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Die Bürger sollenLebensmittel wieder schätzen lernen. Das hoffen (v.l.) Christian Keil, Michaela Unglert, Sebastian Best, Georg Huber und Max Keil, die sich alle um den Selbsternte-Acker in der Stadt kümmern.

Projekt-Auftakt

Puchheim wird grüner – und essbar

Puchheim - Eine „essbare Stadt“ – was ist das eigentlich genau? Nach der Projektvorstellung am Samstag im PUC ist klar: Die Puchheimer haben viele Ideen, was sie in den städtischen Grünanlagen in Zukunft pflanzen, gärtnern und ernten wollen.

Beerensträucher, Gemüsebeete, Streuobstwiese und ein Selbsternte-Acker: Die Stadt stellt den Bürgern Grünflächen zur Verfügung, damit sie Natur erleben und selber im Garten aktiv werden können. Im Fokus stehen dabei Projekte, die mit dem Lebensmittelanbau zu tun haben: An den Beerensträuchern dürfen sich zum Beispiel alle Bürger bedienen. Der Bürgeracker wird in Parzellen unterteilt, auf denen jeder nach Lust und Laune Nahrungsmittel oder Blumen pflanzen kann. Obst und Gemüse gibt es dann direkt in der Stadt, die sozusagen essbar wird.

Die Idee stammt vom Neujahrsempfang der SPD 2015, bei dem der Andernacher Bürgermeister seine essbare Stadt vorstellte. „Danach wurden wir mit Fragen bombardiert, wann es in Puchheim endlich mit der essbaren Stadt losgeht“, erinnert sich Katharina Dietel vom Umweltamt. „Das muss wohl schon lange ein Bedürfnis gewesen sein, dem wir nachkommen wollten.“

Schulen interessieren sich Bürgeracker

Bei der Projektvorstellung informierten sich nun rund 100 Interessierte über die Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Einige Schulen haben bereits Interesse am Bürgeracker bekundet. Wenn sich genug Engagierte finden, soll das Feld in die Hände einer Arbeitsgruppe gegeben werden, die dann Details wie die Parzellengröße oder die Wasserversorgung klären soll. „Die Bürger sollen mit überlegen, wie ihr Grund aussehen soll“, meint Monika Dufner vom Umweltamt. Denn sie würden von ihrem Einsatz profitieren: „Es ist sehr befriedigend, Obst und Gemüse anzupflanzen, zu ernten und zu essen.“ Deshalb sollten sich die Gruppen bald bilden, damit sie noch heuer mit dem Pflanzen beginnen könnten.

Neben den schon feststehenden Projekten können die Puchheimer auch selbst kreativ werden und eigene Vorschläge einreichen. Dafür gab es bei der Auftaktveranstaltung im PUC einen eigenen Info-Stand, an dessen Pinnwand Ideen wie ein Bienenstock oder Radltouren vorgeschlagen werden. Wolfgang Heidenreich hat auch eine Idee: Er fände es gut, wenn an öffentlichen Gebäuden Spalierobst gezogen würde. „Die Stadt könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Die Bürger würden dann auch Äpfel oder anderes Obst an ihrer Hauswand ziehen wollen. Außerdem würde er gerne Flüchtlinge in die Projekte miteinbeziehen, die gemeinsam mit den Puchheimern etwas schaffen und dabei ihr Deutsch verbessern könnten. Ein großes Thema ist auch der Selbsternte-Acker, auf dem die Puchheimer Kartoffeln und Gemüse selbst anbauen sollen.

"Die Idee soll die Puchheimer verbinden"

Aber wie sollen sie überhaupt von solchen Projekten profitieren? „Die Menschen sollen wieder einen Bezug zu dem bekommen, was sie auf ihrem Teller haben“, erklärt Sebastian Best. Zusammen mit der Familie Keil kümmert er sich um den Acker, der ihm sehr am Herzen liegt. Die Puchheimer sollten selbst sehen, dass der Anbau gar nicht so einfach ist, und die Produkte wertschätzen. „Es ist doch ein Unding, dass wir für alles Geld haben, nur für unsere Nahrung nicht“, meint der Landwirtschaftsmeister. „Wir müssen uns mit der Ernährung wieder mehr auseinandersetzen.“ Deshalb setzt er sich auch für die essbare Stadt ein, denn Best schätzt, dass diese Idee viele Puchheimer wachrütteln kann.

Auf diesen Lerneffekt hofft auch Bürgermeister Norbert Seidl. Er selbst hat vor zwei Jahren bereits mit dem Andernacher Bürgermeister gesprochen und ist begeistert, dass nun auch Puchheim „essbar“ wird – denn das hat auch einen sozialen Effekt, schätzt das Stadtoberhaupt: „Die Idee soll die Puchheimer verbinden. Sie sollen miteinander arbeiten und zusammen etwas für die ganze Stadt schaffen.“ (mmh)

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