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Drei Koreanerinnen beginnen gleich, Braut und Bräutigam zu verpacken – eine Rekonstruktion der Zeremonie, wie sie bei der Hochzeit des koreanischen Königs um 1890 vonstatten ging.

St. Ottilien

Korea-Festival mit "Königin" und "König"

St. Ottilien - Erstmals hat im Klosterdorf ein Korea-Festival stattgefunden - obwohl die Benediktiner schon lange enge Beziehungen zu dem Land haben. Mit dabei waren am Freitag und Samstag auch die "Königin" und der "König" von Korea. 

So ähnlich wie vor über 100 Jahren bayerische Benediktiner den christlichen Glauben in das fernöstliche Land brachten, so brachte jetzt eine koreanische Delegation aus Parlamentariern, Kulturschaffenden und dem Botschafter Kyung-soo Lee koreanisches Leben in Form eines Korea-Festivals nach Oberbayern.

Bilder: So lief das erste Korea-Festival

So lebensgefährlich wie es für die Mönche damals in Korea war – 38 von ihnen bezahlten die Missionstätigkeit mit ihrem Leben –, war es für die Asiaten hier in Bayern freilich nicht. Wobei das Unwetter, das das Fest am Samstagnachmittag heimsuchte, fast schon apokalyptische Züge annahm. Und noch etwas unterscheidet die Situation grundsätzlich: Korea ist seit Jahrzehnten im Klosterdorf präsent. Nicht nur durch die Mitbrüder, die aus dem Kloster Waegwan im „Land der Morgenstille“, wie der damalige Erzabt Norbert Weber Korea in seinem Reisebericht bezeichnete, immer wieder im Ursprungskloster zu Gast sind, sondern vor allem durch die Korea-Abteilung des Missionsmuseums.

Neueröffnung der Abteilung im Missionsmuseum

Dessen kulturgeschichtliche Exponate aus einer Zeit, in der in Korea selbst durch Kriege viel verloren gegangen ist, sorgten bei den Gästen für große Überraschung. „Die Neueröffnung dieser Abteilung bot den Anlass für das erste koreanische Kulturfestival dieser Art“, sagte Erzabt Wolfgang Öxler bei der Eröffnung, zu der auch die bayerische Sozialministerin Emilia Müller gekommen war. Rund um die überdimensionale Lotusblüte scharten sich Pavillons, in denen traditionelle koreanische Kleidung, Buchkunst und Literatur gezeigt und die Papierherstellung vorgeführt wurde. Und natürlich gab es auch das klassische Medium für Kulturaustausch auf der ganzen Welt: landestypische Speisen wie Bulgogi (festtägliches Feuerfleisch) und Japchae (Süßkartoffelnudeln). In der Abteikirche wurde koreanische Hofmusik gespielt.

Als Höhepunkt auf der Open-Air-Bühne, später wetterbedingt in das Exerzitienhaus verlegt, konnten die Besucher der aufwändigen Zeremonie der Einkleidung eines Königspaares für die Hochzeit beiwohnen. Drei Damen, die extra aus dem koreanischen Daegu gekommen waren und ihre aufwändig handgefertigten Kleider mitgebracht hatten, bekleideten extrem würdevoll mit fernöstlicher Grazilität zuerst den König, dann die Königin. Ersterer war mit zwölf Einzelteilen nach 20 Minuten endlich angezogen. Dann krönten die Damen sein Haupt mit einer „Krone“, die mit einer kleinen Kurbel auf seinem Schädel befestigt wurde und mit herabhängenden, farbigen Holzperlenschnüren geschmückt war.

18 Kleiderteile verpacken die Braut

Naturgemäß noch aufwändiger war das Ankleiden der Königin, um die herum 18 Kleiderteile lagen, die aus einer anfangs fast zierlichen Dame am Schluss einen stattlichen Kleiderschrank machten. Weil die verschiedenen Lagen Röcke und Schürzen mit zahlreichen Bändern, Schleifen und Schals schon unter den Achseln befestigt wurden, gingen leider jegliche weibliche Formen verloren. Komplettiert mit bestickten Seiden-Schärpen, Roben und Jacken in den verschiedensten Farben (die unteren waren längst nicht mehr sichtbar), erschloss sich dem Bräutigam die Figur seiner Ehefrau vermutlich erst nach dem Auskleiden in der Hochzeitsnacht. Begleitet wurde das Ritual von koreanischer Musik und Erläuterungen, die die in Kaufering lebende Jung-ja Holm ins Deutsche übersetzte. „Es ist eine Rekonstruktion der Zeremonie, wie sie bei der Hochzeit des koreanischen Königs um 1890 vonstatten ging“, erklärte die Koreanerin.

von Max-Joseph Kronenbitter

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