Schülerin Chelsea Lamm verwendete für ihr Baumhaus, das einem Vogelnest nachempfunden wurde, unter anderem Bast und Strumpfhosen. foto: thalmayr

Graf-Rasso-Gymnasium

Der Traum vom Leben im Baumhaus

Fürstenfeldbruck – Im Baumhaus leben, nur die Natur zum Nachbarn und fernab jeder Zivilisation – das ist für so manchen Naturfreund sicher einen Tagtraum wert.

Dass ein Baumhaus nicht zwingend ein windiger Bretterverschlag in luftiger Höhe, sondern durchaus bewohnens- oder zumindest bestaunenswert sein kann, zeigt die Ausstellung „Baumhäuser – gebauter Raum im Umfeld von organischer und ökologischer Architektur“ der Kunstfachschaft des Graf-Rasso-Gymnasiums.

Gezeigt werden Modelle und Zeichnungen von Wohnbauten, die – würde man sie in bewohnbaren Ausmaßen nachbauen – keines Baugrunds bedürften. Denn dafür würde ein Baumwipfel reichen. Architektonisch richtete man sich beim Entwurf der Modelle nach Granden der modernen Architektur. Frank O. Gehry oder Zaha Hadid sind Namen, die Kunst-Fachleiter Jens Augustin immer wieder als Referenz nennt. Zeitgenössische Architekten des so genannten Dekonstruktivismus. Diesem Stil entsprechend sind es oftmals wenig verschnörkelte, geometrische Modellbauten, die da aus Holz, Bast oder Plexiglas an einem Wald nachempfundenen Verästelungen hängen oder stehen.

Doch nicht nur die Form ist wichtig. Organische Architektur verlangt vor allem die reibungslose Einpassung des Baus an seine natürliche Umwelt. Dem Architekten des berühmten „House Fallingwater“, Frank Lloyd Wright, zufolge gelte es, „für jeden Ort eine individuelle Formensprache zu entwickeln.“ Der Wohnbau soll „in Form, Farbe und Material an seine Umwelt angepasst werden“, wie die 18-jährige Chelsea Lamm erläutert. Im besten Fall stammen alle Baumaterialien aus der Umgebung.

Mauern im Sinne von Putz auf Beton sind ebenfalls überholt. „Auflösung der Mauern“ nennen die Schüler die Idee, durch große Terrassenkonstruktionen und ausgedehnte Fensterfronten eine barrierefreie Verbindung zur Natur herzustellen. Der ökologische Aspekt, der neben der Organik auch beleuchtet wurde, konnte an den kleinen Modellbauten aufgrund des Maßstabs eher weniger gut dargestellt werden. Die Materialien müssen recyclebar und energieeffizient sein. „Für die Zukunft ist zumindest dieser Aspekt des Baumhaus-Baus auch für Reihenhäuser zu beherzigen“, glaubt Jens Augustin.

Das Leben in einem Baumhaus kann sich zumindest Lorenz Seibold aus der 11. Klasse nicht vorstellen: „Urlaub machen in einem Baumhaus, das wäre schon was für mich. Aber dauerhaft eher nicht.“ Ohnehin wird der Traum vom Leben in den Bäumen, eben genau das bleiben: eine Träumerei. Ein Nischenprojekt für abenteuerlustige Millionäre vielleicht. Aber alles in allem Fiktion. (Johannes Thalmayr)

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