Idylle am kleinen Olchinger See: noch ist die Schwanenfamilie komplett und zieht ihre Runden.

Am kleinen Olchinger See 

Warum musste der kleine Schwan sterben? 

Olching - Aufregung am kleinen Olchinger See: Ein junger Schwan drehte dort im Sommer seine Runden – jetzt ist das Tier tot. Es wurde erschossen. Die Jagdpächter sagen, es hätte sein müssen. Der Vogel sei krank gewesen. Tierfreunde sind entsetzt – und erheben schwere Vorwürfe gegen die Jäger.

Gute vier Monate hat der kleine Schwan gemeinsam mit seinen Eltern am kleinen Olchinger See verbracht. Seit kurzem schwimmen nur noch die zwei erwachsenen Tiere auf dem Gewässer. Der Jungvogel fehlt. Was ist passiert? 

Die Antwort liefert ein Zettel, der an einen Baum gehängt wurde. Darauf steht: „Wenn Ihr mich suchen solltet, muss ich Euch leider sagen, dass ein Jäger mein kleines junges Schwanenleben einfach ausgelöscht hat.“ Und weiter ist zu lesen: „Ich hätte mich gerne weiterhin meines Lebens erfreut und wäre gerne ein stattlicher Schwan geworden.“ Auch im Internet-Netzwerk Facebook wurden schwere Vorwürfe gegen die Jäger laut. Von brutaler Abknallerei war die Rede. Mittlerweile sind die Einträge gelöscht. 

Toter Schwan wird untersucht

„Das ist eine Frechheit“, sagt Rudolf Haderecker, einer der drei Jagdpächter des kleinen Olchinger Sees. „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Der junge Schwan sei krank gewesen. „Wir haben ihn von seinem Leiden erlöst.“ Das Tier sei ihnen aufgefallen, weil es sich auffällig verhalten habe. Den Vorwurf, den Jungvogel einfach abgeknallt zu haben, weisen die Jagdpächter von sich. Deshalb werde der tote Schwan nun von einem Veterinär untersucht.

Dass der kleine Schwan offenbar krank oder zumindest schwach war, bestätigt Judith Brettmeister vom Tierschutzverein München. Eine Frau, die am See immer schwimmen gehe, habe dem zuständigen Vogelbetreuer erzählt, dass das Tier stark abgemagert gewesen sei. Zudem habe es gehinkt. „Aber ob man es dann gleich erlösen muss, ist fraglich“, sagt Tierschützerin Judith Brettmeister. 

Der Schwan hätte ja nur Würmer oder etwas anderes Harmloses haben können. „Und ein Bein kann man richten.“ Judith Brettmeister hätte sich gewünscht, dass jemand von den Jagdpächtern den Tierschutzverein informiert hätte. „Wir hätten auf jeden Fall versucht, den kleinen Schwan wieder aufzupäppeln“, sagt sie. 

Der Münchner Tierschutzverein hat sich schon einmal um die Schwanenfamilie gekümmert. Er siedelte sie im Sommer aus der Landeshauptstadt nach Olching um – eine Aktion, die für Schlagzeilen sorgte. Denn es spielte sich ein wahrer Tierkrimi ab. 

Ursprünglich stammte die Schwanenfamilie vom Lerchenauer See. Wahrscheinlich flüchtete sie aber von dort wegen der Motorboote der Wasserwacht. Als neues Domizil suchten sich die Tiere den Olympiasee aus. Doch dort lebte bereits ein anderer Schwan. Es kam zu erbitterten Kämpfen. Als der Revierschwan schließlich auch das Küken attackierte, mussten die Tierschützer eingreifen. Sie fingen die Familie ein und brachten sie nach Olching. 

Ob die beiden erwachsenen Schwäne dort langfristig bleiben, ist nicht sicher. „Wir hatten schon öfter Schwäne auf dem kleinen Olchinger See“, erklärt Gerhard Wendl, der eine Vogelaufzuchtstation betreibt. Lang geblieben sind sie nie. „Denen gefällt’s da offenbar nicht.“

Das Jagdrecht

Der Höckerschwan unterliegt dem Jagdrecht und darf in der Regel von 1. November bis 20. Februar geschossen werden. Das erklärt Judith Brettmeister vom Münchner Tierschutzverein. Die Jagdpächter haben den kleinen Schwan somit außerhalb der Jagdzeit geschossen. „Das spielt aber keine Rolle, wenn sie es begründen können“, so Judith Brettmeister.

von Eva Dobler 

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