Niedermoore, Auwälder, Tiere und Pflanzen: Darum kümmert sich Sebastian Böhm im Ampertal. Seit kurzem hat der 28-Jährige ein Auge auf die Naturräume entlang des Flusses. Foto: mjk

Er kümmert sich um das Ampertal

Schöngeising – 18 Quadratkilometer – so groß ist der Arbeitsplatz von Sebastian Böhm. Seit vergangenem Sommer ist der 28-Jährige Gebietsbetreuer im Ampertal. Sein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit Fischen.

Noch hat er nicht jede Ecke des Ampertals gesehen, berichtet Böhm schmunzelnd. Verständlich, schließlich ist sein Zuständigkeitsbereich nicht gerade klein: Von Grafrath im Süden erstreckt es sich in nordwestliche Richtung entlang der Amper, quer durch den Landkreis Dachau bis nach Unterbruck im Freisinger Land. Insgesamt umfasst das Areal eine Fläche von rund 18 Quadratkilometern.

„Mein Gebiet deckt weit mehr als die Hälfte des gesamten Flusslaufs ab“, erklärt der studierte Forstingenieur. „Das macht es schon zu etwas Besonderem.“ Als Gebietsbetreuer ist Böhm direkter Ansprechpartner vor Ort. Dazu zählen Bürotätigkeiten, wie etwa Öffentlichkeitsarbeit. Doch er ist auch oft draußen unterwegs, wenn er sich um Flora und Fauna kümmert. Im Ampertal, das der 28-Jährige seit wenigen Monaten betreut, gefällt es ihm gut.

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Feuchtwiesen und das Niedermoor sowie die Au- und Leitenwälder zwischen Schöngeising und Fürstenfeldbruck. Und nicht zu vergessen die Amper selbst. Außerdem gehört das Ampertal zu den bedeutendsten Flusstälern Bayerns. Auch weil es trotz seiner Lage im Ballungsraum München bisher in weiten Teilen frei von Siedlungsbarrieren geblieben ist.

Die Naturräume entlang der Amper sind vielseitig, – aber Böhm ist ein Alleskönner. Der 28-Jährige kennt sich nicht nur in den Fachbereichen Ökologie, Vegetationskunde, Botanik, Zoologie und Ornithologie aus. Sein privates Steckenpferd ist außerdem die Gewässerökologie. Daher kann er auch die im Fluss heimischen Fischarten problemlos unterscheiden: Neben Barben, Nasen und Bachforellen schwimmen auch Rapfen, Huchen und Äschen durch die Amper.

Der gebürtige Münchner hat zudem einen Fischereischein. Dieser berechtigt ihn unter anderem auch zum so genannten „Elektrofischen“. Bei dieser Methode werden die Fische nicht getötet, sondern nur kurzzeitig betäubt, wie Böhm erklärt. „Eine sehr patente Möglichkeit, wenn man die Bestände in einem Gewässerabschnitt erfassen möchte“, so der 28-Jährige.

Und auch eines seiner ersten Projekte befasst sich mit Fischen – genauer gesagt mit kieslaichenden Arten. Diese legen ihre Eier – unabhängig von jeglicher Vegetation – direkt über dem Flussboden ab. Sein Interesse daran erklärt Böhm so: „Der massive Maisanbau in unserer Gegend führt zur Bodenausschwemmung. Dadurch lagern sich in der Amper Sedimente ab.“

Mit der Zeit füllen diese Sedimente die Zwischenräume im Kiesbett der Amper auf. Doch laut Böhm benötigen bestimmte Fischarten gerade diese Zwischenräume zur Ablage von Eiern und Larven. Die Ablagerung der Sedimente verhindert also, dass sich die Tiere vermehren können. Start seines Projekts war im Landkreis Dachau, eine Fortsetzung im Brucker Landkreis sei geplant, sagt Böhm.

Ein Grundanliegen des 28-Jährigen ist es, das Interesse an komplexen Vorgängen in der Natur zu fördern. „Die Natur ist für viele nur Kulisse der Freizeitnutzung, mit der sich kaum einer wirklich auseinandersetzt“. Er ist überzeugt: Würden sich die Menschen mehr damit beschäftigen, bekämen sie auch ein Gefühl für richtiges und falsches Verhalten in der Natur. Böhm hofft, dass durch seine Arbeit etwa Betretungsverbote respektiert oder auch Hunde angeleint werden.

Da die Stelle des Gebietsbetreuers aber nur ein Halbtagsjob ist, arbeitet Böhm zusätzlich beim Landschaftspflegeverband Dachau. Und auch in seiner Freizeit lässt ihn die Natur nicht los: Dann läuft der 28-Jährige durch das Ilmtal und analysiert die Bestände häufiger Brutvögel. (mjk)

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