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Mitten in Fürstenfeldbruck

Suche nach Feuerteufel: Kontrolle eskaliert

Fürstenfeldbruck - Seit Wochen sucht die Polizei vergeblich nach dem Feuerteufel, eine gewisse Nervosität macht sich breit. Als Fahnder eines nachts einen jungen Brucker kontrollieren, eskaliert die Situation. Jetzt beklagt der 20-Jährige, dabei von der Polizei misshandelt worden zu sein. Die Kripo weist die Vorwürfe zurück.

Update: Die Polizei hat ein Fahndungsbild vom Fürstenfeldbrucker Feuerteufel herausgegeben. 

Michael Gemperlein wurde einer Polizeikontrolle unterzogen. Diese lief aus dem Ruder. In Gemperleins Gesicht platzte eine Narbe wieder auf.

Verletzungen im Gesicht und an den Armen, Blut und Handschellen: Michael Gemperlein (20) wirft der Polizei vor, bei einer Kontrolle völlig überzogen reagiert zu haben. Die Polizei ihrerseits hat Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und wegen Beleidigung gegen Gemperlein erstattet, die er möglicherweise mit einer Gegenanzeige beantworten wird. Fakt ist: Mitten in Bruck ist eine Polizeikontrolle aus dem Ruder gelaufen. Aber warum?

Mit dem Skateboard unterwegs

Es ist die Nacht auf vergangenen Montag, 1.15 Uhr. Michael Gemperlein (20) rollt mit seinem Skateboard von einem Kumpel kommend durch Bruck. Er studiert angewandte Mathematik und Physik in Nürnberg. Gemperlein ist 1,90 Meter groß, er ist Basketballer.

Was er nicht weiß, weil er erst seit wenigen Tagen in Bruck bei den Eltern zu Besuch ist: Die Polizei ist derzeit massiv in der Stadt unterwegs, weil sie nach diversen Autobränden mit Hilfe einer eigens gegründeten Ermittlungsgruppe den so genannten Feuerteufel sucht. Natürlich kann im Gegenzug auch die Polizei – der Fahndungsdruck ist hoch, die bislang vergebliche Suche nach dem Brandstifter muss nervtötend sein – nicht wissen, wer Gemperlein ist oder was er treibt.

Beamte verlangen den Ausweis

Der 20-Jährige, so steht es im Bericht der Beamten, rollte außerdem mit seinem Skateboard mitten auf der Straße und stellte so eine Gefährdung für sich und andere dar. Zur Sommerzeit und vor allem nachts um 1.15 Uhr ist in Bruck freilich aber auch nicht viel los. Gäbe es den Feuerteufel nicht, so hätten die Beamten den 20-Jährigen wohl einfach aufgefordert, auf dem Gehweg zu fahren und fertig, sagt ein Sprecher der Polizei auf Nachfrage. So aber wird Gemperlein gestoppt.

Der 20-Jährige wurde auch am Arm verletzt.

Die Beamten, es sind junge Bereitschaftspolizisten, verlangen seinen Ausweis. Den hat Gemperlein nicht dabei. „Ich war ja nur auf dem Weg von einem Kumpel zu den Eltern“, erläutert er und als deutscher Staatsangehöriger sei er zwar Ausweispflichtig, aber nicht Ausweis-Mitfürplichtig. Viermal fragt er die Beamten, warum er angehalten worden ist. Antwort stets: „Wir machen nur unsere Arbeit.“

Gemperlein macht Angaben zu seiner Person. Einer der Polizisten will Stift und Zettel aus dem Auto holen, da erst erklärt ihm der zweite Beamte, dass es um die Suche nach dem Feuerteufel geht. Dann wollen ihn die Beamten durchsuchen – und hier liegt offenbar der Knackpunkt. Denn Gemperlein will das nicht auf offener Straße mitten in der Öffentlichkeit über sich ergehen lassen. Er bittet darum, dass dieses Procedere auf der Wache stattfinden soll – auch in der Hoffnung, von dort aus seine Eltern kontaktieren zu können und dass diese seinen Personalausweis mitbringen könnten.

Gepackt und festgehalten

Gemperlein, so stellt er selbst es dar, bewegt einen Fuß in Richtung des Polizeiautos, in der Meinung, dort jetzt einzusteigen. Offenbar fassen die Polizisten das als Fluchtversuch auf. Polizeilich festgehalten wird: Ein Beamter will Gemperleins Bauchtasche durchsuchen; dieser entreißt sie dem Polizisten allerdings wieder. Es kommt zu einem Gerangel. Gemperlein wird gepackt, festgehalten. Ein weiteres Polizeiauto braust herbei, vier Zivilpolizisten kommen plötzlich ums Eck.

Gemperlein wird zu Boden geschlagen und niedergedrückt, mit dem Gesicht in den Straßendreck, so hat er es erlebt. Eine Narbe im Gesicht platzt nach Monaten der Heilung auf. Genauso der Ellbogen. Fünf Männer halten ihn nieder. Gemperlein bittet, schreit, Anwohner kommen aus ihren Häusern, schauen aber nur unwissend zu.

