Alte Fliegertradition: Wenn eine Transall einen längeren Auslandseinsatz beendet, steuert der Pilot die Maschine durch einen Wasserstrahlbogen, den die heimische Fliegerhorstfeuerwehr mit den Wasserwerfern spritzt. Die Crew streckt dabei aus dem Cockpit-Dach die bayerische Rautenfahne. 

Fliegerhorst Penzing 

Der schleichende Abschied der Transall

Penzing - Die von der Bundesverteidigungsministerin angekündigte Aufrüstung der Bundeswehr kommt zu spät. Mit der beschlossenen Auflösung des Lufttransportgeschwaders 61 (LTG) im benachbarten Penzing (Kreis Landsberg) Ende 2017 macht ein weiterer Großverband der Luftwaffe dicht – das trifft auch viele Bürger im Kreis Bruck.

900 Soldaten und Zivilangestellte, darunter viele aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, gehen vorzeitig in Pension oder werden versetzt. Das riesige Militärareal samt Flugplatz wird ab dem Jahr 2018 verscherbelt.

Die bayerische Rautenfahne, die die Transportflieger immer stolz auf dem Cockpit-Dach ihrer Transall C-160 aufpflanzen, wenn sie nach einem längeren Auslandseinsatz wieder wohlbehalten in der Heimat landen, wird nicht mehr wehen. Obwohl die Transall – wegen technischer Schwierigkeiten beim Nachfolgeflugzeug Airbus 400 M – noch bis 2022 weiterfliegen soll, verschwindet das Wappen mit der auf den Bergspitzen stehenden Gams unterhalb der Cockpit-Fenster.

Die Penzinger Kameraden bezogen den nach hinten gerichteten Blick der Gams auf die anderen beiden Transportverbände 62 (in Wunstorf bei Hannover) und 63 (in Rendsburg, Schleswig-Holstein) – nach dem Motto „Wo bleiben die denn?“ „Und jetzt sind wir es leider, die zuerst gehen müssen“, stellt Oberstabsfeldwebel Uwe Lenke bedauernd fest.

Auch Helikopter werden abgegeben

Zerschlagen hat sich die Hoffnung, dass die Penzinger alle deutschen Transalls bis zum Schluss fliegen – hatten sie sich doch eine Expertise bei der Verwertung ausgemusterter Transalls erworben. Aber die Politiker haben anders entschieden. Dabei spielte auch keine Rolle, dass die meisten Auslandseinsätze Richtung Afrika und in den Nahen Osten gehen und es dorthin schon mal knapp zwei Flugstunden weniger wären. „Wir geben unsere Ende 2017 noch vorhandenen Transalls an das LTG 62 ab, und die fliegen die solange, bis der A 400 M ganz einsatzbereit ist“, berichtet Lenke.

Auch die dem Heer unterstellten Hubschrauber Bell UH 1D werden vom Platz abgezogen. Damit verschwinden auch die Helis mit den großen Buchstaben SAR (Search and Rescue, Suchen und Retten) auf den orangenen Türen, die neben der hoheitlichen Aufgabe der Luftrettung bei Überlastung der zivilen Rettungshubschrauber immer wieder vor allem zivile Bergrettungseinsätze geflogen sind.

Für Soldaten ist die Lage bitter

Schon ziemlich früh stand fest, dass der Landsberger Flugplatz für die dauerhafte Stationierung des neuen Transportflugzeugs der Luftwaffe nicht in Frage kommt. Dass die Breite und Radien der Rollbahnen zu eng für den A 400 M waren, bestätigte sich bei einem Kurzbesuch im vergangenen Jahr. Hinzu kam, dass von dem neuen, größeren Transporter nur noch so wenige Stückzahlen bestellt wurden, dass die Verteilung auf mehrere Geschwader unwirtschaftlich gewesen wäre.

So gesellt sich der Landsberger Flugplatz in die Reihe der aufgelösten bayerischen Fliegerhorste Memmingen, Kaufbeuren, Erding und Bruck. Spekulation ist, ob der Flugplatz auf dem Lechfeld nach dem Vorbild von Fursty früher oder später auch schließt. Dass das ehemals dort stationierte Jagdbombergeschwader 32 mit den Tornados aufgelöst wurde, könnte wie in Bruck ein vorletzter Schritt auf dem Weg zur völligen Aufgabe sein.

Für die Soldaten, die mit ihren Familien im Lechrain und Brucker Land leben und noch zu jung für die Pension sind, ist die Lage bitter. Denn andere Luftwaffenstandorte in Oberbayern und Schwaben gibt es nach der damals vom ausgerechnet bayerischen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ausgelösten Auflösungswelle kaum mehr – oder sie haben wie Fursty keine Zukunft. „Viele junge Transall-Piloten begannen die Umschulung auf das neue Flugzeug, wurden aber durch die stockende Auslieferung desselben wieder gebremst“, berichtet LTG 61-Presseoffizier Leutnant Mario Jörs.

Wie für die Kreisstadt Fürstenfeldbruck, so stellt die Konversion des Kasernengeländes auch für die Gemeinde Penzing eine große Herausforderung dar. Umso mehr, weil die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bereits im Jahr 2018 mit dem Verkauf der Flächen beginnen möchte – und die Gemeinde Penzing gerade mal ein erstes Gutachten in Auftrag gegeben hat.

Denkmalschutz: Parallele zu Fursty

Die für den Herbst erwarteten Ergebnisse sollen realisierbare Konzepte und Anforderungen von möglichen Investoren und Betrieben aufzeigen. Denn welche Kommune kann schon ein Gewerbegebiet ausfüllen, das deutlich größer als das eigentliche Gemeindegebiet ist.

Als weitere Parallele zu Fursty stellen die Militärbauten eine besondere Herausforderung bei der Vermarktung dar. Rechtzeitig vor der Auflassung des Fliegerhorstes haben die Denkmalpfleger ihren „Kuckuck“ an Mannschaftsgebäude, Flugzeughangars und sogar die Sporthalle geklebt. Besondere Würdigung erfuhr das Stabsgebäude mit Uhrenturm, auch das Offizierskasino ist „nahezu vollständig aus der Bauzeit überkommen und sehr repräsentativ ausgestattet“, wie es in der Stellungnahme der Denkmalpflege heißt.

von Max-Joseph Kronenbitter 12

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