Ramona Weiß: Die engagierte Studentin ist überzeugt, dass sich eine Biogasanlage für den Kreis rentieren würde. foto: tb

Braune Tonne

Studentin legt Masterplan für Bioabfall vor

Fürstenfeldbruck - Neues Feuer in der Debatte um die Verwertung von Bioabfällen: Eine Puchheimerin untersucht in ihrer Masterarbeit die flächendeckende Einführung einer Biotonne für den Landkreis – samt eigener Biogasanlage zur Energieerzeugung etwa im Westen der Stadt Bruck. Die Ergebnisse sind interessant.

Ramona Weiß (27) sitzt für die CSU im Puchheimer Stadtrat, ist als Flüchtlingshelferin aktiv sowie im Energiewendeverein „Ziel 21“ engagiert. Sie studiert Umweltplanung und Ingenieurökologie an der TU München und legt nun ihre Abschlussarbeit zum Thema „Bioabfallverwertung im Landkreis Fürstenfeldbruck“ vor.

Diese Arbeit, sie wurde mit der Note 1,0 gewertet, hat eine gewisse Sprengkraft: Kommt sie doch zu einem etwas anderen Ergebnis als die Abfallexperten im Landkreis bisher. Diese hatten die Biotonnen- und Vergärungsidee für unwirtschaftlich erklärt, allerdings auch eine eigene Studie in Auftrag gegeben (siehe Kasten).

Im Moment dürfen die 211 000 Bürger im Kreis Bruck in 95 900 Haushalten eigene Tüten für den Bioabfall ordern, müssen das aber nicht. Der Landkreis sammelt auf diese Weise rund 5000 Tonnen Bioabfall im Jahr. Diese werden nach Volkenschwand (Kreis Kelheim) gefahren und dort energetisch verwertet. Im Bundesdurchschnitt gilt die Brucker Bioabfall-Menge als relativ gering.

So liegt der Schluss nahe, dass sehr viele Küchen- und Speisenreste in der grauen Restmülltonne und damit letztlich in den Verbrennungsöfen in Geiselbullach landen. Im Gegensatz zum eigentlichen Ziel einer Müllverbrennungsanlage, einen möglichst hohen Heizwert zu generieren, senken die Bioabfälle diesen ab, so Ramona Weiß in ihrer Abschlussarbeit. Problem außerdem: Auf diese Weise wird das so seltene und wertvolle Phosphat vernichtet.

Was genau kommt in die braune Tonne?

Mit einer Biotonne, so Ramona Weiß in ihrer Arbeit, könnten dagegen 16 900 Gewichtstonnen Biomasse anfallen – also weit mehr als bisher. Als kritische Größe für die Errichtung einer kreiseigenen Biogasanlage gilt der Wert von 15 000 Tonnen. Damit wäre der Bau wirtschaftlich sinnvoll.

Unter Berücksichtigung diverser weiterer Punkte kommt Ramona Weiß zu dem Ergebnis, dass der Bau einer Nassfermentation die richtige Form einer Brucker Kreis-Biogasanlage wäre. Sie könnte bei einer Leistung von rund 600 Kilowatt knapp vier Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Zur Finanzierung sei, so heißt es, die Zusammenarbeit mit einem privaten Partner (PPP) denkbar. Eine erklärtermaßen grobe Kostenschätzung geht von rund 2,1 Millionen Euro aus.

Der Standort im Brucker Stadtteil Buchenau wäre sinnvoll, da dort ganzjährig Wärmebedarf vorhanden sei. In der Verbrennungsanlage in Geiselbullach dagegen herrsche jetzt schon Wärmeüberschuss.

Freilich: In der ganzen, äußerst facettenreichen Debatte gibt es diverse Unwägbarkeiten, wie Ramona Weiß schreibt. So müsste genau definiert werden, was der Bürger in die braune Tonne werfen darf und was nicht. Kleinere Gartenabfälle beispielsweise wären willkommen, zu viel Grüngut aber dürfte es aus Vergärungsgründen nicht sein. Zu klären wäre die Frage der Abholung der neuen Tonne und ihre politische Durchsetzbarkeit genau wie die Gestaltung der vom Verbraucher zu zahlenden (oder nicht zu zahlenden) Gebühren. Wichtig sei außerdem der Zeitpunkt der Entscheidung. Denn alles hängt vom Erneuerbare-Energien-Gesetz ab, das einem ständigem Wandel unterliegt. Fraglich ist auch, ob nicht eine Kooperation mehrerer Landkreise sinnvoll wäre.

