Segler aus Fürstenfeldbruck von Riesenwelle erfasst

Fürstenfeldbruck - Mitten auf dem Atlantik ist der Fürstenfeldbrucker Manfred Jabbusch in Seenot geraten. Eine große Welle erfasste sein Segelschiff. Der 71-Jährige und ein Freund wurden per Hubschrauber gerettet.

Gemeinsam mit seinem österreichischen Freund Heinz Fragner, mit dem er schon viele Törns unternommen hat, wollte Manfred Jabbusch das Schiff eines Segelfreundes von Florida nach Griechenland bringen. Die beiden Männer bereiteten das Schiff mit dem Namen „Eva“ vor und starteten. Es ging schon gut los: Der Autopilot fiel aus. Er hält das Schiff auf Kurs. „Denn mit der Hand schafft man das höchstens eine Stunde“, sagt Jabbusch.

Die Männer entschieden, nach New York zu steuern, und den Autopilot reparieren zu lassen. „Wir haben drei Tage und drei Nächte das Schiff per Hand gesteuert“, erzählt er mit einer bewundernswerten Ruhe. Eine Stunde lenken, eine Stunde essen und Schlafen. Immer im Wechsel. Doch sie kamen an, ließen alles reparieren und machten sich am Muttertag (8. Mai) endlich auf den Weg durch den Atlantik zu den Azoren. „Der Wetterbericht war in Ordnung“, erinnert sich Jabbusch. Windstärke fünf bis sieben - das ist normal. Doch in der zweiten Nacht verschlechterte sich das Wetter. Die Männer verkleinerten die Segel und ließen sich vorne nur noch von „zwei Taschentuchzipfeln“ durch die drei bis vier Meter hohen Wellen treiben. Dann geschah es.

„Es war morgens um 7.30 Uhr“, erzählt Jabbusch. „Ich hatte gerade Wache und da gab es einen fürchterlichen Schlag.“ Der erfahrene Segler wurde hin und her geschleudert. „Ich war bewegungsunfähig und dachte erst, ich sei gelähmt.“ Sein Bekannter wurde im Schlaf überrascht, seine Kajüte stand unter Wasser.

Was genau passiert ist, können die beiden nur vermuten: eine Mega-Woge muss das Schiff erfasst haben. „Gegen eine Riesenwelle hast du keine Chance, denn du siehst sie nicht und kannst nicht reagieren.“ Das Schiff kippte zur Seite, muss über Kopf gestanden sein. Der Mast brach aus dem Fuß und hing wie ein Anker herunter. Er drang ins Deckshaus ein und setzte alles unter Wasser. Cockpit, Geräte, alles war zerstört. „So stelle ich es mir vor, wenn eine Bombe einschlägt.“

Es war das Ende des Törns, das stand fest. „Die Frage war nur, können wir das Schiff reparieren, oder brauchen wir fremde Hilfe“, erzählt Jabbusch. Da er verletzt war, mussten sie den Seenotruf „Mayday“ funken. Mit dem Ukw-Funkgerät erreichten sie niemand. Doch über das Satellitentelefon informierte Jabbusch den Schiffseigner. Der nahm Kontakt zum Marine-Rescue-Center in Bremen auf. Die Mitarbeiter organisierten die Rettung und informierten die Angehörigen.

Während die Männer auf die Retter warteten, packten sie das Nötigste zusammen. Immer wieder hatten sie Kontakt zum Marine-Center. Sechs Stunden nach dem Unglück kreiste endlich ein Flugzeug der amerikanischen Coastguard über dem im Nebel treibenden Schiff. Eine halbe Stunden später war der Helikopter da. An einer Leine baumelte der Rettungskorb nach unten. Doch Jabbusch konnte wegen seiner Rückenverletzung nicht hineinkriechen. „Ein Helfer musste ins Wasser und zum Schiff schwimmen, um zu assistieren.“ Es klappte.

Die Männer wurden nach Cape Code geflogen und ins Krankenhaus gebracht. „Wir haben Glück gehabt, dass wir gerettet wurden.“ Wieviel Glück er hatte, zeigte die Untersuchung: Gebrochen war nichts, nur alles geprellt. Nach drei Tagen in einem Hotel flog er nach Hause, zu seiner besorgten Frau. „Meine Frau ist wunderbar“, sagt Jabbusch. „Natürlich hat sie große Ängste ausgestanden, aber sie ist nicht so schnell zu schockieren. Sie weiß wohl, dass ein Glücksstern über mir schwebt.“ Den großen Schrecken hat er verdaut. Dennoch weiß er heute nicht, ob er wieder im Meer auf ein Segelschiff steigen wird. „Vielleicht habe ich das Schicksal einmal zu oft herausgefordert.“

Manchmal noch kreisen Jabbuschs Gedanken um „Eva“, das Schiff, das er seinem Schicksal überlassen musste. „Entweder es treibt noch, oder es ist gesunken.“

Ingrid Müller

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