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Ratlos: Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei leiden immer wieder unter verbalen und körperlichen Attacken von Bürgern. Seit einigen Jahren sinkt der Respekt gegenüber den Helfern rapide.

Sie werden immer öfter beschimpft

Respekt vor Rettungskräften? Fehlanzeige 

Landkreis FFB - Beschimpfungen statt Dank, Schläge statt Anerkennung: Rettungskräfte werden immer öfter bei ihren Einsätzen angepöbelt – und erleben dabei teils schier Unglaubliches. 

Sie helfen, wenn andere in Not sind. Sie retten im Zweifel das Leben eines Mitmenschen. Einige von ihnen schlagen sich die Nächte um die Ohren. In der Freizeit. Unentgeltlich. „Dass niemand Danke sagt, sind wir gewohnt“, sagt Florian Volz (34), Kommandant der Grafrather Feuerwehr. Vor allem wenn Kameraden wegen eines Unfalls die B 471 sperren müssten, seien Pöbeleien an der Tagesordnung. „Viele Leute diskutieren dann mit den Kollegen, wollen sich das Verbot nicht gefallen lassen.“

„In den letzten Jahren wird es immer schlimmer.“

Übelste Beschimpfungen seien mittlerweile an der Tagesordnung. Trauriger Höhepunkt: „Ein Mann hat einem Kameraden gedroht, ihn zu überfahren, wenn er nicht sofort aus dem Weg geht.“ Ein andermal wollte ein Passant einem Feuerwehrmann den Helm vom Kopf schlagen. Seit 20 Jahren ist Volz ehrenamtlich bei der Feuerwehr. „In den letzten Jahren wird es immer schlimmer“, sagt er. Von Anzeigen haben die Grafrather bisher abgesehen. „Das bringt eh nichts.“

Josef Gigl, seit 18 Jahren Kommandant bei den Olchinger Rettern, ist dagegen zum Angriff übergegangen: „Wir zeigen jedes Fehlverhalten an, rigoros.“ Auch wenn das einen enormen Aufwand bedeute. „Wir müssen den Hergang schildern und so weiter.“ Natürlich belaste es seine Kameraden, dass sie seit etwa fünf Jahren regelmäßig angegangen werden. „Es gibt bald keinen Einsatz mehr ohne Zwischenfall.“

Gaffer sind ein zunehmendes Problem

Immer wieder ignorieren Verkehrsteilnehmer die Feuerwehr, wenn diese eine Unfallstelle absperren. Im April waren ungeduldige Autofahrer nach einem Unfall an der B 2 Höhe Wagelsried auf den Radweg ausgewichen – fast bis zu dem schwerstverletzten Motorradfahrer (19), der versorgt wurde.

„Mir selbst ist mal ein Taxi bis ans Bein gefahren, weil der Mann durch wollte“, erzählt Gigl. Ein andermal habe die Feuerwehr bei einem Straßenumzug einen Fahrer davon abgehalten, der Menge entgegenzurasen. Im April waren Autos nach einem Unfall auf der B 2 Höhe Wagelsried auf dem Radweg an der Absperrung vorbeigefahren. Erst an der Unfallstelle, an der der 19-jährige Verunglückte noch um sein Leben kämpfte, machten sie Halt.

Auch Gaffer behindern die Einsatzkräfte zunehmend, so der Olchinger Feuerwehr-Chef. „Die fragen, ob wir mal aus dem Weg gehen können, damit sie ein besseres Handyfoto schießen können.“

Das Rote Kreuz (BRK) kämpft mit den gleichen Problemen, wie Kreisgeschäftsführer Rainer Bertram berichtet. Sanitäter würden nicht nur aufs Wüsteste beschimpft, sondern auch tätlich angegriffen. „Es kommt vor, dass Kollegen Verletzungen an den Armen oder im Gesicht haben.“ Sogar von der Liege aus würden Patienten noch zuschlagen. „Sobald sich der Sanitäter umdreht, nutzen einige die Chance.“ Oft sei Alkohol im Spiel.

„Früher waren Sanitäter angesehen. Wenn wir kamen, hieß es: ’Lasst die Sanis durch’“, erinnert sich Bertram. Er fährt seit 1983 Rettungsdienst. Heute sähen viele nicht ein, warum sie aus dem Weg gehen sollten. „Andere werfen uns vor, zu lange gebraucht zu haben.“ Der BRK-Chef schildert noch ein anderes Phänomen: „Es herrscht eine gewisse Konsumhaltung. Die Menschen sehen uns als Dienstleister.“ Es gebe Bürger, die wegen eines Schnupfens um 1.30 Uhr nachts den Notruf 112 wählten. Begründung: Ich habe es eben nicht zum Arzt geschafft. „Einige sehen es als Rechtfertigung, dass sie ihre Krankenkassen-Beiträge zahlen“, sagt Bertram. Generell ist für ihn Respektlosigkeit eine gesellschaftliche Entwicklung, die sich durch alle Schichten und Generationen zieht. „Da gibt es keine Schwerpunkte.“

Bürger stellen die Autorität der Retter in Frage

Auch Michael Fischer, Vize-Leiter der Brucker Polizeiinspektion, bereitet diese Entwicklung Kopfzerbrechen. Wenn Feuerwehrleute angepöbelt werden, müssen die Polizisten ran. Denn Ehrenamtliche dürfen zwar einen Platzverweis erteilen, nicht aber Zwangsmaßnahmen ergreifen. Fischer beobachtet auch immer wieder, dass Bürger sich von der Obrigkeit nichts mehr sagen lassen wollen. „Dürfen Sie das überhaupt?“, sei die meist gestellte Frage bei Einsätzen. Einige brächten dann Halbwissen aus Gerichtssendungen vor, oft würden sich Passanten gegen Beamten solidarisieren.

Nicht nur das macht Polizeisprecher Fischer Sorgen. Er befürchtet, dass immer weniger Menschen freiwillig etwa bei der Feuerwehr helfen. „Man kann es niemandem verdenken, wenn die Motivation sinkt.“

Dass die Pöbeleien frustrieren, bestätigt Brucks Stadtbrandmeister Manuel Mai. „Die Leute denken nicht nach. Sie lassen einfach ihren Ärger an uns aus.“ Nicht einmal vor Verletzten machen einige Passanten Halt. So habe ein Gaffer bei einem Unfall auf der B 471 die Helfer gestört. Nur um zu fragen, ob der Patient „schon hin“ sei.

Probleme vor Gericht

Auch die Mitarbeiter am Amtsgericht Fürstenfeldbruck stellen eine Veränderung im Verhalten der Bürger fest. Die Distanz der Menschen gegenüber den Richtern nehme ab, die Umgangsformen würden lockerer, sagt Richter Christoph Schütte auf Tagblatt-Nachfrage.

Gelegentlich würde das Verhalten an „Bilder erinnern, die im Fernsehen durch die sogenannten Gerichtsshows vermittelt werden“. Davon seien generell alle Verhandlungen betroffen. Hoch emotional seien vor allem Verfahren, die mit der Betreuung von Kindern und mit Erbschaftsangelegenheiten zu tun hätten. Oft helfe dann schon die Anwesenheit eines Wachtmeisters im Sitzungssaal. Auch die Androhung von Strafen sei ein Mittel, um Eskalationen zu unterbinden.

Das sagen die Rettungskräfte

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