Alter Friedhof

Gräber sollen wieder vergeben werden

Olching – Auf dem alten Friedhof in Olching können möglicherweise schon bald wieder Grabstätten vergeben werden. Dafür sprach sich jetzt zumindest eine Mehrheit im Bauausschuss aus. Die Regelung soll allerdings nur für einen eingeschränkten Personenkreis und für den zentralen Bereich des Friedhofs gelten.

Über den Zustand und die Zukunft des alten Friedhofs wird in der Amperstadt bereits seit längerem diskutiert. Seit Anfang der 1990er-Jahre werden auf Grundlage eines Beschlusses des damaligen Gemeinderates auf dem Areal an der Pfarrstraße keine neuen Grabstellen mehr vergeben. Grabstellen, bei denen die Ruhezeit abgelaufen ist, werden aufgelassen. Lediglich in bereits verkauften Familiengräbern erfolgen noch Bestattungen. So will die Stadt den alten Friedhof nach und nach in eine innerstädtische Freifläche umwandeln.

Doch dieses Ansinnen ist in der Bevölkerung umstritten. Zum einen wollen einige Olchinger ihre Angehörigen unbedingt auf dem alten Friedhof bestatten, zum anderen kritisieren Bürger das – auch durch die vielen offenen Grabstellen bedingte – mittlerweile ungepflegte Erscheinungsbild des Friedhofs. Erst vor wenigen Wochen hat eine Olchingerin in der Bürgerversammlung erfolgreich den Antrag gestellt, der Stadtrat möge sich noch einmal mit der Wiedervergabe von Grabstätten beschäftigen.

Dass man das Friedhofsgelände endlich aufwerten muss, darüber sind sich Verwaltung und Stadtrat einig. Deshalb wurde auch Landschaftsarchitekt Michael Heintz vor Monaten damit beauftragt, Vorschläge zu erarbeiten, wie man den Friedhof attraktiver gestalten kann (siehe Kasten). Doch bevor man Maßnahmen ergreift, muss nun eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: Sollen wieder Gräber vergeben werden oder nicht?

„Ich beneide Sie heute nicht um diese Diskussion“, meinte Heintz, der den Ausschussmitgliedern drei Varianten vorstellte. Bei der ersten Variante würde nur der historische Bereich des Areals wiederbelegt werden. Damit könnten, so zumindest der Stand nach einer Zählung im Sommer vergangenen Jahres, bis zu 37 Grabstätten neu vergeben werden. Der Vorteil dieser Lösung wäre, dass der historische Bereich mit den teilweise künstlerisch wertvollen Grabmälern erhalten bleibt. Allerdings wäre die Urnenwand nicht eingebunden und es gäbe keine Abgrenzung zum restlichen Bereich des Friedhofs.

Variante 2 sieht eine Wiederbelegung des Friedhofs bis zur Fußgängerverbindung zwischen Pfarr- und Gerhart-Hauptmann-Straße vor. Hier könne man bis zu 176 Grabstätten neu vergeben. Der Fußweg bilde eine klare bauliche Zäsur zwischen dem intensiv genutzten Friedhofsteil und dem Bereich, der parkähnlich gestaltet werden soll, betonte Heintz.

Variante 3 sieht vor, es bei der bisherigen Regelung zu belassen und keine Grabrechte neu zu vergeben. Für diese Lösung spricht laut Heintz und Bauamtsleiter Markus Brunnhuber, dass es am neuen Parkfriedhof ausreichend Bestattungsmöglichkeiten und Stellplätze gibt. Auch spart die Konzentration auf eine Begräbnisstätte Kosten. Und es gebe keine Ungerechtigkeit gegenüber Bürgern, die in den vergangenen Jahren ein Grab auf dem alten Friedhof wollten und abgewiesen worden sind.

