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Er hofft auf einen Sieg für Frankreich. Vincent Moreau und andere Franzosen, die im Landkreis leben haben die Trikolore bereit gelegt.

Halbfinale in Marseille

Toooooooor! Wer darf jubeln?

Schwarz-rot-gold, oder blau-weiß-rot: Welche Farben schwingen jubelnde Fans nach dem EM-Halbfinale? Diese Frage – und andere, die damit zusammenhängen überschatten heute alles.

Müssen etwa Schüler am Freitag pünktlich sein? Und warum tagt der Maisacher Gemeinderat diesmal ohne open End? 

Seit fünf Jahren lebt Vincent Moreau in Eichenau. Doch wenn’s um Fußball geht, schlägt das Herz des 49-Jährigen aus Grenoble für das Team der alten Heimat. „Natürlich wird Frankreich gewinnen.“ Und damit nicht genug: Für Moreau steht jetzt schon so gut wie fest, dass die Franzosen Europameister werden. Die TV-Übertragung projeziert der 49-Jährige daheim mit einem Beamer auf eine große Leinwand.

„Ich kaue Fingernägel. Aber ich mache es nicht so, wie Joachim Löw“

Sein Landsmann Jean-Sébastien Rouchet muss noch bibbern, ob er rechtzeitig von einer Sitzung kommt, um es zum Public Viewing zu schaffen. Der 36-jährige Regisseur und Werbefilmer stammt aus Brucks Partnerstadt Livry-Gargan und ist mit der SPD-Stadträtin Claudia Calabrò aus der Amperstadt liert. Sein Tipp für den Ausgang des Halbfinales: 2:1 nach Verlängerung. Trotzdem ist Rouchet nicht entspannt. „Ich kaue Fingernägel. Aber ich mache es nicht so, wie Joachim Löw“. Sorgen, dass nach dem Spiel der Haussegen schief hängen könnte, hat er nicht. Seine Freundin sei als Halb-Italienerin Fan der ausgeschiedenen Squadra Azzura. „Sie wird wollen, dass Frankreich gewinnt, so wie ich.“ 

Gibt’s wirklich Verlängerung und womöglich Elfmeterschießen, dauert die Übertragung bis nach Mitternacht. Trotzdem müssen viele Fans am Freitag wieder früh raus. In Grund und Mittelschulen können in den ersten Stunden sogar Prüfungen geschrieben werden. Das Schulamt erklärt, Schulaufgaben seien lange terminiert, und so kurz vor Notenschluss nicht verschiebbar. Auch für Robert Christoph, Direktor am Max-Born-Gymnasium in Germering, steht EM-frei nicht zur Debatte. Allerdings ist er überzeugt, dass müde Schüler auf verständnisvolle Lehrer treffen würden. 

Auch die Deutschen haben Fahnen und Fanartikel in schwarz-rot-gold parat. Nach einem Sieg der Löw-Elf wird es auf dem Brucker Marktplatz sicher rund gehen. Im Gegensatz zu früheren Turnieren ist es dort heuer bisher friedlich geblieben. „Die Euphorie ist nicht mit der von der WM zu vergleichen“, sagt Polizeisprecher Michael Fischer. Die Beamten mussten bislang nicht eingreifen. Beim Spiel heute Abend werden die Polizisten spontan reagieren. „Wir werden uns an die Lage angepasst verhalten“, sagzt Fischer. Mit Ausschreitungen rechnet er nicht.


Direktor Herbert Glauz von der Realschule Puchheim führt an, dass auch Arbeitnehmer auch nach dem Halbfinale pünktlich sein müssten. „Man müsste die DFB-Elf verpflichten, nicht in die Verlängerung zu gehen“, sagt Glauz lachend. Studiendirektor Boris Hackl vom Gymnasium Gröbenzell ist selbst großer Fußballfan. Er muss um fünf Uhr aufstehen. Für die Schüler sei Pünktliches Erscheinen „eine Lehre des Lebens, bestimmte Pflichten zu erfüllen.“ Walter Zellmeier, Schulleiter des Viscardi-Gymnasiums in Fürstenfeldbruck pflichtet dem bei: „Wer Fußball schauen möchte muss mit den Konsequenzen rechnen, ein zwei Stunden weniger zu schlafen.“

„Wenn man am Nachmittag vor dem Spiel zwei und am Tag drauf eine Stunde länger schläft, geht das schon.“ 

Dazu macht Bäcker Werner Nau eine Rechnung auf. Seine Backöfen in Grunertshofen werden am Freitag in aller Früh angeheizt. „Wenn man am Nachmittag vor dem Spiel zwei und am Tag drauf eine Stunde länger schläft, geht das schon.“ Beim Maisacher Entsorgungsunternehmens von Albrecht Huber müssen die Ersten gegen vier Uhr antreten. Aber die Angestellten sprechen sich ab, wer später kommen kann, ohne dass Tonnen stehen bleiben. Ärzte und Schwestern müssen gar während des Spiels arbeiten. Nachtdienste seien arbeitsintensiv, Schichtpläne im Voraus erstellt, erklärt Andrea Wieland, Sprecherin der Brucker Kreisklinik. 

Die Maisacher Gemeinderäte hoffen, zumindest die zweite Halbzeit zu sehen. Sie können die Sitzung mit der vollen Agenda nicht verschieben, haben aber ein Zeitlimit gesetzt: Um 21.30 Uhr soll Schluss sein. Bürgermeister Hans Seidl: „Ich hoffe, die Räte sind nicht so diskussionsfreudig.“

rm/mak/vu/zag

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