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Landung Dornier Wasserflugzeug "Seastar", auf dem Starnberger See Höhe Tutzing

Flieger

Ein Seestern aus Oberpfaffenhofen

Germering/Oberpfaffenhofen – Es ist ein zweimotoriges Flugboot, das wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen gelegentlich am Himmel über Oberpfaffenhofen (Kreis Starnberg) und Germering zu sehen ist.

 Tatsächlich reicht die Geschichte der „Seastar“ (Seestern) gut 100 Jahre zurück. Weiterentwickelt und zugelassen wird das Amphibienflugzeug derzeit bei „Dornier Seawings“ in Oberpfaffenhofen. Für den Starnberger See gibt es bereits eine Landeerlaubnis.

Chef des Unternehmens ist seit 1. Mai Peter Hermle. Erste Erfahrungen in Oberpfaffenhofen sammelte der 47-jährige Luftfahrt-Ingenieur und Pilot bereits 1991 als Praktikant bei Dornier innerhalb der Entwicklung des 328-Turboprop. Für Hermle ist es wie eine Heimkehr. „Ich habe diesen verantwortungsvollen Posten bei Seawings mit Freude übernommen. Es begeistert uns alle, wieder ein komplettes Flugzeug am Standort Oberpfaffenhofen zu entwickeln und zu bauen“, schwärmt der gebürtige Münchner. Zuletzt war er viele Jahre lang Manager bei Silver Atena – ein weltweit agierendes Unternehmen, das unter anderem für Airbus technische Gerätschaften entwickelt.

Die Tradition, bei Dornier Flugboote zu entwickeln und zu bauen, ist bereits über 100 Jahre alt (siehe Kasten). Firmengründer Claude Dornier sorgte schon in den 1920er und -30er-Jahren als Hersteller von Ganzmetall-Flugbooten für Schlagzeilen. Aufsehenerregend war sein Erstflug mit der Do X über den Atlantik mit Ziel New York.

Mit 168 Passagieren und elf Besatzungsmitgliedern an Bord wasserte das „deutsche Wunderschiff“ auf dem Hudson River am 27. August 1931 und lockte zehntausende von Schaulustigen an. Nun soll die Tradition fortgesetzt werden. Als Partner und Mehrheitsgesellschafter für Seawings stiegen 2014 chinesische Investoren ein.

Ziel ist, künftig nicht nur in Oberpfaffenhofen, sondern auch in Wuxi in der Region Shanghai das einzige Flugboot seiner Art zu bauen. Die Serienreife ist für 2018 geplant.

Die Historie

Es war Claude Dornier, der sich der Herausforderung stellte, der Welt größtes Flugzeug zu bauen. Doch es war keine gewöhnliche Maschine, vielmehr handelte es sich bei der Do X um ein so genanntes Verkehrs-Flugschiff, das in drei Decks – Kommandodeck, Passagierräume mit Küche, Waschräume und Toiletten und im unteren Deck die Tank- und Frachträume – unterteilt war. Und wie immer bei zukunftsweisenden Neuheiten erntete der Pionier der ersten Stunde mehr Kritik als Unterstützung. Doch der ehrgeizige Plan ging auf. Am Morgen des 12. Juli 1929 versammelten sich bei traumhaftem Flugwetter Journalisten und Kameraleute, Ingenieure, Kaufleute und Werftarbeiter, um den Jungfernflug der Do X bei Altenrhein am Bodensee mitzuerleben.

Die Presse schrieb damals: Für Claude Dornier war es ein Triumph, als seine Do X die Anerkennung der zunächst skeptischen Fachwelt und die Bewunderung der Öffentlichkeit fand. Nach der erfolgreichen Atlantiküberquerung und einem längeren Aufenthalt in New York kehrte die Do X am 19. Mai 1932 zurück nach Deutschland und erreichte am 24. Mai Berlin. Der erfolgreiche Flug über drei Kontinente überzeugte auch die letzten Zweifler. Zu einer Zeit, als die Einzelaktionen kühner Piloten wie Lindbergh eher die zu überwindenden Schwierigkeiten demonstrierten, hatte Claude Dornier neue Dimensionen eines Luftverkehrs der Zukunft erahnen lassen. Bei der Eröffnung der „Deutschen Luftfahrtsammlung“ im Lehrter Bahnhof in Berlin am 20. Juni 1936 war die Do X der Star unter den Originalflugzeugen. Ein Bombenangriff im Krieg zerstörte aber auch dieses Wunderwerk der Technik. Es wurden zwar noch zwei Flugzeuge für den Export nach Italien gebaut, das geplante Nachfolgebaumuster Do 20 aber wurde wegen Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht mehr realisiert. Die Idee für ein Mehrzweckamphibienflugzeug war damit jedoch nicht gestorben.

In den frühen 1980er-Jahren entwickelte Professor Claudius Dornier junior, Sohn des Luftfahrtpioniers, ein Modell, das ohne Spezialausrüstung sowohl von Graspisten als auch Wasser-, Schnee und Eisflächen aus eingesetzt werden konnte. 1985 gründete er die Claudius Dornier Seastar GmbH, die das Projekt weiterführte. Nachdem jedoch Fördergelder ausblieben, wurde das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt, das Ziel aber nie aus den Augen verloren. Um die geschaffene Technologiebasis zu sichern, gründete Conrado Dornier, Sohn von Claudius Dornier junior, die Dornier Seastar GmbH, die 2001 in der Dornier Seawings AG aufging. Mittlerweile erhielt dieses Vorserienflugzeug eine Einzelstückzulassung und steht heute als Prototyp in Halle 325 in Oberpfaffenhofen

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