Nach seiner Rückkehr nach Bayern will Musiklehrer eine Muscalgruppe für Jung und Alt ins Leben rufen. Foto: Kiener

Lehrer unterrichtete drei Jahre lang in Pretoria

Für ihn spielte die Musik zuletzt in Afrika

Puchheim - Egon Komann ist Musiklehrer. Nach dreijährigem Aufenthalt im südafrikanischen Pretoria ist er nach Bayern zurückgekehrt und schildert nun seine Eindrücke vom Leben und Arbeiten im Ausland.

Seit dem neuen Schuljahr unterrichtet Komann an der Ferdinand-von-Miller-Realschule in Fürstenfeldbruck Musik, an der Münchner Hochschule für Musik und Theater arbeitet der Puchheimer zudem als Dozent mit Gesangstudenten.

Der hinter ihm liegende Lehrauftrag in Pretoria war nicht sein erster beruflicher Auslandseinsatz. „Ich war von 1991 bis 1995 gemeinsam mit Frau und Kindern in Montevideo in Uruguay, und dort als Lehrer tätig“, erzählt der 61-Jährige. Mit seinem ersten Auslandsaufenthalt wollte er aus dem Alltäglichem ausbrechen. „Mir wird langweilig, wenn’s jeden Tag das Gleiche ist. Reisen öffnet schließlich den Horizont und man erfährt neue Blickwinkel auf’s Gewohnte“, sagt er.

Nach Pretoria fuhr Komann allerdings allein: Die Kinder sind schon erwachsen, seine Frau unterrichtet in St. Ottilien. „Meine Familie fand es cool, mich zu besuchen“, sagt Komann. Als Tourist lerne man Land, Menschen oder Politik nur am Rande kennen. „Aber ich konnte natürlich viel mehr erzählen, gerade was die Gegensätze von Arm und Reich angeht.“

Abwechslung im Berufsleben wirkt auf Egon Komann erfrischend: „Ich brauche das Neue, Unterricht ist für mich am Besten, wenn ich das Gefühl habe ich lerne mit den Schülern“, sagt der Musiklehrer, der allerdings ursprünglich lieber in Madrid, Barcelona oder Rom unterrichtet hätte. „Ich hab’s nicht bereut – das Ganze lief sehr organisiert, fast schon europäisch ab“, so Komann.

In Pretoria unterrichtete er an der Deutschen Internationalen Schule neben Musik auch Deutsch. „Der Unterricht wird überwiegend nach dem baden-württembergischem Lehrplan ausgerichtet, die gesamte Kultusministerkonferenz hat etwas zu sagen, das Bundesverwaltungsamt in Bonn setzt Standards“, erzählt Komann. Das Schöne sei, dass man auch als Lehrer ständig dazulernt, was Vorgaben, Lehrpläne oder Methoden angeht. An der Schule findet zudem binnendifferenzierter Unterricht statt, sprich: Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten sitzen in einer Klasse. Für die Lehrer heißt das: drei verschiedene Unterrichts- und Prüfungsvarianten ausarbeiten, also jede Menge Mehrarbeit.

Natürlich gibt es auch Dinge, mit denen man zurecht kommen muss. „Man hat es überwiegend mit etwas verwöhnten Schülern zu tun, mit einer auserwählten Gruppe. Gerade deren Mütter reden gern und viel mit“, sagt Komann mit einem Schmunzeln. Wobei nicht nur die Schüler speziell sind. Deren Eltern und auch die Lehrer wohnen in videoüberwachten Siedlungen mit Security und Zäunen – abgeschottet von der normalen Bevölkerung. „Kulturelle Freizeitaktivitäten sind damit sehr eingeschränkt, letztlich läuft es auf ein bisschen Sport oder Grillen hinaus“, erinnert sich Komann an die Zeiten nach dem Schulgong.

Aber er hat auch Vorteile ausgemacht: „An Kreuzungen fährt der zuerst, der zuerst ankommt, jeder nimmt darauf ganz automatisch Rücksicht und es passieren so gut wie keine Unfälle.“ Und im afrikanischen Supermarkt gibt es hinter den Kassen nur eine Schlange und die Kunden teilen sich ganz automatisch auf die nächste freie Kasse auf. Praktisch, findet Egon Komann das.

Kurz vor der Heimreise freute er sich natürlich darauf, wieder mehr Zeit mit seiner Frau, den beiden Kindern und seinem Enkelchen verbringen zu können. „Und ich freute mich auf Wurstsalat und darauf, privaten Gesangsunterricht zu geben“, gesteht Komann.

In Pretoria erlebte er, wie schwarze Schüler begeistert und mit Leib und Seele singen und tanzen. Er führte mit einer gemischten Klasse das Musical „König der Löwen“ auf. Wieder zurück in Bayern würde er hier gerne eine Musicalgruppe für Jung und Alt ins Leben rufen. „Jetzt muss ich aber erst ganz ankommen und mich hier wieder einleben“, sagt Komann. „Aber dann ist genau das mein nächstes Ziel.“

von Angi Kiener

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