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Die Übergabe der Scherrer-Laute am Samstag erfolgte passender Weise vor dem Scherrerhaus: Rudolf Pettinger (l.) und Bürgermeister Thomas Totzauer.

Besonderes historisches Instrument

Schöngeising erhält Laute des Musikers Heinrich Scherrer

Schöngeising – Die Erinnerung an den 1937 verstorbenen Musiker Heinrich Scherrer ist in Schöngeising noch sehr lebendig. Jetzt wird sie um eine Facette reicher: um eine Laute.

Die Gemeinde hat eine Laute geschenkt bekommen, die nach den Plänen ihres Ehrenbürgers gebaut und vermutlich auch von ihm selbst gespielt wurde. Das Instrument ist ab sofort in einer Vitrine im ersten Stock des Scherrerhauses zu besichtigen.

Dass die Laute nach Schöngeising kam, ist nicht zuletzt Rudolf Pettinger zu verdanken. Er schrieb 2008 eine Biographie über Scherrer, den Hofmusiker, Dirigenten, Komponisten und Musiklehrer, der als Wiederentdecker des deutschen Volksliedes gilt. Auf dieses Werk stieß der Freiburger Historiker Wolfgang Reinhard, Besitzer der Laute, als er im Internet über Scherrer recherchierte. Das Instrument war ihm von einem Freund vermacht worden. Reinhard wollte, dass die Laute in Scherrers Gedenken ausgestellt wird, und bot sie der Gemeinde Schöngeising unter dieser Bedingung an.

Schwierige Übergabe

Nicht ganz einfach war die Übergabe. „Ich kann ja nicht einfach nach Freiburg fahren“, sagt Bürgermeister Thomas Totzauer. Schließlich hinterlegte Reinhard die Laute bei Bekannten in Augsburg. Totzauer holte sie dort ab und ließ sie von Helmut Weigl, einem renommierten Lautenisten und Musikwissenschaftler, begutachten und neu besaiten.

„Die Laute ist gut gebaut und lässt sich nach über 80 Jahren noch spielen“, sagt Weigl. Das sei keineswegs selbstverständlich. Anders als Geigen würden Lauten mit zunehmendem Alter normalerweise an Qualität einbüßen. „Zum Schluss zerbrechen sie einfach.“ Nicht so das Exemplar von Heinrich Scherrer. „Er hat wunderbare Hölzer verwendet, und das Griffbrett ist nicht aufgeleimt, sondern in den Hals eingearbeitet“, erklärt Weigl.

Jahrzehntelang falsch bespannt

Dank der guten Qualität hat das Instrument sogar eine jahrzehntelange falsche Bespannung überlebt. Als der Grafrather Musiker es bekam, hatten die Darmsaiten mit ihrem viel zu starken Zug den Hals schon ein Stück nach vorne gezogen. Weigl bespannte die Laute stattdessen mit Plastiksaiten, die es zu Scherrers Zeiten noch nicht gab. Erstaunliche Konsequenz: Der Lautenhals bewegte sich in seine ursprünglich Position zurück. „Jetzt ist er fast wieder gerade.“

Daran, dass das Instrument wirklich aus Scherrers Ära stammt, hat der 60-Jährige keinen Zweifel. „Es ist die typische Kombination aus Gitarre und Laute, wie sie damals üblich war.“ Das Aussehen ist romantischen Vorstellungen vom Mittelalter entliehen, der Klang aber erinnert mehr an eine Gitarre. „Der echte Lautenklang war den Leuten viel zu fremd.“

Einen hohen materiellen Wert hat das Instrument übrigens nicht, wohl aber einen ideellen. Weigl hofft deshalb, dass die Laute auch in Zukunft ab und zu gespielt wird. „Sie sollte nicht nur in der Vitrine liegen."

von Ulrike Osman

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