Triathlon

Der eiserne Mann von der Amper

Schöngeising – Die einen planen eine Hochzeitsreise auf die Traum-Inselgruppe im Pazifik. Für andere ist Hawaii ein Mekka, um sich eine Stunde lang im Wasser zu quälen, danach 180 Kilometer in glühender Hitze durch die Lavawüste zu radeln und schließlich noch mal schnell Marathon zu laufen. Renè Pfaffner hat sich dieser Triathlon-Tortur gestellt.

Als einer von 180 Deutschen im Feld von über 2300 Teilnehmern kam der 32-jährige Ausdauerathlet mit Wahlheimat Schöngeising ins Ziel, als die drei Besten mit der schwarz-rot-goldenen Flagge schon längst für die Kameras posierten. Doch beim legendären Hawaii-Triathlon, dem Ironman, überhaupt die Finish-Linie zu überqueren, ist schon Herausforderung genug. Und als 218. der Gesamtwertung hat Pfaffner mehr erreicht, als er sich bei seinem Debüt zur inoffiziellen Weltmeisterschaft hätte träumen lassen. An den siegreichen Profi-Landsleuten Jan Frodeno, Sebastian Kienle und Patrick Lange will sich der aus Dresden stammende Pfaffner ohnehin nicht orientieren. Für ihn war es schon Triumph genug, die angestrebte Zehn-Stunden-Marke zu knacken. Dass ihm das nach 9:35,54 Stunden auch noch mehr als deutlich geglückt ist, schreibt der Berufssoldat seiner gnadenlos harten Vorbereitung zu. Zur richtigen Einordnung: Der klassische Triathlon – nicht zu verwechseln mit der im Weltcup üblichen Kurzdistanz – besteht aus 3800 Metern Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Pfaffner meisterte das auf Hawaii in jeweils 1:03,50, 5:08,20 und 3:16,20 Stunden.

Tischtennis, Beachvolleyball, Karate, Fußball – all das hat Pfaffner als Jugendlicher schon betrieben. Vornehmlich Fußball. Als Abwehrspezialist hatte er es mit dem Hainsberger SV – ein Stadtteil von Freital – bis in die Bezirksliga gebracht. Doch spätestens, als sich der IT-Techniker für die Bundeswehr entschloss und seitdem für die in Laupheim stationierte Hubschrauberstaffel tätig ist, war’s aus mit Mannschaftssport. Keine Zeit mehr für gemeinsame Trainingseinheiten, die Voraussetzung für regelmäßige Einsätze waren. Und Trimmdich-Laufen als Solist war auf Dauer auch nicht das, was sich man(n) als Extremleistung so vorstellt. Vor zehn Jahren dann der nachvollziehbare Schritt, als ihn ein Weggefährte zum Triathlon brachte.

Einziges Hindernis bis dahin: Triathlon besteht aus drei völlig unterschiedlichen Disziplinen. Das mit dem Laufen war für einen Marathon-Mann wie Pfaffner noch locker zu stemmen. Auch Radfahren war eher das geringste Problem. Anders verhielt es sich da schon mit dem Schwimmen. Denn das nasse Element war bis dahin nicht unbedingt das, was für den damals 26-Jährigen anziehend war. Im Bundeswehr-Hallenbad in Lagerlechfeld lernte er erstmals richtig Kraulen. Und das Schwimmen im ungewohnten Neopren-Anzug übte Pfaffner in der Isar. „Immer gegen die Strömung. So blieb ich stets fast an Ort und Stelle, während sich meine Freundin am Ufer sonnte.“ Mittlerweile krault er so gut, dass er sich „in die Mitte der Waschtrommel“ traut, wie die im Wasser nicht immer rücksichtsvollen Triathleten das größte Gewühl nennen, in dem es schon manchmal mit Ellbogen und Fäusten zur Sache geht.

Mit seiner Lebensgefährtin lebt Pfaffner mittlerweile seit fünf Jahren mitten in Schöngeising mit Blick auf die Amper. „Ich liebe das Dorf-Feeling so nahe einer Großstadt.“ Von seiner Heimat in Dresden sei er nichts anderes gewohnt. Trainiert wird in der Umgebung. Und zwar stets fernüberwacht von seiner im fränkischen Hilpoltstein lebenden Trainerin. Wencke Kujala (40) ist via App stets über die Übungseinheiten ihres Schützlings informiert.

Finanziert hat Pfaffner seinen Hawaii-Trip aus eigener Tasche. Knapp 5500 Euro hat ihn der dreiwöchige Spaß gekostet, inklusive 900 Dollar Startgeld. Eine Woche hat er sich vor Ort auf seine bisher größte Herausforderung vorbereitet. Mit Hilfe eines Schweizer Freundes hatte er eine günstige Ferienwohnung gefunden. Über 2000 Triathlon-Begeisterte verfolgten via Facebook seine täglichen Ironman-Eindrücke.

Um seinen Leistungssport, der von seinem Bundeswehr-Arbeitgeber zwar ideell unterstützt, aber nicht finanziell gefördert wird, noch intensiver betreiben zu können, hat der 32-Jährige mittlerweile eine Sponsorenmappe zusammengestellt. Denn das diesjährige Hawaii-Abenteuer („Ich wusste, dass ich es schaffe“) soll nicht das letzte gewesen sein. Pfaffners Erfolgsgeheimnis: „Nicht verbissen sein, sondern ehrgeizig.“ Und vor allem: „Spaß haben, denn nur damit wird man schnell.“

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