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Monatelanges Warten – bei vielen Flüchtlingen sorgt das für Frust. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge will die Verfahren nun beschleunigen. 

Neues Ankunftszentrum in Bamberg

Rivalität unter Flüchtlingen wächst

Fürstenfeldbruck/Bamberg – Die Stimmung unter den Flüchtlingen ist vor allem in den großen Unterkünften angespannt. Schlägereien und Polizei-Einsätze häufen sich. Auslöser sind nicht nur kulturelle Unterschiede – auch die Rivalität unter den Flüchtlingen wird größer.

Es war ein anstrengendes Wochenende für die Fürstenfeldbrucker Polizei. Gleich mehrmals wurden die Beamten in die Erstaufnahme-Einrichtung am Fliegerhorst gerufen. Jedesmal wegen Schlägereien. Sie wurden beschimpft, bedroht, ein Flüchtling wehrte sich so heftig gegen die Festnahme, dass vier Beamte nötig waren, um ihn zu überwältigen. Es war nicht der erste Einsatz dieser Art in der Unterkunft – aber der bislang heftigste.

Vor allem die Flüchtlinge aus afrikanischen Herkunftländern hätten null Respekt vor den Einsatzkräften, klagte ein Sprecher der Polizei. Carola Bamberg hält es für völlig falsch, pauschale Bewertungen nach den Herkunftsländern der Asylbewerber zu treffen. Sie hat selbst jahrelang als Sozialpädagogin in Gemeinschaftsunterkünften gearbeitet und bietet jetzt Schulungen in Interkultureller Kompetenz für Flüchtlingshelfer an. „Jeder Mensch reagiert anders auf die Situation in den Unterkünften“, sagt sie. Die erste Zeit seien die Menschen froh, die Flucht überlebt zu haben, angekommen zu sein. Mit der Zeit werden andere Gefühle stärker: die Sorgen um die Familie in der Heimat, die Angst vor der Ungewissheit, die Belastung durch die fehlende Privatsphäre, die Ohnmacht, die eigene Situation nicht ändern zu können. „Das würde auch unter Deutschen Frust schaffen“, ist Carola Bamberg überzeugt.

Willi Dräxler, der Integrationsreferent Fürstenfeldbrucks, führt die vielen Auseinandersetzungen in den Unterkünften vor allem auf die langen Bearbeitungszeiten der Verfahren zurück. Einige Flüchtlinge bleiben nur wenige Wochen in der Unterkunft, andere müssen Monate warten, bis etwas vorangeht, schildert er. Das löst Rivalitäten aus. Und Frust. Und bei einigen auch Aggressionen.

Tatsächlich werden einige Asylanträge bei der Bearbeitung vorgezogen, bestätigt Edith Avram, Sprecherin vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). „Die Anträge von Asylbewerbern mit sehr guten Bleibeperspektiven werden vorgezogen.“ Das betrifft vor allem Menschen aus Syrien und dem Irak. Auch die Verfahren von Antragstellern aus den Westbalkan- und Maghreb-Staaten mit geringen Bleibe-Chancen haben Vorrang. Komplexere Fälle dauern deutlich länger, die komplizierten Anträge manchmal sogar über ein Jahr. Einige sind Anfang 2015 oder 2014 gestellt worden, werden aber jetzt erst bearbeitet, berichtet Avram. Das BAMF hat das Personal um 1600 Mitarbeiter aufgestockt, um vor allem Altanträge abzuarbeiten. Dadurch hat sich die durchschnittliche Verfahrensdauer allerdings erhöht, sie liegt in Bayern derzeit bei 6,2 Monaten.

Entlastung soll nun vor allem Bayerns erstes Ankunftszentrum schaffen. Das bayerische Kabinett hat am Dienstag beschlossen, dass die Einrichtung des BAMF in Bamberg entstehen wird. Wann ist noch unklar – auch ob weitere dieser Zentren in Bayern folgen. Erding ist als Standort noch im Gespräch. Bundesweit gibt es bereits 14 Ankunftszentren.

Künftig werden alle in Bayern ankommenden Asylbewerber nach Bamberg weitergeleitet. Für Flüchtlinge mit guten Bleibeperspektiven sowie Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern wird das gesamte Verfahren dort innerhalb von 48 Stunden ablaufen. Kompliziertere Anträge oder Fälle, in denen Dokumente fehlen, werden wie bisher auch an die Außenstellen des BAMF in den Erstaufnahmeeinrichtungen weitergeleitet. Das Ankunftszentrum dient nicht nur dazu, den enormen Antragsstau abzubauen, sondern auch um die Rivalität zwischen den Flüchtlinge mit unterschiedlich guten Bleibe-Chancen zu entschärfen, betont BAMF-Sprecherin Avram. Die Bleibedauer in den Erstaufnahmen wäre nicht mehr so unterschiedlich. Avram sagt: „Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres alle offenen Verfahren aus 2015 und den Vorjahren abgeschlossen zu haben.“

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