Erinnerten sich an die Nachkriegsjahrzehnte in Puchheim: (v.l.) Anton Fürst, der VHS-Vorsitzende und Moderator Erich Hage, Erna Schweigler und Franz Hany. Foto: Paschen

Weißt Du noch?

VHS-Erinnerungsabend: Eine Zeitreise quer durch Puchheim

Puchheim – „Weißt du noch?“ lautete der Titel des Erinnerungsabends, und viele der älteren Zuhörer wussten tatsächlich noch etwas. So musste sich eine der Zeitzeuginnen aus dem Publikum heraus korrigieren lassen, denn der erste Kindergarten in Puchheim-Bahnhof entstand nicht auf Betreiben des Pfarrers in den 1960er-Jahren, sondern wurde schon 1948 in einer ehemaligen Wehrmachtsbaracke eingerichtet.

 Und vom Schulstreik Anfang der 1970er wegen der überfüllten Klassen wussten andere Teilnehmer. Aber erzählfreudig waren auch die drei rüstigen Senioren, zwei von ihnen schon jenseits der 80, die auf Einladung der Volkshochschule über die ersten Nachkriegsjahrzehnte in Puchheim berichteten. Nur Puchheim-Ort kam dabei etwas zu kurz.

Ein wenig weiter holte ein Gast aus München aus, der allerdings Puchheim eng verbunden ist. Anton Fürst, ehemaliger Bezirksausschuss-Vorsitzender in Aubing und Stadtrat in München, war auch stellvertretender Vorsitzender der Aubinger Weidegenossenschaft. Und der war 1938, nach dem Tod des Vorbesitzers Josef Bäuml, praktisch der gesamte Norden des heutigen Stadtteils Bahnhof zugeschlagen worden. Das Wort „Arisierung“ fiel nicht, aber Bäuml, der nach der Jahrhundertwende die damalige Fischzuchtanstalt „Gröben“ (am Gröbenbach) und einen benachbarten Hof erworben hatte, war Jude. Seine Erben wurden erst in den 1950er-Jahren nach einem gerichtlichen Vergleich entschädigt.

Eine maßgebliche Rolle bei den damaligen Grundstücksgeschäften spielte der Rechtsanwalt und Aubinger Bürgermeister Gottfried Trepte, der sich den wertvollsten Teil sicherte – die Fischweiher (samt Herrenhaus), die sehr viel später zum kleinen FKK-Gelände wurden. Schon „umstritten“ sei der Mann gewesen, der immer versucht habe, abzukassieren, erzählte Fürst. Trepte lebte später in Puchheim und war 1966 sogar mal Bürgermeister-Kandidat für die FDP. Der gesamte Grund wurde jedenfalls ab Mitte der 1960er-Jahre verkauft – an Bauträger und später auch an Gewerbebetriebe. Einen kleinen Teil erhielt die Gemeinde unentgeltlich, dort entstand unter anderem die Schule am Gerner Platz.

Ein zweiter Puchheimer Großgrundbesitzer, nur auf der anderen Bahn-Seite, war Alois Harbeck, der wie früher Bäuml ebenfalls in München lebte. Sein langjähriger Verwalter Franz Hany schilderte das Auf und Ab der Landwirtschaft auf dem Harbeck’schen Gutshof, von den Tagen, als halb Puchheim noch im Wasser lag (1963), bis zum Ende des Ackerbaubetriebs 2002. Auf dem Harbeck’schen Grund entstand mit der Planie eine ganze Trabantenstadt. Der Boden über der ehemaligen Mülldeponie sei übrigens für die Landwirtschaft durchaus geeignet gewesen, bestehe sie doch zu 95 Prozent aus (inzwischen „verhumisierter“) Asche. Der Rest seien Glas- und Tonscherben.

Der Verwalter war auch politisch interessiert und ließ sich in bewegten Zeiten, 1966, in den Gemeinderat wählen. Damals spukte noch eine schnurgerade „Eichenauer Allee“ zur B 2 durch die Köpfe der Planer, die in der Wachstumseuphorie jener Jahre auch bis zu 55 000 Menschen in Puchheim-Bahnhof ansiedeln wollten. Dass Hany kurz vor der Kommunalwahl Gründer des CSU-Ortsverbandes war, scheinen seine heutigen Parteifreunde vergessen zu haben. Sie hätten sonst heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiern können.

Schließlich noch auf persönlicher Zeitreise: Die langjährige Gemeinderätin und heutige Ehrenbürgerin Erna Schweigler. Sie berichtete unter anderem vom Elternverein, der ein Gymnasium für Puchheim durchsetzen wollte und vom Kirchenbauverein, der den Ersatzbau für das Gotteshaus von 1926 plante. Und eben vom ersten Kindergartenverein von 1967, der dann doch nicht für den allerersten Kindergarten in Puchheim-Bahnhof sorgte.  (op?

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