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Die Saatkrähen sind in Puchheim nicht bei allen Bürgern beliebt: Anwohner der Allinger Straße, der Mozartstraße und des Ihlewegs fordern, dass die Tiere mithilfe eines Falkners aus den Wohngebieten vertrieben werden.

Unterschriftensammlung in Puchheim

Greifvögel sollen lästige Krähen vertreiben

Puchheim - Die Anwohner der Saatkrähen-Kolonie um den Schopflacher Friedhof in Puchheim haben endgültig die Nase voll. Die Bürger fordern nun ungewöhnliche Maßnahmen.  

In der jüngsten Stadtratssitzung übergaben die Anwohner eine Liste mit 725 Unterschriften an Rathauschef Norbert Seidl. Die Bürger fordern, einen Falkner mit seinen Greifvögeln einzusetzen, um die Tiere endgültig zu vertreiben.

Eine solche Lösung müsste von der Obersten Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberbayern genehmigt werden. Auch der Regierung wurde dieser Appell zugestellt. Nach der jüngsten Zählung haben sich die unter strengem Artenschutz stehenden Tiere noch einmal enorm vermehrt. 303 Nester wurden heuer gezählt, im Vorjahr waren es erst 231. Weitere 29 Brutpaare leben in verstreuten Splitterkolonien in Puchheim.

Die Anwohner klagen über unerträglichen Lärm in der Balz- und Brutzeit zwischen Februar und Juli und die Verkotung der gesamten Umgebung. Alle bisherigen Versuche der Stadt, die Krähen zu „vergrämen“, so der offizielle Begriff, erwiesen sich als unwirksam. Auf die Idee, die natürlichen Feinde der Krähen einzusetzen, kamen die Initiatoren in direkter Nähe der Kolonie. Um die wenige hundert Meter entfernten Erdbeerplantagen zu schützen, wurde der Falkner Leo Mandlsperger verpflichtet.

Nach seinen Worten sind behördliche Genehmigungen kein Problem, wenn landwirtschaftliche Interessen berührt sind. Der 65-Jährige aus Odelzhausen hat aber auch Erfahrung bei der innerörtlichen Krähen-Jagd besonders im Schwäbischen. Die dortigen Naturschutzbehörden handhaben demnach die Vertreibungserlaubnis wesentlich liberaler als ihre oberbayerischen Kollegen.

Mandlsperger setzt bis zu sieben „Dienstvögel“ ein, Bussarde, Habichte und Falken verschiedener Größe und mit unterschiedlichem Jagdtrieb, damit die Krähen sich nicht an einen einzelnen gefährlichen Gegner gewöhnen können. Erforderlich ist auch monatelange Anwesenheit vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung, um einen dauerhaften Effekt zu gewährleisten. Das Vergrämungsteam aus Menschen und Raubvögeln müsse schon penetrant sein, weiß der Experte. Außerdem braucht es eine Auswahl von Ausweichquartieren, in denen sich die ehemaligen Wild- und heutigen Stadtvögel sicher fühlen könne.

Der Einsatz ist nicht billig, 20- bis 25 000 Euro berchnet der Falker. Mandlspergert: „Das ist doch kein Geld für eine Kommune. Dafür verkauf ich einen mittelmäßigen Falken nach Arabien.“

Über dezentere Versuche, der Plage Herr zu werden, kann der Falkner nur lachen. Er weiß von Wasserwerfern, mit denen die Nester vom Baum gefegt wurden, oder dem Einsatz der Blasmusik. Alles nur für den Moment erfolgreich. Über den Puchheimer Versuch, die Tiere mit Luftballons zu erschrecken, konnten seiner Ansicht nach die Krähen selber nur lachen.

Der Mann, der auch schon mal einen Kolkraben gehalten hat, sieht sich nicht als „Krähen-Terminator“, wenngleich seine Dienstvögel manchmal auch ein Opfer fangen, also töten dürfen. Aber er hat Verständnis für Menschen, die das ständige Gekrächze nicht mehr aushalten. Und die Ausscheidungen der Tiere seien nicht nur unappetitlich, sondern auch unhygienisch.

Die Unterzeichner, unter anderem aus Allinger- und Mozartstraße sowie Ihleweg, sehen das ähnlich. Es könne ja sein, dass die Saatkrähen mal schützenswert gewesen seien, sagt eine Mitgründerin der Bürgerinitiative. Heute handele es sich schlicht um „Überpopulation“.

Hauswände verkotet

„Es muss sich endlich was tun“, sagt Ramona Wiesinger, ein Mitglied der Bürgerinitiative, die die Unterschriften gesammelt hat und den Einsatz eines Falkners fordert, um die Krähen-Plage zu beenden. Jedes Jahr werde es schlimmer. Wiesinger, die im Ihleweg wohnt, kennt die Krähen-Problematik von Anfang an. Vor acht Jahren seien es allerdings noch acht Brutpaare gewesen, mittlerweile seien es 325, sprich 650 Vögel plus die Jungtiere. Und die machen einen Heidenlärm.

„Der Krach ist unerträglich, das macht mit der Zeit richtig aggressiv“, so Wiesinger. Die Vögel beginnen während der Brutzeit bereits gegen 4 Uhr in der Früh zu krächzen. Aufhören tun sie erst gegen 22 Uhr. Doch die Anwohner leiden nicht nur unter dem Gekreisch der Tiere. „Die Hauswände sind regelmäßig verkotet“, berichtet Wiesinger. Zudem könne man während der Brutzeit nur mit ausgefahrener Markise auf der Terrasse sitzen. „Mein Mann macht das schon gar nicht mehr.“

op/ed

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