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Silber hat sie schon. In London wurde Denise Schindler (r.) vor vier Jahren Zweite beim Straßenrennen hinter der US-Amerikanerin Allison Jones (l.).

Paralympics

Olchinger Ausnahmeathletin fährt nach Rio

Olching – Denise Schindler darf nach Rio. Für die Radfahrerin aus Olching werden es die zweiten Paralympics. Silber aus London hat die 30-Jährige schon.

Dass aus ihr einmal eine Ausnahmeathletin wird, hätte Denise Schindler nicht gedacht, als sie als 18-jährige Spätzünderin mit dem Radfahren begann. Zwölf Jahre später ist sie, die als Kleinkind einen Unterschenkel verloren hat, mehrfache Weltmeisterin.

„Mit 18 war ich eine totale Couch-Potato“, sagt Denise Schindler heute lachend. Denn nicht immer hat die Paralympionikin gerne Sport gemacht. Als Kind mit Amputation hatte sie nicht viel Spaß am obligatorischen Schulsport. Irgendwann zog es sie aber ins Fitnessstudio und aufs Indoor-Bike. „Da konnte mir niemand davonfahren“, erinnert sich Schindler an die ersten Stunden auf dem Zimmerfahrrad. „Die Energie und der Rhythmus haben mir sofort gefallen.“

Vom Fitnessstudio wechselte sie bald nach draußen. Erst aufs Mountainbike, dann aufs Rennrad. Sie sei einfach drauf los gefahren und erstaunt über ihr eigenes Talent gewesen, so die Wahl-Olchingerin. Mit ihrem Enthusiasmus habe sie die fehlende Erfahrung anfangs wettgemacht. 2012 wurde aus dem Hobby dann ein Beruf. Denn der Radlerin gelang, wovon viele Sportler träumen: Gleich in ihrem allerersten Jahr als Leistungssportlerin wurde die damals 26-Jährige für den deutschen Kader der Paralympics in London ausgewählt. Und holte prompt Silber beim Straßenrennen durch die britische Hauptstadt.

Auch heuer geht es wieder zu den Paralympics. Diesmal am 7. September nach Rio. Im Gegensatz zum Verband ihrer bogenschießenden Kollegin aus Bruck hat der Radverband klare Qualifikationskriterien aufgestellt, die Schindler längst schon erfüllt hat.

Die gelernte Veranstaltungskauffrau hat extra für die intensiven Monate vor den Paralympics eine berufliche Auszeit genommen und sich ganz auf die Vorbereitungen konzentriert. „Der Profisport bedeutet, dass ich wenig Privatleben habe und vieles entbehren muss.“ Doch das habe sie nie von ihrem Ziel abbringen können. „Ich liebe den Radsport, er bedeutet für mich Freiheit.“ Die eigenen Grenzen immer wieder zu verschieben, motiviere sie stets zum Weitermachen.

Gerade weil Denise Schindler beruflich und privat viel reist, braucht sie ein Zuhause, in das sie immer wieder gerne zurückkehrt. Aus der Nähe von Regensburg stammend hat sie ihre neue Heimat in Olching gefunden – zu ihrem Münchner Arbeitsplatz muss sie nicht weit fahren. Gleichzeitig ist aber auch die Natur nahe und damit die perfekten Trainingsstrecken. „Da gibt es die schönsten Radwege.“

Aus Niederschlägen Stärken entwickeln – das musste Denise Schindler mühsam lernen. Doch sie hat diese Herausforderung gemeistert. Als Coach und Motivationstrainerin möchte sie das anderen vermitteln. Ihre Besonderheit habe sie zu dem gemacht, was sie heute sei: „Man muss den Mut haben, anders zu sein, als es einem vorgelebt wird“, sagt Schindler. Aus dieser Motivation möchte sie dazu beitragen, dass Sportprothesen preiswerter werden. Denn Kinder mit einem ähnlichen Schicksal sollen nicht so lange brauchen, bis sie ihre sportliche Seite entdecken und ausleben können.

von Maria-Mercedes Hering

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