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Winzige Fläschchen aus Glas und mit fragilen Verzierungen reihen sich bei der zweiten Parfum-Flakon-Börse in Germering in hohen Vitrinen und auf großen Tischen aneinander.

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Flakon-Börse: Das sind die Fans der Luxus-Fläschchen

Germering - Bei einem Parfum ist der Duft entscheidend. Falsch. Es gibt tatsächlich Menschen, die sammeln lediglich die kunstvoll gearbeiteten Behältnisse der wohlriechenden Wässerchen.

Und die kamen am Sonntag in der Stadthalle auf ihre Kosten. Dort fand die zweite Flakon-Börse statt.

Die Parfum-Flakons, die an diesem Tag in der Stadthalle angeboten werden, sind teilweise nur ein paar Zentimeter hoch. Winzige Fläschchen aus Glas und mit fragilen Verzierungen reihen sich in hohen Vitrinen und auf großen Tischen aneinander. Interessierte beugen sich tief über die Auslagen. Kein Wunder: Bei den kaum briefmarkengroßen Etiketten müssen sie schon genau hinsehen, um Marke und Duft erkennen zu können. 

Dabei geht es den Sammlern gar nicht um den Geruch des Parfums, sondern um den Designer und das Aussehen des Glasbehältnisses. Die Flakons sind verspielt und bunt, die Verschlusskappen oft wie Edelsteine geschliffen. Extravagantes reiht sich hier an elegante oder figürliche Schmuckstücke. Die Sammlerherzen schlagen höher. Für ein oder zwei Euro lassen sich bereits einige Miniaturen erstehen. Nach oben sind dem Preis für einen Flakon kaum Grenzen gesetzt. Es gibt auch Flaschen, die mehrere hundert Euro kosten. In diesem Fall handelt es sich aber meistens um sogenannte Großfactisen – das sind Großversionen der Parfumflaschen, die lediglich mit gefärbtem Wasser befüllt sind. 

Karin Tschirpke (75) hat in 30 Jahren 5000 Flakons zusammengetragen.


Stolz präsentiert Karin Tschirpke (75), was sie an einem Stand ergattert hat: Das Fläschchen zwischen ihren Fingern ist kaum einen Zentimeter groß. Die Karlsfelderin hat in den letzten 30 Jahren über 5000 solcher Miniaturflakons zusammengetragen. Eine ganze Wand in ihrem Haus ist voller Vitrinen. Ihr ist nur die Form der Flasche wichtig, denn oft sind die Proben alt, der Inhalt eingetrocknet oder der Duft verflogen. „Ich wasche die Flakons aus und stelle sie leer in mein Regal“, erklärt die 75-Jährige. 

Helga Ullmann bot vor allem riesige Ausführungen der Flakons an.


Auch bei Bettina Bayer-Tetzel ist der Duft des Parfums zweitrangig. Die Baden-Württembergerin sammelt seit 1988 Flakons und organisiert seit den 1990er-Jahren Börsen wie die in Germering. „Früher wurden die Proben der Hersteller noch in hübschen kleinen Mini-Fläschchen herausgegeben.“ Heute gäbe es kostenlos nur noch kleine, schlichte Glaskolben. Die „Luxusproben“, wie die Spezialistin sie nennt, würden nur noch verkauft. Deshalb gelte mittlerweile je verrückter, desto besser. 

Karl-Heinz Glatzel sammelte 25 Jahre zusammen mit Frau Andrea – jetzt verkauft das Paar aus Platzgründen einige ihrer 1000 Fläschchen.


Doch die Branche schrumpft, es gibt immer weniger Sammler, weiß Bayer-Tetzel. Auch Familie Glatzel aus Regensburg muss mit dem Hobby aufhören – aus Platzgründen. Karl-Heinz und Andrea Glatzel sammeln seit 25 Jahren, früher waren die Regensburger alle drei Monate auf einer Börse und trugen rund 1000 Stück zusammen. „Ich war schlimmer als meine Frau“, gibt der 47-Jährige schmunzelnd zu. Nur ganz besondere Stücke werden sie behalten, das meiste wird auf Börsen verkauft. Dabei nehmen Glatzels zunehmend weite Wege in Kauf. 

Karin Straßberger besitzt rund 1200 Parfum-Flakons: Die Bürokauffrau sammelt seit 1994 vor allem die Marken Guerlain, Dior und Ricci, alte Firmen, deren Designs ihr besonders gefallen.


Seit 1994 sammelt auch Karin Straßberger große und kleine Flakons. Die Bürokauffrau mag vor allem die Marken Guerlain, Dior und Ricci, alte Firmen, deren Designs ihr besonders gefallen. „Dabei geht Qualität über Quantität“, erklärt die 59-Jährige, deren Sammlung mit rund 1200 Stück in der Branche als eher klein gilt. Sie hat einen ähnlichen Geschmack wie Helga Ullmann ein paar Tische weiter. 

Vor 25 Jahren hat diese die ersten Flakons im Flugzeug gekauft, ihr Mann gab ihr dafür einen Setzkasten. Heute besitzt die Rentnerin aus dem Schwarzwald rund 2500 Stück. Aber nur was sie geschenkt bekommt oder auf Märkten findet, verkauft sie weiter. Die nächste Gelegenheit wird dabei die Germeringer Parfum-Flakon-Börse am 12. März 2017 sein, die Bettina Bayer-Tetzel bereits plant.


Sechs Tipps vom Profi


Bettina Bayer-Tetzel veranstaltet regelmäßig Flakon-Börsen. Sie sammelt selbst seit 28 Jahren Parfumfläschchen. Hier gibt sie Neueinsteigern und Sammlern sechs Tipps, wie sie sich in der Branche zurechtfinden:


Neueinsteigern rate ich zu französischen Parfums. Die sind verspielt und kunstvoll, während deutsche Marken oft sehr schlichte Glasfläschchen herstellen. Ich empfehle die Marken Guerlain, Gaultier oder Chanel. 

Auf Messen sind vor allem Neulinge oft besser aufgehoben, als auf Online-Portalen. Im Internet gibt es viele Fälschungen. Außerdem werden die filigranen Flakons manchmal beim Versand beschädigt. 

Auf gar keinen Fall dürfen die Parfumfläschchen geöffnet werden – dann verliert sich der Duft des Inhalts. Echte Sammler lassen den Deckel deshalb immer auf dem Flakon. 

Von hellem Licht sollten Sammler vor allem größere Flaschen fernhalten. Bei zu viel Helligkeit dunkelt das Parfum nämlich nach und sieht nicht mehr aus wie das Original. 

Bei der Aufbewahrung empfehlen sich Vitrinen oder Setzkästen mit Deckel. Denn an den diffizilen Behältnissen setzt sich sonst schnell Staub ab und das Abstauben kann gerade bei einer großen Sammlung viel Zeit und Mühe kosten. 

Die halbe Miete beim Flakon-Sammeln ist für viele Enthusiasten der persönliche Kontakt. In der Branche kennen sich viele Sammler und Aussteller.

von Maria-Mercedes Hering

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