Olchingerin holt Silber in Rio

Olching/Rio de Janeiro – Wieder hatte Denise Schindler Tränen in den Augen. Aber dieses Mal waren es Tränen der Freude und der Erleichterung. Die Radrennfahrerin aus Olching hat bei den Paralympics in Rio Silber gewonnen.

In der Einzelverfolgung über 3000 Meter auf der Bahn, dem Rennen, bei dem sich die Olchingerin schon im Vorfeld die größten Chancen ausgerechnet hatte und Gold gewinnen wollte, war sie vor einer Woche disqualifiziert worden. Nun beim Zeitfahren auf der Straße, dem Rennen, auf das sie nicht fokussiert gewesen war, gewann die Neu-Olchingerin nach 30:18,99 Minuten hinter der Niederländerin Alyda Norbruis (29:46,51) Silber bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro.

„Wie habe ich das denn gemacht? Nach dem Drama ist das ein Geschenk für mich”, wunderte sich die in eine Deutschland-Fahne gehüllte Schindler im Ziel. „Das ist die Erlösung. Es war schon krass, was auf der Bahn passiert ist, das war so ein Schlag ins Gesicht für mich.” Eineinhalb Tage vor dem Straßenrennen ist sie auch noch krank geworden. „Mir ging’s gar nicht gut, ein grippaler Infekt.“ 24 Stunden vor dem Start hat sie mit ihrem Team entschieden, dass sie antreten würde. Direkt in der Nacht davor hat sie zwei T-Shirts durchgeschwitzt, bevor die Anstrengung auf dem Rad erst begann. Aber Schindler sagt: „Das ist meine Stärke, aus einem Rückschlag noch einmal doppelt stark hervorzugehen.” Auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Denise Schindler glaubt an gutes Karma. Mit Glauben und Karma allein gewinnt man allerdings noch keine Silbermedaille bei Paralympischen Spielen, wo fast alle Gegner hochprofessionell sind und Kleinigkeiten entscheiden. Die 30-Jährige, die in London 2012 bereits Silber im Straßenrennen geholt hatte, machte dies mit Strategie und Einsatz wett. „Ich habe alles auf zwei Karten gesetzt, die Verfolgung und das Straßenrennen, und wollte nicht bei allem mitmachen. Wenn Medaille, dann richtig Medaille und nicht vorbeikratzen.”

Dass es mit dem heiß ersehnten Edelmetall genau in der Disziplin geklappt hat, auf die sie sich kaum konzentriert hatte, macht deutlich, wie wenig sich manchmal auch im Leistungssport planen lässt und wie viel ohne Erwartung möglich ist. Doch für Schindler gilt in Rio: „Ich habe eine Megaform, das war der Beweis.” Auch die Top-Verfassung kommt nicht von allein. „Ich habe mir ein Jahr lang den A… aufgerissen”, sagt Schindler. Sie ist von einem Trainingslager in das nächste gereist, war kaum in ihrer Wohnung in Olching, hat optimiert, was sie optimieren konnte – das Training, das Material. Auf der Hannover-Messe im April hat Schindler eine besondere Prothese aus dem 3D-Drucker vorgestellt, die auch US- Präsident Barack Obama interessierte und beeindruckte. Mit der ist sie in Rio gestartet. Sie wollte sich nicht vorwerfen, etwas unversucht gelassen zu haben. „Alles tun, was ich kann, mehr kann ich nicht machen.” Die Silbermedaille war nun der Lohn.

Ihr Vater umarmte Denise Schindler im Zielbereich. Feiern im Deutschen Haus wollte sie an diesem Tag, an dem auch andere Radsportler dem Deutschen Behindertensportverband eine Medaillenflut bescherten, wegen des grippalen Infekts jedoch noch nicht. Heute steht bei den Paralympics auch noch das Straßenrennen an. Nach der Verfolgung auf der Bahn und dem Zeitfahren auf der Straße Schindlers drittes und letztes Rennen in Rio.

Mittlerweile freut sich Schindler sogar schon wieder ein bisschen auf die Rückkehr „in meine Olchinger Traumwohnung”, sagt die gebürtige Chemnitzerin. „Wenn man zu Hause ist, dann genießt man das. Das Daheimsein und Auftanken ist der Ruhepol für mich.” Nun möchte sie endlich einmal mehr daheim sein. Sie freut sich auf ihre Wohnung zum Auftanken für die nächsten Abenteuer. (Martina Farmbauer)

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