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So schön kann der Klimawandel sein: Die Gruppe „Gernlindner Weiberfasching“ (Platz 2 der Fußgruppen) erwartet durch die Temperaturveränderungen Korallenschwämme am „Woidlsee“.

Rund 4500 Zuschauer an der Strecke

Beim Gernlindner Faschingszug wuchern die Korallen

Gernlinden - Kunterbunt ging's beim Faschingszug im Maisacher Ortsteil Gernlinden zu. Da wucherten die Korallen, die Welt war rosa und alle trugen die Sonne im Herzen.

Für die Narren hat die Lokalpolitik fast alles richtig gemacht: Kaum ein Maisacher Thema wurde beim Gernlindner Faschingszug aufs Korn genommen. Dafür fuhren die Wagenbauer umso mehr einem Automobilhersteller und der Bundeswehr an den Karren.

„Flieger defekt, Gewehre krumm.“ Die Landjugend Puch war als Geisterfirma Bundeswehr unterwegs. Der bot sich gewissermaßen auch der Kellerclub Gernlinden als Hubschrauber-Reparaturwerkstätte an. Die Folgen der Sparmaßnahmen war den beiden auch noch manch Seitenhieb auf die zuständige Bundesministerin Ursula von der Leyen wert.

An den Karren fahren lassen musste sich auch VW angesichts der Schlagzeilen um geschönte Abgaswerte. „Sieht man kaum den Vordermann, muss er VW-Diesel fahrn“, schob die Feuerwehr Gernlinden als Motto vor sich her und landete damit bei den einheimischen Teilnehmern ungebremst auf Platz eins.

Dauerbrenner war der Spott der Narren über die Gelder der Griechenlandhilfe. „Griechischer Nimmersatt, dank deutscher Früchte satt“, brummten die Schürzenjäger Gernlinden. Und die Moosburschen Gernlinden meinten: „Die Griechen zahlen keine Steuer, uns Bayern kommt das teuer.“

Der Veranstalter, das Ortskartell der Gernlindner Vereine, hatte geschätzte 4500 Zuschauer angelockt – die viel Spaß hatten, aber auf Spitzen gegen die Landkreis- oder Lokalpolitik fast gänzlich verzichten mussten. „Bürgermeisters Augen blitzen, im Freibad schwimmen Badenixen“ – der flotte Spruch der „Wilden Hühner“ wurde mit Rang vier belohnt. Das Freibad, das vorerst nicht weiter saniert wird, war neben dem Hinweis des „Gernlindener Weiberfaschings“ auf den Klimawandel, durch den sich Korallenschwämme am „Woidlsee“ bilden, der einzige Lokalbezug unter den 18 Wagen und sechs Fußgruppen, die am 69. Gernlindner Zug teilnahmen. Allenfalls die Haberlfeldtreiber, die sich des Schwesternstreits zwischen CSU und CDU annahmen, mischten noch auf bayerischer Ebene mit.

Manch Wagen fiel allerdings eher wegen seiner Ausmaße auf, die es schwer machten, das Gefährt durch die engen Straßen des Maisacher Ortsteils zu lenken. Dadurch entstand im Zug die eine oder andere größere Lücke. Zudem hatten einige Wageninsassen wohl bei der Zugbesprechung überhört, dass Süßigkeiten nicht zu heftig ins Publikum geschleudert werden sollen: Es gab trotz der Mahnungen der Organisatoren etliche „Kopfnüsse“. Dank der Sicherheitsvorkehrungen, unter anderem durch Wagenbegleiter, gab es aber keine Zwischenfälle.

So war die Stimmung rund um das Bürgerzentrum gut. Vor allem die Fußgruppen, unter ihnen die fast schon legendären und wieder auf Platz eins einlaufenden „Lady Gracha“, erwiesen sich als Stimmungsmacher und Hingucker. Was den Fasching ausmacht, hatte der Schützenverein Frischauf Graßlfing auf seinen Wagen gemalt. „Unsere Welt soll rosa bleiben. Seid nett zueinander.“

Bilder vom Faschingsumzug in Gernlinden

Besser bei den Preisrichtern kam die Gruppe „PMFCOG“, die an die 1950er-Jahre erinnerte: „Mit Petticoats und Elvislocken durch den Fasching rocken“, landete bei den Auswärtigen auf dem ersten Platz.

von Hans Kürzl

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