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Sekt und gedimmtes Licht: Sieben Minuten haben Renate Honke und Helmut Becker Zeit, sich gegenseitig zu beschnuppern, dann geht’s weiter zum nächsten Tisch.

Speed-Dating für Senioren

In sieben Minuten neue Freunde finden

Fürstenfeldbruck – Sieben Minuten entscheiden darüber, ob man sich sympathisch ist oder nicht: Beim ersten Speed-Dating ab 60 im Mehrgenerationenhaus werden fleißig neue Kontakte geknüpft – auch, wenn die Männer deutlich in der Unterzahl sind.

Draußen ist es noch hell, doch der Raum ist schummrig. Nur ein paar rote und gelbe Stehlampen spenden gedämpftes Licht. Die geschlossenen Vorhänge hat jemand mit roten Herzen dekoriert. Rote Herzen tanzen auch als Luftballons an den Wänden, rote Tischläufer geben den eher nüchternen Möbeln eine lauschige Note. An ingesamt 18 Tischen sitzen sich je zwei Leute gegenüber, in angeregte Gespräche vertieft. Das erste Speed-Dating für Menschen ab 60 im großen Saal des LiB-Mehrgenerationenhauses am Sulzbogen ist in vollem Gange.

Ein heller Gong ertönt, sieben Minuten sind um. Die eine Hälfte der Teilnehmer bleibt sitzen, die andere steht auf und wandert einen Tisch weiter. Ganz reibungslos klappt das nicht – manche sind nicht sicher, wo ihre nächste Anlaufstelle ist. Auf den Tischen kleben Zahlen mit Nummern, Organisatorin Tanja Reuter greift zum Mikrofon. „Wie lange machen wir das jetzt schon?“, sagt sie augenzwinkernd. „Von Tisch drei geht es weiter zu Tisch vier.“

Die Frauen sind deutlich in der Überzahl – unter den 36 Gästen sind nur acht Männer. Das macht aber nichts, denn viele hier sind nicht auf der Suche nach einem neuen Lebenspartner, sondern nach Gleichgesinnten für gemeinsame Unternehmungen – Radfahren, ins Theater gehen oder einfach nur spazieren. „Ein bisschen mehr rauskommen, gerade jetzt, wo der Herbst und der Winter vor der Tür stehen“, sagt Helga Westermair. „Das wäre mein Anliegen.“ Im Sommer hat die 78-Jährige ihren Schrebergarten. Außerdem arbeitet sie ehrenamtlich in ihrer Kirchengemeinde mit und geht zum Seniorensport. Trotzdem – ein bisschen mehr Ansprache wäre schön.

Suchen Gleichgesinnte für gemeinsame Unternehmungen: Maria Bierek (l.) und Helga Westermair.

„Ich hätte schon gern einen Mann getroffen“, sagt eine 60-Jährige mit kurzen Locken, bunter Bluse und offenem Gesicht. Seit fünf Jahren ist sie Witwe, beruflich und privat hat sie meist mit Frauen zu tun. Ein Mann im Freundeskreis wäre eine Bereicherung. „Niemand hier erwartet die große Liebe. Aber mit Männern bespricht man andere Themen als mit Frauen.“

Ob alleinstehenende ältere Herren sich an das Abenteuer Speed-Dating nicht herantrauen oder einfach „redefaul und behäbig“ sind, wie Maria Bierek vermutet – wer weiß? Auf einen stattlichen End-Sechziger im weißen Trachtenhemd trifft beides nicht zu. Nach dem Ende einer Beziehung ist er zwar nicht direkt auf der Suche nach einer neuen Frau. Aber wenn sich etwas ergeben würde, wäre er nicht abgeneigt. Heute Abend hat er sich schon gut unterhalten. „Das ganze Spektrum an Lebenserfahrung ist dabei“, sagt der Mann, der in der Brucker Öffentlichkeit kein Unbekannter ist. Mit einigen der Damen hat er sich besonders gut verstanden. „Drei oder vier wollen nachher noch da bleiben und sich weiter mit mir unterhalten“, erzählt er.

Viele Kontakte in drei Stunden: Sybille George kam aus Neugier zum Speed-Dating.

Die Luft im Saal ist dick. Wasser ist aus, die Bestände an Säften und alkoholfreiem Sekt stark dezimiert – so viel reden macht durstig. Manchem dröhnt schon der Kopf, eine Dame stöhnt über den Geräuschpegel. „Ich verstehe nur die Hälfte und muss dauernd nachfragen.“ Die Musik, die zu Beginn lief, hat Tanja Reuter auf Wunsch der Gäste schnell wieder ausgeschaltet. „Wir wollten nicht, dass man hören kann, was am Nachbartisch gesprochen wird“, sagt Mit-Organisatorin Ursula Hafner. „Aber wichiger als Diskretion ist den Teilnehmern offenbar, von ihrem Gegenüber so viel wie möglich mitzukriegen.“

In der Pause taucht ein verspäteter Herr auf, groß, silbergraues Haar, gut aussehend. „Ich wollte mir das mal ansehen“, sagt er fast schüchtern. „Kommen Sie herein, wir haben ganz tolle Frauen hier“, ruft ihm eine Teilnehmerin fröhlich zu. Doch es stellt sich heraus, dass der Mann mit seinen etwas über 50 Jahren viel zu jung ist – ein Missverständnis. Er geht wieder.

Nicht leugnen lässt sich, dass Bruck halt doch eine Kleinstadt ist. Manche, die sich an diesem Abend beim Speed-Dating kennenlernen wollten, mussten feststellen, dass sie sich schon vorher kannten. Und die, die ohnehin ein aktives Leben führen, sind auch hier an vorderster Front. „Ich bin dauernd unterwegs,“ sagt Sibylle George, 67. Die Idee, an einem einzigen Abend innerhalb von drei Stunden viele neue Kontakte zu knüpfen, hat ihr gefallen. Und wenn sich daraus ein Single-Stammtisch für Ältere ergibt, wie von einigen angeregt – umso besser.

Tanja Reuter und Ursula Hafner haben derweil schon Anmeldungen für den nächsten Speed-Dating-Termin. Er soll am 13. Januar stattfinden.

Ulrike Osman

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