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So viele Krähen gibt es in Puchheim zum Glück nicht. Noch nicht. Die Vögel vermehren sich in der Regel schnell. Ihre Gegner nun auch. 

Vogelgegner vermehren sich

Krähen-Plage plagt den Puchheimer Stadtrat

Puchheim – Gewaltsam vertreiben, mit milderen Mitteln vergrämen oder auf ein natürliches Gleichgewicht hoffen – wie Puchheim mit der Saatkrähen-Kolonie im Schopflacher Wald umgehen soll, bleibt weiter offen. Der Stadtrat diskutierte jetzt über mögliche Varianten, ließ aber eine Entscheidung offen.

Nicht weniger als 725 Menschen haben inzwischen per Unterschrift an die Stadt appelliert, die Krähen zu vertreiben. Waren es bisher vor allem die Anwohner der „Hauptkolonie“ um Friedhof und Schopflach-Wäldchen, die gegen Lärm und Verunreinigung protestierten, so gibt es inzwischen auch zahlreiche Unterzeichner aus dem Seniorenheim Haus Elisabeth, aus der Sprengerin-Siedlung und sogar erste Betroffene aus dem Puchheimer Norden, im Reiterweg und in der Tannenstraße. Überall dort haben sich kleinere Krähen-Gruppen angesiedelt. In ihrem Antrag fordert die „Siedlergemeinschaft Puchheim-Bahnhof-Süd“, die Tiere dauerhaft umzusiedeln und für diesen Zweck mindestens fünf Jahre lang Mittel bereitzustellen. Diese fünf Jahre würde ein Falkner brauchen, um mit seinen Greifvögeln dauerhaften Erfolg garantieren zu können.

Problem dabei: Opfer unter den streng geschützten Saatkrähen sind beim Einsatz von Jagdvögeln einkalkuliert. Tödliche Mittel lehnt die Regierung von Oberbayern als Höhere Naturschutzbehörde aber – bis jetzt – kategorisch ab. Wie Monika Dufner vom Puchheimer Umweltamt im Stadtrat klagte, sehen sich die Naturschützer der Regierung aber auch nicht als fachliche Ratgeber: „Von denen kommen keine Tipps.“ Nach Behörden-Ansicht müsse die Stadt Vorschläge machen, die dann zu prüfen seien.

Nach Rathaus-Ansicht bleiben drei Optionen: Die Hauptkolonie erhalten, aber die Splittersiedlungen bekämpfen. Alle Krähen zum Umzug zu bewegen, indem man sie an einen attraktiven Alternativ-Standort lockt. Nichts tun und darauf hoffen, dass sich die Population auf einem verträglichen Niveau einpendelt. Bis auf die letzte, die im ostfriesischen Jever mit Erfolg praktiziert worden sein soll, braucht es allerdings die Genehmigung für rigorosere Maßnahmen als Heliumballons an Bäumen zu befestigen oder Nester zu verlegen. Oder gegen die Vögel lärmige „Krähenklatschen“ einzusetzen. „Das war denen völlig egal“, berichtete Dufner.

Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach neuen Wohnstätten. Die bisher vorgeschlagenen Standorte sind zu klein (Wäldchen beim WVA-Brunnen) oder werden als Fichtenwälder (Parsberg) wegen ihrer abwechslungsarmen Vegetation von den Krähen nicht geschätzt. Ein Umzugsort, die Moosschwaige in Aubing, wäre ideal, liegt aber weit weg und nicht auf Puchheimer Flur. Ohnehin müsste man sich mit Grundeigentümern, Jägern, Landwirten und den dann betroffenen Kommunen verständigen. Der Hoflacher Berg in Eichenau zum Beispiel wäre nicht gänzlich ungeeignet – fraglich ist nur, was die Eichenauer von den neuen, im Erfolgsfall ständigen Gästen halten würden. Auch sie selbst wohne im Nachbarort, scherzte Dufner. Sie könne ja dann nach Puchheim ziehen, wurde im Stadtrat gewitzelt.

Max Keil (ubp) hielt es in einer kurzen Diskussion für notwendig, regulierend einzugreifen, also die Krähen zu dezimieren. Was früher vielleicht nur eine Belästigung war, habe sich längst zur Plage ausgewachsen. Auch Karin Kamleiter (CSU) sah den Versuch, „alles im Guten zu klären“, als gescheitert: „Menschenwohl geht vor Tierwohl.“ Umweltreferent Manfred Sengl (Grüne) warnte dagegen, mit „falschen Maßnahmen das Problem zu multiplizieren“ und möglicherweise „30 Splitterkolonien“ in Puchheim zu schaffen. Ziel müsse vielmehr ein „biologisches Gleichgewicht auf vernünftigem Level“ sein. Auch Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) meinte, dass „Hauruck-Aktionen“ zu einer „Verschlimmbesserung“ der Situation führen könnten. Das Thema bleibe aber auf der Tagesordnung.

Von Olf Paschen

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