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Viererbande auf Abwegen: Auf der Suche nach Würmern, Schnecken und Fröschen stolzieren die Ausreißer über den Fußballplatz des SC Olching. Bei den Vögeln handelt es sich um Heilige Ibisse.

Heilige Ibisse auf dem Fußballplatz

Der SC Olching und seine schrägen Vögel

Olching - Der SC Olching könnte in sein Vereinswappen eigentlich ein Tier integrieren: den Heiligen Ibis. Denn einige der vor allem in Afrika lebenden Vögel lassen sich immer wieder auf dem Trainingsgelände des Sportclubs nieder.

Normalerweise rennen auf den Trainingsplätzen des SC Olching kleine und große Fußballer dem runden Leder hinterher, dribbelnd, grätschend und schnaufend. Doch wenn die Kicker weg sind, wird der Platz immer wieder einmal von anderen Zweibeinern eingenommen: exotisch aussehenden Vögeln, die im Gras herumstolzieren und nach Würmern, Schnecken, Fröschen und anderen Leckereien suchen. „Das geht schon seit mindestens einem Jahr so“, erzählt SCO-Präsident Guido Ziegler.

Bei den gefiederten Besuchern mit schwarzem Schnabel, weißem Körper und schwarzen äußeren Schwingenfedern handelt es sich um sogenannte Heilige Ibisse, eine Vogelart aus der Familie der Ibisse und Löffler. Die ansehnlichen Tiere aus der Ordnung der Schreitvögel stammen aus dem benachbarten Vogelpark, sind dort aber vor rund zwei Jahren ausgerissen, wie Vogelpark-Mitarbeiterin Daniela Kuchenbaur berichtet. Schuld daran sei ein freches Eichhörnchen. „Es hat das Netz unseres Geheges so lange bearbeitet, bis ein Loch drin waren – prompt waren unsere Ibisse weg.“

Wobei „weg“ eigentlich das falsche Wort ist. Denn nach wie vor kommen die Tiere zurück in den Vogelpark – um dort zu fressen und bei ihrem ehemaligen Gehege zu nächtigen. Nur dorthin selbst gehen die Vögel nicht mehr zurück. „Sie trauen sich einfach nicht durch die Tür“, erklärt Kuchenbaur. Die Tiere einzufangen, haben die Vogelliebhaber ebenfalls aufgegeben.

Denn auch wenn der Heilige Ibis sich vom Menschen nicht so schnell stören, geschweige denn vertreiben lässt, so ist er doch sehr wachsam und wendig. Sprich: Er lässt sich nur ganz schwer erwischen. Über den Ausbruch der Tiere wurde laut Kuchenbaur sowohl das Landratsamt als auch die Regierung von Oberbayern informiert. Denn die Vögel gelten als invasive Art, also gebietsfremde Tiere, die sich in einem neuen Gebiet ausbreiten und dabei auch heimische Tierarten gefährden können. Kuchenbaur spricht in diesem Zusammenhang von „Faunaverfälschung“.

Trotzdem dürfen die Tiere derzeit auf Bewährung ihr Leben in Freiheit genießen. Die Behörden hätten keine Einwände gehabt, betont die Vize-Vorsitzende des Vogelliebhabervereins Olching und Umgebung. Zumal es sich bei den vier, fünf Ausbrechern vermutlich um Tiere mit dem gleichen Geschlecht handelt. Denn die Jungtiere sind mittlerweile im geschlechtsreifen Alter, haben aber laut Kuchenbaur bisher keine Anstalten unternommen, Nester zu bauen. Auch die Sportler vom SC Olching stören die gefiederten Gäste eigentlich nicht – wären da nicht die unansehnlichen Hinterlassenschaften der Tiere auf dem Platz.

 „Es hat Beschwerden von zwei Jugendleitern gegeben, weil die Kinder beim Training immer wieder mit Kot verdreckt wurden“, sagt Ziegler. In der bevorstehenden Präsidiumssitzung am 6. Juli wollen die SC-Funktionäre besprechen, ob sie in dieser Sache das Gespräch mit dem Vogelpark suchen. „Auch wenn ich weiß, dass der Vogelpark derzeit ganz andere Probleme hat“, meint der SCO-Präsident hinsichtlich des andauernden Streits zwischen dem Vogelliebhaberverein und dem Staatlichen Veterinäramt Fürstenfeldbruck (siehe unten).

Kuchenbaur wiederum bezweifelt, dass der ganze Dreck von den Heiligen Ibissen stammt. Grau- und Kandadagänse, die ebenfalls in der freien Natur lebten, würden deutlich mehr Kot hinterlassen. „So ist das eben mit Wildtieren“, sagt die Vogelliebhaberin, die ansonsten nur eine Möglichkeit weiß, die Ibisse loszuwerden: „Man müsste die Tiere abschießen.“

Stadt Olching will den Rechtsstreit zwischen Vogelliebhaberverein und Landratsamt endlich beendet wissen

Der Streit zwischen dem Vogelliebhaberverein, der den Vogelpark betreibt, und dem Landratsamt um tierschutzrechtliche Belange ist nach wie vor nicht beigelegt. Und dass, obwohl es nach Ansicht von Olchings Vereinsreferent Tomas Bauer, der zwischen Vogelpark und Behörde vermittelt hat, keine fachlichen Differenzen mehr geben dürfte. Nach einem mehrstündigen Gespräch Anfang Mai, an dem neben Bauer und Veterinäramtsleiter Hans-Werner Merk auch Landrat Thomas Karmasin teilgenommen hatte, hatten sich beide Seiten bereit erklärt, für die Gehege-Größen im Vogelpark in modifizierter Form Richtlinien aus Thüringen anzuwenden. Dazu gibt es laut Bauer sogar eine schriftliche Zusage seitens der Behörde.

Die Vogelliebhaber sind aber aufgrund des monatelangen Konflikts mit dem Veterinäramt äußerst misstrauisch und fordern neben weiteren Modifikationen der Thüringer Richtlinien auch Rechtssicherheit durch eine weitere Ergänzung des bestehenden Vertragswerks, das neben dem Landratsamt und dem Verein auch die Stadt Olching unterzeichnet hat. Zudem wollen sie die Klage gegen das Landratsamt erst fallen lassen, wenn alle Streitpunkte ausnahmslos ausgeräumt sind. „Ich bin nach wie vor skeptisch, dass der Veterinäramtsleiter uns entgegenkommt“, sagt die Vize-Vorsitzende Daniela Kuchenbaur. Natürlich geht es bei der Sache auch um die Gerichtskosten, die letztlich irgendjemand tragen muss.

Die Stadt Olching, die den Verein zuletzt unterstützt hat, will nun endlich Frieden und hat beide Seiten angemahnt, den Streit zu beenden. Wie Stadtsprecherin Julia Henderichs gestern auf Tagblatt-Nachfrage mitteilte, hat Bürgermeister Andreas Magg das Landratsamt mittlerweile dazu aufgefordert, die schriftlichen Zusagen in einem Ergänzungsvertrag festzuhalten. Dem Vogelliebhaberverein wiederum habe der Rathauschef zun gleichen Zeitpunkt nahe gelegt, zu prüfen, inwieweit ein Vergleich mit dem Landratsamt möglich ist, damit der Rechtsstreit endlich beendet werden kann.

Von Stefan Weinzierl

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