Bisher habe man das Ziel, nur mehr einen Friedhof, nämlich den Parkfriedhof, zu haben, nicht konsequent verfolgt, meinte Brunnhuber zur derzeitigen Regelung. „Das ist eine halbgare Praxis“, so sein Fazit. Er gab zu bedenken, dass man bei den Varianten 1 und 2 die Funktion des Friedhofs für Jahrzehnte erhalte. Bürgermeister Andreas Magg (SPD) formulierte es noch deutlicher: „Dann bleibt der Friedhof für alle Zeit Friedhof.“ Der Rathauschef erläuterte, dass bei einer Wiederbelegung nur an die Bürger neue Grabrechte vergeben werden sollen, die bereits ein Grab auf dem Gelände haben. So soll beispielsweise speziell den Olchingern geholfen werden, die zwar dort ein Familiengrab haben, aber aufgrund der Ruhezeiten-Regelung derzeit keine weiteren Bestattungen vornehmen können und deshalb ein weiteres Grab benötigen. Der Rathauschef warnte zugleich vor einer generellen Wiederbelegung des Friedhofs. Sowohl die bestehende Aussegnungshalle als auch der dortige Wirtschaftshof könnten den dadurch entstehenden Anforderungen nicht gerecht werden, so Magg.

Josef Neumaier (CSU) sprach sich für die Neuvergabe von Grabrechten aus. Der alte Friedhof sei vor allem aufgrund seiner Nähe zum Ort und zur Kirche für die älteren Olchinger wichtig. Gerade für Gehbehinderte sei es mühsam, zum Parkfriedhof zu kommen.

Bedenken gegen eine Wiederbelegung äußerte dagegen sein Fraktionskollege Robert Meier, der selbst ein Grab auf dem alten Friedhof besitzt. In München müssten die Leute zum Teil wesentlich längere Wege zu den Friedhöfen zurücklegen, gab er zu bedenken. Außerdem seien manche Bereiche am alten Friedhof viel zu dicht mit Gräbern belegt. „Da sind an manchen Stellen nur 30 Zentimeter Platz zwischen den Grabsteinen“, verdeutlichte er und sprach von grenzwertigen Zuständen. Auch Bernhard Nickel (FW) warnte vor einer Neubelegung: „Wir wollen doch langfristig aus dem Friedhof einen Parkfriedhof machen.“ Das funktioniere nur, wenn keine neuen Gräber dazukommen. Er sprach sich sogar dafür aus, überhaupt keine Bestattungen mehr auf dem Friedhofsgelände zuzulassen.

Fritz Botzenhardt (SPD) plädierte dagegen für Variante 2. Damit komme man den älteren Mitbürgern sehr entgegen. Auch die Grünen würden diesen Lösungsvorschlag unterstützen, gab Heike Kuckelkorn bekannt. Meier wollte schließlich ebenfalls einer Wiederbelegung zustimmen – allerdings nur unter den von Magg genannten Einschränkungen. Zudem müsse die Stadt vorgeben können, wo neue Gräber genau vergeben werden und es müsste mehr Platz zwischen den Gräbern geschaffen werden. Letzteres sei nicht umzusetzen, entgegnete der Rathauschef. „Dann müssen wir den alten Friedhof auflösen.“

Letztlich stimmte der Ausschuss mit 7:4 Stimmen für eine Neuvergabe von Grabrechten auf Grundlage der Planungsvariante 2. Bevor der Stadtrat die endgültige Entscheidung fällt, sollen die Fraktionen noch einmal über das Thema beraten.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein Abend der extremen Gefühle

Fürstenfeldbruck - Eine einsame Wanderung, Todesängste auf hoher See und der Existenzkampf zwischen Heiden und Christen: Menschliche Grenzerfahrungen standen beim …
Ein Abend der extremen Gefühle

3. Liga Süd: TuS-Handballer bleiben oben dabei 

Fürstenfeldbruck - Die Panther bleiben auf der Pirsch. Die TuS-Handballer lassen im Kampf um die Spitzenränge in der 3. Liga Süd nicht locker.
3. Liga Süd: TuS-Handballer bleiben oben dabei 

Auto verkratzt: 1500 Euro Schaden

Puchheim - 1500 Euro Schaden hat ein Unbekannter an einem in der Puchheimer Sandbergstraße geparkten Auto verursacht. Er ritzte einen Schriftzug in beide Türen der …
Auto verkratzt: 1500 Euro Schaden

Schmuck im Wert von tausenden Euro geklaut

Gröbenzell - Schmuck im Wert von mehreren tausend Euro haben Diebe in Gröbenzell erbeutet. Sie waren in eine Doppelhaushälfte an der Irisstraße eingestiegen.
Schmuck im Wert von tausenden Euro geklaut

Kommentare