Schließlich legen ihm die Polizisten Handschellen an. So eng, dass es schmerzt. Dann wird er wirklich ins Polizeiauto verfrachtet. Er sitzt zwischen zwei Beamten. Ihm wird gesagt, dass ihm die Handschellen abgenommen werden, sobald die Inspektion erreicht ist. Doch das ist nicht der Fall. Der 20-Jährige bleibt gefesselt, als er umringt von mehreren Beamten im Verhörzimmer sitzt.

Wieder die Bauchtasche

Problem jetzt erneut: Die Bauchtasche. Gemperlein bietet an, sie selbst zu entleeren. Er hat ein Notizbuch dabei. Es enthält physikalische Ideen, aber auch Intimes. Der Inhalt geht niemanden etwas an, sagt Gemperlein. Als er sich in Richtung der Tasche bewegt, wird er von einem Polizisten – mittlerweile sind Kripobeamte dazu gekommen – über einen Stuhl gestoßen.

Ein anderer Beamter fängt ihn auf. Am Boden sitzend sieht er, wie ein Polizist gegen seinen Willen das Notizbuch öffnet. Dann sei er gegen die Wand gehauen und durchsucht worden, schildert Gemperlein.

Mangelnde Kooperation

Als er endlich als unverdächtig gilt, hat der Spuk ein Ende. Gemperlein wird entlassen. Er kehrt zur Polizei zurück, um eine Anzeige zu erstatten. Anschließend werden seine Verletzungen, nach Verlangen, von Beamten der örtlichen Inspektion dokumentiert. Der Sprecher der Polizei – in dem Fall zuständig ist das Präsidium Oberbayern-Nord – weist die Vorwürfe zurück. Der 20-Jährige sei aggressiv und überhaupt nicht kooperativ gewesen, seine Stimmung habe stark geschwankt. Man könne Verständnis für Personenkontrollen erwarten angesichts der Suche nach dem Brandstifter, sagt der Sprecher.

Der 20-Jährige habe die Polizisten massiv beleidigt und habe massiven Widerstand geleistet. Konsequenterweise müsse man dann dafür sorgen, dass jemand ruhiggestellt wird. Dass er umgestoßen worden sei, sei in den Berichten im Moment nicht erwähnt. Dokumentiert seien Hautabschürfungen bei dem 20-Jährigen, wahrscheinlich entstanden beim Gerangel auf der Straße. Insgesamt sei derzeit keinerlei rechtswidriges Verhalten der Beamten zu erkennen.

Willkommenes Opfer?

Gemperlein selbst fürchtet, als Mensch und Anhänger verschiedenster Subkulturen willkommenes Opfer zu sein, was die Polizei strikt zurück weist. Es sei nur um die Feststellung der Personalien gegangen, mehr nicht. Die Ermittlungen gegen den 20-Jährigen hat als neutrale, in der Nacht nicht am Einsatz beteiligte Instanz, jetzt die Polizeiinspektion Fürstenfeldbruck übernommen.

Michael Gemperlein hat die Chance zur Gegenanzeige, wird diese aber vielleicht gar nicht wahrnehmen. Gemperlein: „Ich will nicht, dass jemand eventuell seinen Job nicht mehr machen darf, aber ich will ein Zeichen setzen, dass Polizisten durch Überarbeitung, Erschöpfung, in vielen alltäglichen Situationen gereizt und passiv aggressiv reagieren. Ich will, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert. Ich halte das schon aus. Aber ein Schwächerer?“

Thomas Steinhardt

Ganz nebenbei: Das sagt die Polizei allgemein zu Kontrollen

Wie verhält man sich richtig, wenn man von der Polizei kontrolliert werden soll und wenn man Verwicklungen, Diskussionen und mehr vermeiden will? Klare Tipps oder Regeln gibt es in dieser Frage nicht, sagt ein Polizist. Das Wichtigste aber sei das Bewusstsein, dass die Polizei weder Zeit noch Lust habe, jemanden ohne Grund zu kontrollieren. „Der Bürger darf sich darauf verlassen, dass eine Kontrolle immer einen Hintergrund hat.“

Um denkbare Verwicklungen zu vermeiden, sei es sinnvoll, Anweisungen der Beamten zu folgen. Mit der Feststellung der Identität sei eine Kontrolle meist schon erledigt – wenn jemand nichts auf dem Kerbholz hat. Die Bürger erwarteten doch zu Recht, dass die Polizei ihre Arbeit mache, sagt der Beamte, der in diesem Zusammenhang im Übrigen durchblicken lässt, dass die Kontrollen mit Beginn der dunkleren Jahreszeit beispielsweise an S-Bahnhöfen der Region zunehmen könnten. „Es ist das alte Spiel: wer nichts zu verbergen hat, kann nach zwei Minuten wieder gehen.“

Persönliche Conclusio, ohne ein abschließendes Urteil über die sicherlich äußerst robusten Vorfälle der Nacht auf Montag (siehe Bericht) fällen zu wollen: Es ist in diesen Tagen – vorausschauend gedacht, nicht nachträglich verurteilend – sicher nicht ganz verkehrt, seinen Ausweis dabei zu haben.

st

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