An der Trompete: Franz-David Baumann. Der Olchinger spielt bei „All that Jazz @ Gröbenzell“. Foto: tb

Porträt 

Der Jazz liegt ihm im Blut

Olching - Er ist Musiker, hat sein eigenes Plattenlabel, will seine eigenen Musikbücher verlegen und ist nicht zuletzt Leiter der Neuen Jazzschool München. Man kann mit Fug und Recht sagen: Der Olchinger Franz-David Baumann lebt für den Jazz.

Wenn man Baumanns Wohnung in Olching betritt, merkt man sofort, dass man bei einem Musiker zuhause ist. „Ein richtiges Wohnzimmer habe ich gar nicht“, sagt der 57-jährige Trompeter fast ein wenig entschuldigend. Im vom Architekten dafür vorgesehenen Raum finden sich stattdessen ein Flügel, diverse Notenständer und ein Computer mit einem Aufnahmeprogramm – quasi ein kleines Homestudio. „Das ist mein Musikzimmer“, erklärt Baumann.

Hier komponiert er unter anderem die Stücke für sein Franz-David Baumann Quintett, das seit mehr als 30 Jahren besteht. Dass der im badischen Oberkirch geborene Trompeter zum Jazzer wurde, hat er der vielleicht größten Koriphäe dieser Musikrichtung zu verdanken: Miles Davis. „Ganz früher habe ich mal Blasmusik gespielt“, erzählt Baumann. Dann kam die Sturm- und Drangphase mit den Beatles, den Rolling Stones und Deep Purple.

Erste jazzige Anleihen lernte er unter anderem bei den Prog-Rockern Yes kennen. „Und dann hörte ich auf einer Party mal ,Bitches Brew’.“ Das Album von Miles Davis gilt heute als Meisterwerk und begründete eine neue Stilrichtung: den Fusion, also die Verbindung von Jazz mit Rockelementen. „Das war die Initialzündung für mich“, sagt Baumann, den ein Studium der klassischen Trompete am Richard-Strauss-Konservatorium in den 1970er-Jahren nach München führte.

Die Besetzung seines Quintetts wechselte in all den Jahren einige Male. Eines blieb die Jahre über gleich: Baumann versammelte immer hervorragende Musiker um sich. Aktuell sind dies Tizian Jost (Piano), Alex Haas (Bass), Josy Friebel (Schlagzeug), Alexander von Hagke (Saxophon) und nicht zuletzt Conny Kreitmeier. Über die Sängerin mit der unverwechselbaren Soul-Röhre lässt sich auch der Bogen zu Franz-David Baumanns zweiter großen Tätigkeit schlagen: zur Neuen Jazzschool München. Bevor sie mit dem Orchester Bürger-Kreitmeier und dem Panzerballett berühmt wurde, absolvierte Kreitmeier ein dreijähriges Studium an der Schule.

Gegründet wurde die Neue Jazzschool bereits 1974 von dem Jazzpianisten Joe Haider. Gemeinsam mit dessen Nachfolger Max Neissendorfer erweiterte Baumann, der zuvor bereits Dozent dort war, die Schule im Herbst 2007 um eine staatlich anerkannte Ausbildungsmöglichkeit: die erste Berufsfachschule für Musik mit der Fachrichtung Rock/Pop/Jazz. Heute bildet die Jazzschool jährlich rund 200 Schüler aus – rund ein Viertel in der Berufsfachschule, den Rest in freien Kursen.

Wie wichtig die Schule für künftige Jazzmusiker ist, weiß Baumann aus eigener Erfahrung. „Als ich anfing, gab es keine Möglichkeit, Jazz zu studieren“, erzählt er. Der Olchinger war quasi dazu gezwungen, autodidaktisch zu arbeiten. Dass er auch klassische Komposition an der Hochschule für Musik und Theater in München studiert hat, beeinflusst seine Arbeitsweise. „Normalerweise wird im Jazz ein Thema vorgegeben und dann dazu improvisiert.“ Er habe jedoch die Ambition, seine Stücke strukturiert und drucharrangiert zu komponieren – „natürlich auch mit Raum für Improvisation“.

Aber nicht nur an der Schule führt Baumann junge Menschen an den Jazz heran. Auch Kinder liegen ihm am Herzen. Mit dem Panama Jazz-Ensemble hat er die CD „Inspektor Maus“ aufgenommen – eine Mischung aus Hörspiel und Jazz-CD, die auf seinem eigenen Label erschienen ist. „Mein Jazz für Kinder wurde am Anfang belächelt, aber mittlerweile hat es sich etabliert“, erzählt Baumann. Mittlerweile sind die „Pecorinos“-Bücher sogar vergriffen. Die Kinderbücher mit CD-Beilage werden gebraucht im Internet für bis zu 60 Euro gehandelt. Aber Baumann will auch diese wieder auf den Markt bringen – und dafür will der Jazz-Tausendsassa sein Portfolio nun auch noch um einen Buchverlag erweitern – alles für den Jazz.

von Andreas Daschner 

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