Herbert Kränzlein als Kunstobjekt: Im Wahlkampf im Jahr 2001 ließ der SPD-Ortsverein die Bürger mittels Wollfäden ein Kunstwerk mit dem Porträt des Bürgermeisters anfertigen. Foto: tb

SPD seit Jahren mit dem Erfolg verbandelt

Puchheim – Der SPD-Ortsverein Puchheim feiert am heutigen Freitag sein 70-jähriges Bestehen. Grund genug, die Geschichte der Puchheimer Genossen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer zu dieser „Besprechung“ eingeladen hatte und wie viele Puchheimer dieser Einladung in die Bahnhofsrestauration gefolgt waren, ist im Dunkel der Geschichte verborgen. Aber sicher ist, dass als Ergebnis dieses Treffens am Neujahrstag 1946 eine neue Partei im Ort entstand. Denn vier Männer gründeten schließlich eine „Sektion“ der Sozialdemokratischen Partei, wie ein Protokoll von damals verrät.

Ob es eine komplette Neugründung war oder vielleicht eine Wiedergründung nach zwölf Jahren Hitler-Diktatur und Parteiverbot, ob die „Sektion“ nur Untergliederung eines größeren Ortsvereins war – darüber schweigen die spärlichen Quellen. Die heutige Puchheimer SPD jedenfalls nimmt das Datum zum Anlass, um auf 70 Jahre Lokalgeschichte zurückzublicken und sich zum Geburtstag gratulieren zu lassen.

Bei den Recherchen für eine 16-seitige Jubiläumszeitung mussten einige Fragen offen bleiben. Vor allem die, ob es zumindest in Puchheim-Bahnhof mit seiner großen Müllfabrik nicht schon zu Weimarer Zeiten organisierte Sozialdemokraten gab. Oder warum 1946 mit Franz Xaver Ertl ein Nicht-Sozi zum ersten Nachkriegs-Bürgermeister gewählt wurde, obwohl die SPD mit – bis heute nie mehr erreichten – 50,4 Prozent der Stimmen die Gemeinderatswahl gewonnen hatte. Und wieso verließ Heinrich Müller, Gründungsmitglied in der Bahnhofsrestauration, seine Partei fünf Jahre nachdem er 1948 zum Rathaus-Chef gewählt worden war. Das in Sütterlin verfasste Protokollbuch der ersten Jahre macht es nicht einfacher, die Vergangenheit zu rekonstruieren.

Auf jeden Fall hat die Puchheimer SPD 70 Jahre mit Höhen und Tiefen erlebt. Vor allem Anfang der 1980er-Jahre lag der Ortsverein darnieder: Der Bürgermeister-Kandidat war 1982 deutlich gescheitert, Mitglieder gingen reihenweise, Lethargie machte ein Genosse unter den Seinen aus. Was vielleicht auch am vereinnahmenden Charakter des damaligen CSU-Bürgermeisters Erich Pürkner lag. Der spricht im Interview mit der SPD-Festschrift vom einvernehmlichen Puchheimer Stil, den er allerdings nur bis 1984 datiert. Bei der Gemeinderatswahl in diesem Jahr erreichte die SPD zwar nur noch sechs von 24 Sitzen. Dafür kamen Genossen ins Gremium, die weg vom Kuschelkurs wollten. Allen voran ein Herbert Kränzlein.

Der löste vier Jahre später sensationell den konservativen Amtsinhaber ab, ein Ergebnis, das bis hin zu einem Hamburger Nachrichten-Magazin als Anfang vom Niedergang der CSU interpretiert wurde. Seit damals regiert die SPD (wieder) im Rathaus und hält sich heute zugute, den Umbau einer in den 1970er-Jahren (zu) schnell gewachsenen Schlafstadt zu einer wohlhabenden Kommune mit sozialem Netz und kulturellem Angebot mitgestaltet zu haben.

Die anderen politischen Kräfte gratulieren in der Festschrift brav. Die CSU, erst eine Mittfünzigerin in Puchheim, würdigt einen rüstigen Jubilar, die Grünen verfassten ein Gedicht für die alte Tante SPD. Die allerdings ist noch fit genug zum Feiern. Für den heutigen 23. September (19 Uhr im PUC) lädt der Ortsverein zum offiziellen Fest. (op)

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