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Die Vorsortierhalle: Alle verwertbaren Stoffe wurden herausgeklaubt und nach Fraktionen getrennt in die Körbe geworfen. Die im Kesselhaus erzeugte Dampfkraft trieb über Transmissionsriemen die Förderbänder an.

Ausstellung im Rathaus

Als Puchheim noch Münchens Müllhalde war

Puchheim – Stinkendes Abfallwerk oder modernes Recycling-Unternehmen, Umweltschädling oder Fortschrittsmotor – an der früheren Puchheimer „Hausmullfabrik“ scheiden sich noch heute die Geister. Eine Ausstellung erinnert jetzt an die über 40-jährige Geschichte der Anlage.

„Segen und Fluch der Abfallwiederverwertung westlich von München“ ist der Untertitel einer Broschüre, die für die Ausstellung im Rathaussitzungssaal konzipiert wurde. Denn was anfangs von den Gemeindevätern in Puchheim als Beschäftigungsmöglichkeit für viele Ansässige begrüßt wurde, war später auch bei den politisch Verantwortlichen vor Ort umstritten. Und die damals hochmoderne Wiederverwertungsanlage hinterließ eben auch meterhoch Restmüll, auf dem später eine ganze Siedlung gebaut wurde.

Anlass für die Ausstellung ist eigentlich ein Münchner Jubiläum: Vor 125 Jahren erließ die Stadt erstmals eine Abfallsatzung und führte eine organisierte Müllabfuhr ein. Sieben Jahre später, 1898, hatte eine eigens dafür gegründete Hausmüllverwertungs-GmbH ihren Auftrag erfüllt, „eine Fabrikanlage mit allen Neuerungen auf dem Gebiete der Technik und Chemie zu erbauen“. Warum ausgerechnet Puchheim als Standort ausgewählt wurde, ist unklar. Fast menschenleeres Moos und Gleisanschluss gab es eigentlich vielerorts rund um München.

Fahrtziel Planie: Per Schmalspurbahn wurde der Restmüll auf die Deponie transportiert.

Auf dem 85 Hektar großen Grundstück entstanden binnen kurzer Zeit Sortieranlagen, Direktionsgebäude und Arbeiterwohnhaus. Getrennt, sortiert (und wieder verkauft) wurde praktisch alles: Glas (nach Farben getrennt), Porzellan und Steingut, Textilien und Metalle, später sogar Knochen, die ab 1917 in einer eigenen Entfettungs- und Verwertungsanlage geschrotet und gemahlen wurden und als Dünger dienten. In- und ausländische Delegationen besichtigten die Fabrik, eine Bildpostkarte um 1920 zeigt als Attraktionen von Puchheim-Bahnhof neben dem noch bestehenden Gefangenenlager die Verwertungsanlage samt Direktionsgebäude.

Eine frühe Aufnahme der noch kleinen Hausmullfabrik. Sie wurde am 1. Juli 1898 in Betrieb genommen.

Aus heutiger Sicht mag erstaunen, dass in einer Zeit, in der man noch von der „Aschentonne“ sprach, so viel Brauchbares weggeworfen wurde. Allerdings firmiert die Hausmullverwertung München laut Briefkopf von 1932 auch als Entsorger für „gewerbliche und Industrie-Abfälle“. Im Jahr 1929 karrten täglich zwei bis drei Güterzüge insgesamt fast 200 000 Tonnen Unrat nach Puchheim. So blieb jede Menge Unverwertbares übrig, das angrenzend ans Fabrikgelände deponiert wurde. Bis zu sechs Meter hoch lag der Abfall, der dann mit einer Planierraupe verfestigt wurde. Daher der Name Planie.

Das Werk bot vielen Puchheimern – und Menschen aus Nachbargemeinden – Arbeit. Die Zahlen schwanken zwischen 130 und 305 während des Zweiten Weltkriegs. Es gab spezielle Kleidung für die Arbeiter, die zudem mindestens zwei Mal die Woche baden mussten. Werkseigene Wannenbäder standen zur Verfügung. Die Fabrikräume wurden ständig gelüftet und täglich zwei Mal mit verdünnter Karbolsäure desinfiziert.

Die angrenzende Restmüll-Deponie, von einem eigenen Schmalspur-Gleis erschlossen, schien eine Zukunft zu haben. Der planierte Abfall mit vielen organischen Resten sollte einen Gärungsprozess durchmachen und bei den dabei erreichten Temperaturen von angeblich bis zu 70 Grad auch „Krankheitskeime vernichten“. Tatsächlich scheint mit einigem Erfolg Landwirtschaft und Gärtnerei auf der Planie betrieben worden zu sein. 1949 wurde die Anlage geschlossen, das Gelände wurde später von der Firma Reinhold & Mahla übernommen. Auf der Planie entstand in den 1970er-Jahren eine Hochhaus-Siedlung.

Eröffnung

Die Ausstellung wird heute um 10 Uhr von Bürgermeister Norbert Seidl im Sitzungssaal eröffnet. Sie ist bis zum 15. Juli zu sehen.

Von Olf Paschen

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