Ortstermin an der Todeskurve

Oberschweinbach/Mammendorf - Die S-Kurve zwischen Mammendorf und Oberschweinbach ist eine echte Todesfalle.

Zuletzt starb dort vor knapp zwei Wochen eine junge Frau. Nun soll die Stelle entschärft werden - fragt sich nur wie.

In dichtem Schneefall stand gestern eine kleine Gruppe im Wald am Rand der Kreisstraße . Vertreter der beiden betroffenen Gemeinden, der Polizei und des Landratsamtes trafen sich zum Ortstermin. Beim Anmarsch auf dem Radweg entlang der Straße waren die vielen Marterl nicht zu übersehen, die die Strecke säumen. In der ersten Biegung der S-Kurve Richtung Oberschweinbach, ist es besonders schlimm.

Das jüngste Kreuz ist keine zwei Wochen alt. Es erinnert an Constanze S.. Sie prallte hier mit ihrem Auto am 7. Februar auf der Fahrt zur Arbeit gegen einen Baum und erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen. Das Marterl direkt daneben gibt es seit 20 Jahren. Es erinnert an einen junger Mann, der hier tödlich verunglückte. 2011 ist an dieser Stelle eine Frau schwer verletzt worden. Gegenüber starb 2008 ein Motorradfahrer. Daneben weist die Polizeistatistik noch eine ganze Reihe anderer Unfälle aus, die glimpflicher abliefen.

Unablässig schießen Autos und Lastwagen an der Fußgängergruppe vorbei. Fast zwangsläufig stellt sich bei den Behördenvertretern ein mulmiges Gefühl ein. Und noch etwas können sie auf dem Ortstermin bei Winterwetter miterleben: Wie schnell der Schnee an dieser Stelle die Fahrbahn völlig bedeckt. Wer jetzt in der S-Kurve im Wald mit mehr als 60 Stundenkilometern unterwegs ist, der bringt sich und andere in Gefahr. Viele Autofahrer unterschätzen das wohl, meint ein Verkehrsexperte der Brucker Polizei. Fast alle schlimmen Unfälle in der Todeskurve passierten im Winter oder nach Regenfällen - immer bei Glätte.

Bei der Bürgerversammlung hatte ein Oberschweinbacher mangelnden Winterdienst angeprangert. Das schloss der Vertreter des Landratsamtes beim Ortstermin allerdings aus. Zwischen Mammendorf und Oberschweinbach würde genauso viel geräumt, wie auf anderen Strecken. Und es werde sogar mehr gesalzen als auf freier Flur. Das sei in Waldstücken so üblich.

Was macht dann ausgerechnet diese Kurve so gefährlich? Im Frühjahr prüft das Landratsamt Griffigkeit und Neigung der Straße sowie die Böschung. Große Erkenntnisse zur Entschärfung der Todeskurve erwarten die Experten davon allerdings nicht, weil die Unfälle wie gesagt alle bei Glätte passiert sind - und bei relativ geringem Tempo, das den Witterungsverhältnissen aber doch nicht angepasst war. Deshalb würde wohl auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung nicht viel bewirken. Dieser Meinung ist zumindest Karl Stecher, Leiter des Straßenverkehrsamtes Bruck. Die Bäume im Straßenbereich zu fällen, ist in dem Waldstück auch eine nahezu utopische Idee.

Übrig blieb nach der Ortsbegehung eigentlich nur eine einzige durchführbare und eventuell sinnvolle Idee: eine beidseitige Leitplanke. Die könnte auch die Passanten auf dem Radweg schützen. Doch sogar bei dieser Lösung gibt es einen Haken. Bei einem Unfall könnten herumfliegende Fahrzeugteile an der Leitplanke abprallen und noch mehr Verkehrsteilnehmer gefährden.

Verena Usleber

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