß es in dem Schreiben. Auch sei offensichtlich gewesen, dass die Spendenerwartung bei 50 Euro pro Person lag. 

„Es war ein sehr günstiges Turnier“, sagt auch Vizepräsident Manfred Magerl. Dass manche Teilnehmer gar nichts oder nur wenig gespendet haben, hätte zum spontanen Rücktritt Borbes geführt. „Er ist sehr impulsiv.“ Die Art und Weise des Rücktritts hat Magerl als „eines Präsidenten nicht würdig“ empfunden. „Dass habe ich ihm auch gesagt.“ Borbe selbst wollte im Gespräch mit dem Tagblatt die konkreten Vorfälle am Turniertag nicht kommentieren. 

Ein Stück weit gab sich der Ex-Präsident aber wegen des Geschehens danach versöhnlich. Als Reaktion auf sein emotionales Schreiben seien nämlich noch einige anonyme Spenden mit einer Gesamtsumme von einigen tausend Euro eingegangen. „Vielleicht ist die Einladung vom einen oder anderen etwas falsch verstanden worden, das will ich nicht ausschließen“, sagt Borbe. 

Magerl hofft nun, dass sich die Wogen wieder glätten werden. Er und das restliche Vorstandsteam mit Schatzmeister Karlheinz Volk, Sportwart Oliver Lewark und dem technischen Leiter Hans-Jörg Friess führen die Geschäfte nach Borbes Rücktritt satzungsgemäß bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung weiter. Diese findet am 15. September statt, dabei wird der neue Präsident gewählt. 

Magerl kann sich sogar vorstellen, dass Borbe dann erneut kandidiert. „Unser Club ist ein kleines Unternehmen mit rund 15 Angestellten. Das kann man nicht einfach wegwerfen“, sagt der Vize. Da gehe es auch ein Stück weit um Verantwortung, zumal es nicht einfach sei, Leute für ein Ehrenamt zu finden. Borbe wollte eine eventuelle Kandidatur jedoch nicht kommentieren. 

Einen Umbruch in der Vorstandschaft wird es unabhängig von Borbes Entscheidung ohnehin geben. Denn Magerl zieht aus Olching weg und wird deshalb nicht mehr für das Amt des Vizepräsidenten zur Verfügung stehen. „Normalerweise hätte ich während der Amtszeit aufhören müssen“, sagt er. Nun nutzt er die außerordentliche Versammlung, um die Bühne schon jetzt zu räumen. Und auch Schatzmeister Volk stellt sich laut Magerl nicht mehr zur Wahl.

Aus dem Brief des Ex-Präsidenten 

Deutliche Worte: Der Brief, den Michael Borbe an die Mitglieder schickte, lässt kaum Fragen offen. So beklagt der frühere Vereinschef, dass an dem betreffenden Abend über 20 Mädchen und Buben die Gäste bedient hätten. Es sei völlig offenkundig gewesen, dass und welche Spendenerwartung an die Teilnehmer herangetragen worden seien. „Dies ist im Übrigen weltweit guter Brauch.“ 

Man könne sich vorher überlegen, ob man teilnehmen und spenden möchte. „Möchte man nicht spenden, bleibt man halt daheim.“ Borbe beklagt, dass über 70 Teilnehmer gar nichts gegeben hätten. „Der Rest verteilt sich auf Spenden von bis zu zwei Euro. Das sind die Fakten, sehr geehrte Mitglieder“, schrieb er. „Bei meiner Ansprache am Abend habe ich festgestellt, dass ich mich für dieses Ergebnis schäme. Ich wüsste nicht, was daran falsch ist.“ 

Kritisch sehe er selbst im Nachhinein, dass er „in einer für mich emotional anspruchsvollen Situation“ in Zusammenhang mit den Zwei-Euro-Spenden das Wort „widerwärtig“ verwendet habe. Es sei aber nicht so, dass sich nur ein paar Teilnehmer verweigert hätten. Von 144 Teilnehmern hätten über 100 nichts oder zehn Euro und weniger gespendet.

von Andreas Daschner 

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