Interessanter Randaspekt außerdem: Gewerbebetriebe sind anders als Privatleute derzeit nicht verpflichtet, ihren Müll dem Landkreis zu überlassen. Könnte man die Gewerbetreibenden trotzdem für die Bioabfall-Überlassung gewinnen, so stiegen die erfasste Menge und die Rentabilität des Systems. Gleichzeitig müsse natürlich die vom Landkreis in Auftrag gegebene Studie abgewartet werden.

Insgesamt ist Ramona Weiß überzeugt: „Die Nutzung eigener Bioabfälle stellt mit Blick auf die Agenda 21 eine der wenigen Möglichkeiten dar, die Umstellung auf erneuerbare Energien zu erreichen. Sie bietet außerdem die Möglichkeit, Bioabfälle sinnvoll im Wertstoffkreis zu erhalten.“ Gleichzeitig warnt die Verfasserin der Arbeit davor, eine neue Biogasanlage als finanzielles Renditeobjekt zu sehen. Die Rendite liege eher im zeitgemäßen ökologischen Investment zur Vermeidung von Abfallfehlentsorgung.

Das Gutachten des Landkreises

Im Vorgriff auf die Sitzung am Donnerstag liegt nun auch das vom Landkreis selbst in Zusammenhang mit der Bioabfall-Debatte in Auftrag gegebene Gutachten vor. Erstellt haben es das Büro AU Consult und das bifa-Umweltinstitut. Eine klare Handlungsempfehlung vermeiden die Autoren. Dies offenbar, um der politischen Debatte nicht vorzugreifen. Das Gutachten, das auch dem Tagblatt vorliegt, betrachtet mehrere Varianten und zeigt deren mögliche Folgen in vielerlei Hinsicht auf. Verkürzt gesagt bestätigt es die Haltung des Abfallwirtschaftsbetriebs. Demnach wäre der Bau einer Vergärungsanlage unwirtschaftlich und ökologisch auch nicht so sinnvoll, wie man zunächst vielleicht denkt. Das Gutachten soll in der öffentlichen Sitzung am Donnerstag von einem Experten genauer erläutert werden.

(Thomas Steinhardt)

Der Werkausschuss

des Kreistags will sich mit dem Thema in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstag, 14. Juli, um 16 Uhr befassen.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tritt Martin Runge bei der OB-Wahl in Bruck an ?

Fürstenfeldbruck – Im Vorfeld der OB-Neuwahl im Mai 2017 zeichnet sich eine erste, dicke Überraschung ab. Der Gröbenzeller Martin Runge (Grüne) wird als möglicher …
Tritt Martin Runge bei der OB-Wahl in Bruck an ?

Trabrennbahn hängt in der Luft

Maisach/Daglfing – Die Traber aus Daglfing und die Karl-Gruppe aus dem niederbayerischen Innernzell haben im Streit um die Zukunft des Rennbahn-Areals einen Vergleich …
Trabrennbahn hängt in der Luft

Mit neuem Kalender auf Entdeckungsreise in Grafrath

Grafrath – Ob es viele Kalender gibt, die ihre Besitzer zu Entdeckungsreisen animieren? Wahrscheinlich nicht. Doch dem neuen Kalender „Grafrath in alten Ansichten“ …
Mit neuem Kalender auf Entdeckungsreise in Grafrath

Planung in Ortsmitte: Türkenfeld redet mit

Türkenfeld – Ein sensibles Grundstück in der Türkenfelder Ortsmitte soll bebaut werden. Jetzt schiebt der Gemeinderat erst einmal einen Riegel vor: Er will bei der …
Planung in Ortsmitte: Türkenfeld redet mit

Kommentare