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Alte Fotos und Zeitungsausschnitte dokumentieren die Geschichte des Puchheimer Verwaltungsgebäudes. Mandy Frenkel (v.l.), Werner Dreher und Bürgermeister Norbert Seidl bei der Eröffnung der Ausstellung im Rathaus.

Puchheim

Als die Verwaltung ein Zuhause fand

Puchheim – Wirtshaus und Schule: Das waren die Orte, an denen einst der Puchheimer Gemeinderat tagte. Erst 1966 fanden Politiker und Verwaltung ein Zuhause. Eine Ausstellung zeigt nun die Geschichte des Rathauses.

Wie vorher die Böden in der Alten Schule ausgesehen hatten oder ob die Gemeindebediensteten viele weibliche Besucher empfangen hatten, ist unbekannt. Aber zum Tag der offenen Tür im neu gebauten Rathaus am 30. April 1966 war man offenbar so stolz auf die neuen Räumlichkeiten, dass man die Parkettböden oder Teppiche nicht durch Stöckelschuhe verhunzt wissen wollte: „Die verehrten Damen werden gebeten, die Räume nicht mit spitzen Absätzen zu betreten“, hieß es in der im Brucker Tagblatt veröffentlichten Einladung der Gemeinde zur Besichtigung. Es ist dies eine der Anekdoten, die eine kleine Broschüre und eine Ausstellung zur 50-jährigen Geschichte des Puchheimer Rathauses präsentieren.

Wie Ex-Stadtarchivar Werner Dreher in einer Rückschau anmerkte, brauchte es noch im 19. Jahrhundert lange kein Rathaus und nicht einmal eine Gemeindekanzlei. Der Gemeinderat tagte im Wirtshaus, die vom Gemeindeschreiber protokollierten Beschlüsse lagerten in Schriftform vermutlich beim Bürgermeister. Erst ab 1876 wurde das Schulhaus in Puchheim-Ort Sitz der Verwaltung, genauer gesagt reichte das Lehrerzimmer auch für die Bedürfnisse der Gemeinde. Ein Anfang der 1930er-Jahre entstandenes Foto zeigt diesen Raum mit einem großen Kruzifix und einem Bild des Kini noch über einer Weltkarte der Hamburg-Amerika-Linie.

70 Jahre lang reichte dieses Gemeindestüberl, ehe „die Verwaltung“ unter heftigem Protest der Ortler die Schule wechselte und nach Pucheim-Bahnhof zog. Dort reichte es immerhin zu einem eigenen Raum und ab 1955 im Erweiterungsbau, dem heutigen Bürgertreff, sogar fast zu einem ganzen Kellergeschoss. Weil dort aber eigentlich die Schulküche hätte unterkommen sollen, setzte die Regierung eine Frist für den Auszug. Mithin musste nun wirklich ein Rathaus her, das ab 1964 praktisch auf einer freien Wiese entstand.

Der Neubau an der Poststraße war gemessen an den gerade 4000 Einwohnern durchaus großzügig bemessen und kam – heute unvorstellbar – günstiger als vorab geschätzt. Das war bei der 1981 notwendig gewordenen Erweiterung anders. Die Bevölkerungszahl hatte sich seit 1966 mehr als vervierfacht, die Baukosten lagen doppelt so hoch wie veranschlagt. Was wegen der staatlichen Zuschüsse für nicht förderfähige Extras zu einem Rechtsstreit zwischen Gemeinde und Regierung von Oberbayern führte, der erst 1995 mit einem Vergleich endete.

Damals aber erhielt das Rathaus sein heute noch gültiges Gesicht, insbesondere einen Sitzungssaal, in den man als Passant von außen hineinschauen und den Stadträten bei der Arbeit oder zumindest beim Diskutieren zusehen kann.

Zu eng geworden ist es trotzdem wieder. 1991 wurde das Sozialamt, heute „Amt für Teilhabe“, ausquartiert und in einer ehemaligen Volksbank-Filiale am Alois-Harbeck-Platz untergebracht. Und Bürgermeister Norbert Seidl lobte bei der Ausstellungseröffnung zwar die repräsentative Erscheinung der Stadt durch das Rathaus, ließ aber auch anklingen, dass es mal wieder am Platz fehle.

Jede Nische werde zum Büroraum gemacht, teilweise teilten sich die Mitarbeiter einen Arbeitsort. So könnte es noch weitere Erweiterungen am Rathaus geben. Nur ihren endgültigen Standort könnte die ehemals mobile Gemeinde gefunden haben, denn ein Rathaus-Neubau im künftigen, neuen Stadtzentrum wurde verworfen. (op)

Eine weitere Ausstellung: Die Wirtschaftswunderjahre 

Lang, lang ist es her. Viele der etwas Älteren erinnern sich noch gut an die Jahre des Aufschwunges in Westdeutschland nach dem Krieg. Nach und nach füllten sich die Regale in den Läden, man konnte sich immer mehr leisten, man war wieder wer. 

In einer Ausstellung will der Verein „d’ Buachhamer“ diese Zeit wieder kurz auferstehen lassen und zeigt in der Alten Schule Puchheim-Ort vom 19. bis 27. November viele Exponate aus dieser Epoche. Eröffnet wird die Schau am Samstag, 19. November, um 14 Uhr. Geöffnet ist bis 18 Uhr. 

Die weiteren Öffnungszeiten sind: Sonntag, 20.11., von 9.30 bis 18 Uhr, Donnerstag, 24.11., von 19 bis 21 Uhr mit Führung, Samstag, 26.11. , von 9.30 bis 18 Uhr und Sonntag, 27.11., von 9.30 bis 16 Uhr.

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