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Öffnet künftig seine Türen nur noch für Veranstaltungen: der Gasthof zum Unter’n Wirt in Schöngeising.

Zu wenig Gäste, zu wenig Personal

Der nächste Wirt wirft das Handtuch

Schöngeising – Und wieder hat es eine Dorfwirtschaft erwischt. Das Gasthaus Zum Unter’n Wirt in Schöngeising hat Anfang Oktober seinen täglichen Betrieb eingestellt und öffnet künftig nur noch für Veranstaltungen. Bestehen bleibt in der warmen Jahreszeit der Biergarten.

Thomas Braumiller sieht keinen Sinn mehr darin, das Lokal täglich zu öffnen.

Die ehemaligen Stammgäste des Lokals sind traurig und verärgert, doch Gastwirt Thomas Braumiller hat sich den Schritt lange überlegt – und er hat gute Gründe. „Es macht keinen Sinn mehr“, sagt der 47-Jährige. „Die Leute gehen einfach nicht mehr so weg wie früher, jeder sitzt daheim vor Facebook und irgendwelchen Medien.“ Dass im Winter jede Schneeflocke zum Unwetter aufgebauscht werde, mache die Leute auch nicht gerade mobiler. Ältere Stammgäste blieben nach und nach aus, junge kämen nicht nach. „Und dass inzwischen jeder Verein seine eigene Suppenküche hat, ist der Sargnagel für die Dorfwirtschaft.“

Hinzu kämen die Personalkosten, Stichwort Mindestlohn – sofern überhaupt Mitarbeiter zu finden seien. „Wir haben im Landkreis Vollbeschäftigung“, sagt Braumiller. „Ich kriege kein Personal.“ Von August bis Oktober habe er Doppelschichten schieben müssen, um seinen Stammkräften Urlaub geben zu können. „Dem Dorfwirt in Landsberied ist es ja genauso gegangen“, erinnert Braumiller. Dort hat vor kurzem der langjährige Pächter aufgehört – ebenfalls aufgrund von Personalnot.

Stammgäste schimpfen

Die Mitglieder der ehemaligen Schöngeisinger Stammtischrunde bedauern das Ende ihrer Wirtschaft sehr und sind auch ein bisschen sauer. Thomas Braumiller setze sich als CSU-Gemeinderat für die dörfliche Kultur ein und habe sich immer als Gastronom aus Leidenschaft bezeichnet, und nun das, schimpft ein enttäuschter Stammgast, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Der Wirt des Vereinsheims am Sportplatz öffne nun extra einen Tag mehr, ansonsten treffe man sich in der kleinen Stockhütte neben dem Sportlerheim. „Da sitzen die Rentner und schimpfen.“ Wenn im nächsten Frühjahr das Wetter wieder schön wird, können sie zumindest den Biergarten des Unter’n Wirts nutzen.

Er macht am 1. April wieder auf, allerdings nur mit Selbstbedienung. Grund sind laut Braumiller behördliche Auflagen. Er habe den Schankbetrieb ausbauen wollen, was jedoch aufgrund der Lage im Außenbereich nicht genehmigt worden sei. Ein Teil Selbstbedienung, ein Teil Service war ihm vorgeschwebt. Erlaubt sei aber nur „entweder – oder“.

Gasthaus kann für Firmenfeiern und Gruppenveranstaltungen gemietet werden

Braumillers Familie betrieb den Gasthof bereits seit etwa 1880. Der 47-Jährige übernahm vor zehn Jahren das Zepter von seinen Eltern, und schon da war ihm klar, dass er mehr als ein Standbein brauchen würde. Unter anderem beliefert er mittlerweile drei Kindergärten mit Mittagessen. „Außerdem haben wir den Biergarten forciert, das Rafting ausgebaut und unser Starkstrom-Amperfestival etabliert“, zählt er auf.

2017 soll es unter anderem zusätzlichen Service für Radler und Paddler geben, ein Fußball-Kleinfeld und einen erweiterten Spielplatz. Die Wirtschaft kann künftig für Firmen- und Familienfeiern, Tagungen und Gruppenveranstaltungen ab 20 Personen gemietet werden. So könne er auch seinem Anspruch auf frische regionale Küche weiterhin gerecht werden, betont Braumiller. Zuletzt habe er die Vielfalt der Speisekarte nur noch mit Hilfe der Tiefkühltruhe halten können.

von Ulrike Osman

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