Statdt prüft Bedarf

Mittagsbetreuung: Bald auch Platz für Viertklässler?

Olching – Ist es notwendig, das Mittagsbetreuungsangebot in der Stadt zu erweitern, damit künftig auch Viertklässler Plätze bekommen? Über diese Frage wurde gestern im Bildungs- und Sozialausschuss diskutiert. Die Stadt soll nun erst einmal den Bedarf prüfen.

Derzeit ist es Praxis, dass an den drei Mittagsbetreuungsstandorten Olching, Esting und Geiselbullach nur Grundschüler bis einschließlich der 3. Klasse betreut werden. Denn selbst für diese Kinder reicht das Angebot angesichts der hohen Nachfrage gerade so aus, wie eine von der Rathausverwaltung im Ausschuss vorgelegte Übersicht zeigt.

An der Martinschule in Olching stehen 156 Plätze zur Verfügung, an den Schulen in Esting und Geiselbullach können 79 beziehungsweise 109 Mädchen und Buben bis spätestens 15 Uhr betreut werden. Alle Plätze sind derzeit belegt. Auf der Warteliste stehen insgesamt rund 40 Kinder. Es handele sich aber entweder um Viertklässler oder sie seien von der Dringlichkeit weiter unten einzustufen, erläuterte Peter Söllinger, der Leiter des städtischen Amtes für soziale Angelegenheiten. Das bedeute, dass bei diesen Kindern ein Elternteil überhaupt nicht oder nur in Teilzeit arbeiten würde.

Im Hortbereich sieht es ähnlich aus. Hier sind fast alle der über 200 Plätze vergeben. 20 Kinder stehen auf der Warteliste.

Für Jugendreferent Manfred Fratton (Grüne) ist die Situation nicht zufriedenstellend. Er sieht die Notwendigkeit, auch für Schüler der 4. Klasse eine Mittagsbetreuung anzubieten. „Der Bedarf ist da“, meinte er.

Bürgermeister Andreas Magg (SPD) verwies darauf, dass ihn die Verantwortlichen in der Mittagsbetreuung – Träger ist der örtliche Sozialdienst – auf Schwierigkeiten hinsichtlich der Aufnahme von Viertklässlern hingewiesen hätten. Sie seien bereits deutlich selbstständiger und damit auch schwieriger in das Betreuungskonzept einzubinden. Doch Fratton leuchtete dieses Argument nicht ein. In anderen Gemeinden gehe es doch auch, die Viertklässler zu betreuen, entgegnete er. Und die Eltern hätten es sicher lieber, „dass der Zehnjährige nicht allein zuhause ist und vor dem Fernseher hockt“.

Für Maximilian Gigl (CSU) scheitert der Wunsch Frattons allein schon an der räumlichen Situation. „Wir haben nun einmal begrenzte Kapazitäten“, betonte er. Tatsächlich ist es in erster Linie ein Raumproblem, dass für einen Ausbau der Mittagsbetreuung bewältigt werden müsste. Während laut Söllinger die Schülerzahlen an der Estinger Grundschule stagnieren, wachsen sie an den Schulen in Graßlfing und Olching stetig an. Um den steigenden Bedarf an Unterrichts- und Betreuungsräumen zu decken, mussten in letzter Zeit an beiden Schulen Container aufgestellt werden. Zudem ist eine Erweiterung der Grundschule Graßlfing im Gespräch.

Sozialreferentin Gerlinde Zachmann (FW) warb dennoch dafür, das Mittagsbetreuungsangebot auszubauen. Als der Sozialdienst vor zehn Jahren erstmals die Mittagsbetreuung angeboten habe, sei der Bedarf ein völlig anderer gewesen. Die Nachmittagsbetreuung der Kinder sei gerade für berufstätige Eltern enorm wichtig, erinnerte sie.

Andreas Hörl (CSU) wollte sich, bevor man tiefer in die Diskussion einsteigt, erst einmal ein Bild davon machen, wie viele Viertklässler denn wirklich eine Betreuung bräuchten. Deshalb soll die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung Zahlen vorlegen.

Mehr Betreuungsaufwand für Flüchtlinge

Auch über Angebot und Nachfrage im Krippen- und Kindergartenbereich hat die Stadtverwaltung den Bildungs- und Sozialausschuss und seiner jüngsten Sitzung informiert. Derzeit stehen theoretisch insgesamt 642 Plätze zur Verfügung. 666 Plätze gebe es, wenn in der neuen Kindertagesstätte „Noahs Arche“ noch das entsprechende Fachpersonal gefunden werde, um eine weitere Gruppe zu eröffnen, so Sozialamtsleiter Peter Söllinger. 55 Kinder über drei Jahren, 34 unter drei Jahren stehen auf den Wartelisten.

Vor allem in den Kindergärten  Liedermaus und Spielwiese sind deutlich weniger Plätze besetzt, als es eigentlich gibt. Das liege daran, dass es dort viele Flüchtlingskinder beziehungsweise Kinder mit Migrationshintergrund gebe, erläuterte eine Rathausmitarbeiterin. Der Betreuung sei aufgrund der teilweise stark vorhandenen Sprachbarrieren sehr aufwendig. So habe man Tablets angeschafft, um sich mittels eines Übersetzungsprogramms mit den betreffenden Kindern und Eltern zu verständigen. Zudem wurde bewusst eine syrische Praktikantin eingestellt, die sich mit den Flüchtlingskindern verständigen kann. Ansonsten werde beim Personal aber Wert darauf gelegt, dass es gut die deutsche Muttersprache beherrsche.

Von Stefan Weinzierl

Rubriklistenbild: © dpa

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