Ungewöhnliches Szenario im Sitzungssaal: Dort, wo in einer Woche die Stadträte sitzen und über den Bus entscheiden, haben nun erst einmal die verärgerten Eltern Platz genommen. Auch die Leiterin der Grund- und Mittelschule Nord, Bettina Jungtorius (vorne, 2.v.l.) war anwesend. Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (im Vordergrund) versuchte, Mütter und Väter zu beschwichtigen. foto: peter weber

Treffen im Rathaus

Schulbus-Debatte: Keine Einigung in Sicht

Fürstenfeldbruck - Es ist im  wahrsten Sinne des Wortes eine verfahrene Situation: Die Eltern aus der Buchenau wollen den Schulbus für ihre Kinder behalten. Die Stadt muss sparen und will die Kleinen mit dem MVV fahren lassen. Nun waren die Betroffenen ins Rathaus geladen. Das Entgegenkommen der Stadt kam bei den Eltern aber nur bedingt an.

Familienfeindlich sei die Stadt, warf eine Mutter der Dritten Bürgermeisterin und Redeführerin Karin Geißler (Grüne) im Sitzungssaal des Rathauses vor. Dorthin waren etwa 40 Mütter, Väter und Kinder aus der Buchenau auf Einladung gekommen. Vor kurzem hatte sich der zuständige Ausschuss für die Umstellung des Schulbusses auf den 840er Linienbus ausgesprochen. Die Stadt ist dazu angehalten, den MVV zu bevorzugen und muss die Schulbusse jetzt neu ausschreiben. Warum das seit zehn Jahren nicht passiert ist – diese Antwort blieben die Kommunalpolitiker allerdings schuldig.

Über die Änderung waren die Eltern jedenfalls nicht informiert worden und fielen aus allen Wolken. Immerhin waren sie schon vor zwei Jahren deshalb auf die Barrikaden gegangen und hatten Recht bekommen. Geißler gab zu: „Sicher wollte so kurz vor der Wahl auch niemand jemanden verärgern.“

Für die neuerliche Vorgehensweise entschuldigte sich Geißler bei den Familien. Zufriedenstellen konnte das aber keinen. Die Eltern werfen der Stadt vor, nur aufs Geld zu achten – denn weil der Kreis für den ÖPNV zuständig ist, würde sich die Stadt durch die Umstellung Geld sparen. Im Sitzungssaal wurden Summen von 35 000 bis 50 000 Euro genannt. Die genaue Summe konnte im Rathaus gestern trotz Nachfrage niemand nennen.

Es geht um die Sicherheit der Kinder

Die Eltern kritisieren, dass die Sicherheit der Kinder dafür vernachlässigt wird. Denn nach der Umstellung müssten die Kleinen zum Bahnhof laufen, dort startet der Bus. Bisher steigen sie an verschiedenen Haltestelle an der Senserbergstaße zu, um in die Schule Nord (die die Buchenauer seit den 1980er-Jahren besuchen) zu gelangen. „In der Bahn-Unterführung wird es sehr eng, die Kinder gehen zwischen den Pendlern unter“, sorgte sich ein Vater.

Außerdem zweifeln die Eltern daran, dass in dem Bus genügend Platz ist für 54 Grundschüler und andere Fahrgäste. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass Geißler mindestens einen Verstärkerbus am Morgen ankündigte, der den 15-Minuten-Takt ergänzt.

Die größte Sorge von Nord-Rektorin Bettina Jungtorius sind dagegen die Haltestellen. Denn auf dem Heimweg müssten die Kinder vor dem benachbarten Abenteuerspielplatz einsteigen. Dort ist der Gehweg sehr schmal. „Das macht mir Bauchschmerzen. Wie sollen da so viele Kinder hinpassen?“, fragte eine Mutter. Geißler versuchte, sie zu beruhigen: Man denke schon länger darüber nach, die Haltestelle auszubauen und ein Bushäuschen aufzustellen. In der Früh sollen die Kinder außerdem in der Bucht gegenüber des Spielplatzes aussteigen. Der Verstärkerbus könnte vor der Schule stoppen.

Zum Thema Sicherheit hatte Geißler noch einen Vorschlag. Ehrenamtliche Schulweghelfer könnten den Kindern beim Ein- und Aussteigen helfen, die Stadt würde auch Sicherheitstrainings übernehmen. Aus den Reihen der Eltern meldete sich allerdings niemand freiwillig. Eine Mutter meinte: „Die Stadt spart, und wir müssen dafür unsere Zeit opfern.“

Ob der Bus weiterhin durch die Senserbergstraße fahren könnte, wollte ein Vater wissen. Eine Linienänderung sei nicht möglich, antwortete Andrea Wittkuhn vom Sachgebiet öffentliche Sicherheit und Ordnung. Man habe schon beim ÖPNV-Experten Hermann Seifert gefragt und eine Absage bekommen. Weil es eine neue Linie wäre, müsste man diese neu ausschreiben. Die Antwort genügte den Eltern nicht. Sie beharrten darauf, dass die Lösung ungerecht sei. Schließlich hätten ihre Kinder einen weiten Schulweg. Doch auch das muss nicht so bleiben. Geißler: „Wir denken darüber nach, den Sprengel zu ändern.“

Am Ende schlug zumindest Rektorin Jungtorius versöhnliche Töne an. Sie hoffe auf eine gute Kommunikation mit der Stadt. Und auch, wenn die Eltern dem Rathaus eine „Alibi-Veranstaltung“ vorwarfen: Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ob die Änderung umgesetzt wird, werden die Stadträte noch festlegen. Einige von ihnen hatten sich auch zu dem Eltern-Termin eingefunden.

Kommentar: War es ein Wahlgeschenk?

Fällt den Stadträten da etwa gerade ein Wahlgeschenk auf die Füße? 2014 hatten sie auf den Elternprotest gegen den Bus-Wechsel schnell reagiert und viel Gesagtes revidiert, damit der Bus doch erhalten bleiben kann. Und jetzt sagt Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler ganz offen, es habe vor der Wahl keiner irgendjemanden verärgern wollen. Ob es nun Zufall ist, dass das Thema zwei Jahre später wieder aufs Tapet kommt? Und dass mit den betroffenen Eltern, die damals noch ihre Plakate schwenkten, nicht vorab gesprochen wurde? Sicher ist auf alle Fälle, dass sich bei der Stadt niemand über die Reaktion der Eltern wundern braucht. Die Bürger haben ihr Vertrauen verloren und fühlen sich übergangen. Über den Interessenskonflikt zwischen Rathaus und Müttern beziehungsweise Vätern lässt sich diskutieren. Aber über das Vorgehen der Stadt nicht.

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