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Sie konnte es einfach nicht fassen: Denise Schindler hadert in Rio mit Windschatten, Regelwerk und Disqualifikation.

Paralympics in Rio

Goldtraum verfliegt im Windschatten: Olchingerin weint Tränen der Wut

Olching - Mit einer Zeit, die zum Rennen um die Bronzemedaille gereicht hätte, wird die Olchinger Radsportlerin Denise Schindler bei den Paralympics in Rio über die 3000 Meter disqualifiziert

Als Kind konnte sie ihr Fußgelenk nicht bewegen, in der Jugend hatte sie keinen Spaß am Sport, als Erwachsene ist sie Leistungssportlerin und bei den Paralympics dabei. Dennoch flossen bei Denise Schindler in Rio de Janeiro Tränen. Es waren keine Tränen der Trauer oder des Schmerzes, sondern der Wut, die die Olchingerin im Velodrom im Olympischen Park in Barra da Tijuca vergoss. Denn dabei zu sein reicht Denise Schindler nicht.

“Mein Ziel ist natürlich eine Medaille, Gold wäre der Oberknaller”, hatte sie dem “Münchner Merkur” vor ihrer Abreise nach Rio gesagt. Nun ärgerte sie sich darüber, dass sie in ihrer Paradedisziplin, der Einzelverfolgung über 3000 Meter, in der sie in Appeldoorn/Niederlande im Jahr 2015 Weltmeisterin geworden war, in der Qualifikation aus der Wertung genommen worden war. “Da arbeitet man vier Jahre darauf hin – und dann so etwas. Das ist so hart, so bitter.” Zuletzt war Denise Schindler, die als Eventmanagerin arbeitet, im Höhentrainingslager in St. Moritz/Schweiz gewesen, sie trainierte häufig mit dem Kader für Rio am Olympiastützpunkt Brandenburg in Frankfurt/Oder. Sie wusste, dass sie in das Finale fahren kann, fühlte sich bereit für die Herausforderung. Sie hat schon so viel bewältigt.

Denise Schindler, die in Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) geboren wurde, hatte mit zwei Jahren einen Straßenbahnunfall, bei dem ihr linker Unterschenkel verletzt wurde und amputiert werden musste, weshalb ihre Eltern mir ihr zur besseren medizinischen Versorgung nach (damals noch) Westdeutschland kamen. Seitdem hat sie sich heftigen Operationen unterzogen, zwischenzeitlich saß sie sogar im Rollstuhl. In Rio startete sie mit einer besonderen Prothese aus dem 3-D-Drucker, die bei der Hannover Messe im April diesen Jahres auch den US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama interessiert und begeistert hat. Letztlich, so muss man das wohl sagen, ist Denise Schindler an der Cleveren gescheitert, über die sie schon früher in diesem Jahr in einem Interview gesagt hatte: “Selbstverständlich wäre ich gerne Weltmeisterin geworden. Aber meine Gegnerin war zu stark. Es wäre nicht realistisch gewesen, sie zu schlagen.”

Ihre Gegnerin in Rio, Megan Giglia, und Denise Schindler haben sich schon lange ein Duell geliefert, wobei bei den vergangenen Malen, eben bei der Weltmeisterschaft in Montichiari/Italien im März diesen Jahres, jeweils die Britin die Nase vorn hatte. Deshalb kann man auch davon ausgehen, dass sie Denise Schindler mit ihren Stärken in Sachen Ausdauer, die sie bei der Verfolgung besser zum Ausdruck bringen kann als im Sprint, bereits kennt. “Ich habe meine härtesten Konkurrentinnen Megan Giglia (aus Großbritannien und Jamie Whitmore aus den Vereinigten Staaten) genauestens im Auge”, hatte Denise Schindler dem Münchner Merkur gesagt. Diese sie offensichtlich auch.

Jedenfalls lief der Wettkampf bei den Paralympics so, dass Megan Giglia, für die am Ende mit 4:04,544 Minuten Weltrekord zu Buche stand, das Rennen am Anfang extrem schnell anging und sie Denise Schindler bei der Hälfte überholte. Im zweiten Abschnitt wurde Megan Giglia immer langsamer, aber Denise Schindler durfte sie nicht mehr überholen. Das besagt das Reglement. Ihr Rennen als Ausdauer-Expertin war jedoch darauf ausgerichtet, das Tempo in der zweiten Hälfte zu steigern. “Ich habe kontrolliert angefangen. Ich hätte locker auch 4:05 oder 4:06 fahren können”, sagte Denise Schindler. “Ich fühle mich gar nicht ausgelastet.” Megan Giglia hat sie klassisch ausgekontert. Und Denise Schindler ist eben sogar noch disqualifiziert worden, weil sie zu lange in deren Windschatten gefahren ist. Daher die Wut.

Der Deutsche Behindertensportverband verzichtete auf einen Protest. Mit ihrer Zeit hätte es für Denise Schindler noch zum Rennen um die Bronzemedaille gereicht, doch das war ihr dann auch schon egal. Im Zeitfahren am 14. September und im Straßenrennen am 16. September startet Denise Schindler, die bei den Paralympics in London 2012 die Silbermdaille im Straßenrennen gewann, noch einmal. Sie sagte: “Es hilft ja nichts, es muss weitergehen.” Aber das Gold wollte sie in der Verfolgung über 3000 Meter auf der Bahn, ihrer Paradedisziplin, gewinnen.

Martina Farmbauer

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