Jeder lässt sich etwas anderes einfallen

Die Stadt der Friseure

Fürstenfeldbruck - Wer in Fürstenfeldbruck mit ungeschnittenen Haaren herumläuft, tut sich schwer, eine Ausrede zu finden. Denn Friseure gibt es in der Stadt wahrlich genug. Fast 50 sind offiziell gemeldet. Und alle von ihnen haben ihr Auskommen – vielleicht auch, weil sie ganz unterschiedlich sind.

 Waschen, schneiden, föhnen im Akkord: Obwohl beinahe alle Stühle im „Salon fürs Haar“ besetzt sind, herrscht eine entspannte Atmosphäre. Viele Kunden schwören auf den Laden, kennen die Mitarbeiter und plaudern gerne mit ihnen. „Einige kommen schon zu uns, seit der Salon vor 37 Jahren aufgemacht hat“, erzählt Birgit Kerler, die das Geschäft seit 2007 führt. Meistens besuchen Stammkunden den Laden an der Landsberger Straße. Die fühlen sich dort gut aufgehoben. Laufkundschaft gibt es in der unmittelbaren Umgebung eher wenig, neue Besucher kommen meist auf Empfehlung der Stammkunden. Und von denen leben die meisten Friseure, meint Kerler.

Der Konkurrenzdruck

Birgit Kerler

Wer sich trotzdem einen Friseur suchen will, hat eine große Auswahl. Allein in der Landsberger, der Haupt- und der Pucher Straße gibt es in Bruck jeweils vier Friseurgeschäfte. Außerdem werden auch im Fliegerhorst und im Krankenhaus Haare geschnitten.

Birgit Kerler wundert sich, dass trotz der jetzt schon hohen Zahl an Läden immer wieder neue Salons aufmachen. „Früher oder später merkt jeder etwas von dieser Konkurrenz“, so Kerler. „Toll ist das natürlich nicht.“

Auch Ladeninhaber Ömer Korkmaz vom „A2 Haarstudio“ an der Pucher Straße spürt den Druck der Konkurrenz. Korkmaz baut auf einen umfangreichen Service, um sich von anderen zu unterscheiden: „Wir machen mehr als der normale Friseur.“ Neben Schnitt, Farbe und Strähnchen stehen hier auch Augenbrauen Zupfen und Bartrasur auf dem Programm. Auch Birgit Kerler setzt auf Besonderheiten. In ihrem Laden gibt es zum Beispiel eine Art heiße Schere, die die Haarspitzen beim Abschneiden verschließen und so Spliss vorbeugen soll.

Im „Salon Männersache“ dagegen dreht sich alles um den Herren. Hier werden auch Bärte getrimmt und gepflegt. „Bärte sind ja gerade sehr im Kommen“, weiß Chefin Verena Kiser. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir einen reinen Herrensalon haben.“ Die Herren mögen es, wenn sie etwa beim Haare-Färben und Augenbrauen Zupfen unter sich sind.

Schnitt im Klinikum

Ömer Korkmaz

Auch Madlen Grieshammer spürt die viele Konkurrenz: Sie arbeitet als Friseurin im Klinikum Fürstenfeldbruck, außerdem besucht sie mit zwei Kolleginnen Altersheime und kommt bei Bedarf auch zum Haare schneiden ins Haus. Dass der Laden im Untergeschoss des Klinikums liegt, schrecke viele Kunden ab, so Grieshammer. Dafür kommen viele Patienten und Mitarbeiter aus der Klinik zu ihr. Gerade die Kunden im Krankenhaus wollen sich oft noch einmal die Haare waschen und schneiden lassen, bevor es in die Reha geht, oder sie lassen sich bei einem längeren Aufenthalt die Frisur nachschneiden. Während die Patienten eher einfachere Anliegen haben, wünschen vor allem die Mitarbeiter des Klinikums auch einmal eine Dauerwelle oder eine neue Haarfarbe.

Für Mela Mersimi dagegen ist Konkurrenzdruck kein Thema: Sie ist frischgebackene Leiterin des Friseurgeschäfts an der Straße der Luftwaffe, direkt auf dem Fliegerhorstgelände. Dass fast alle Kunden Männer sind, stört die Friseurin dabei überhaupt nicht – sie scheidet gerne Männern die Haare. „Ich könnte nicht den ganzen Tag Strähnchen machen. Das hier ist also der ideale Job“, sagt Mersimi zufrieden.

Das sagt die Innung

Generell gilt: „Wer ehrlich arbeitet, hat eine gute Zukunft“, meint Josef Wieser. Der Obermeister der Friseurinnung kennt die Konkurrenzlage. Ein Problem sieht er darin, dass sich neue Läden oft nicht an die Vorgaben der Handwerkskammer halten. Viele umgehen mithilfe von Tricks beispielsweise die Meisterpflicht. Fragt die Handelskammer an, dann bekommt sie oft zur Antwort, dass ein Meister bald eingestellt werde, oder ähnliches.

Außerdem deklarierten sich manche als Läden für Künstlerbedarf, so Wieser. „Da steht dann ein Stuhl und man bekommt auch einen Haarschnitt.“ Wenn das der Handwerkskammer bekannt wird, wird der Laden kurzerhand an einen Verwandten weiterverkauft, das Spiel beginnt von vorne.

Ein Problem aller Friseure: „Personal zu bekommen ist für alle schwierig – auch für halblegale Betriebe“, sagt Wieser. Er glaubt aber, dass sich der Markt langfristig bereinigen werde. Josef Wieser setzt vor allem auf eines: Qualität.

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