Nach offizieller Sprachregelung soll die Offizierschule der Luftwaffe im Jahr 2020 Fürstenfeldbruck verlassen. Bis dahin bleibt sie im Blauen Palais im Fliegerhorst. Foto: Luftbild Bertram

Von Bruck ins fränkische Roth

Der Umzug der Offizierschule wird teuer

Fürstenfeldbruck - Der geplante Umzug der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw) von Bruck nach Roth hat auch den Bund der Steuerzahler aufgeschreckt. Zentrales Ergebnis des Schriftverkehrs zwischen den Verschwendungsjägern und dem Verteidigungsministerium: In Roth werden um die 200 Millionen Euro verbaut – das ist etwa doppelt so viel, wie für die Sanierung des Standorts Bruck als nötig galt.

 Das Verteidigungsministerium stellt sich in dem Brief an den Bund der Steuerzahler klar hinter den Umzug der Offizierschule nach Roth. Die Entscheidung basiere auf einer Vielzahl von „wirtschaftlichen und funktionalen“ Gründen, heißt es in dem Schreiben an den Bund, das dem Tagblatt vorliegt. Gegen die Weiternutzung der Infrastruktur im Fliegerhorst spreche der umfangreiche Sanierungs- und Anpassungsbedarf. „Dieser wäre unter Berücksichtigung des bestehenden Denkmalschutzes mit einem hohen Kosten- und Planungsrisiko verbunden“, heißt es in dem Schreiben.

Kann nur die OSLw bleiben?

Was nicht drin steht: Die Offizierschule der Luftwaffe als solche, also das Blaue Palais, steht in Wirklichkeit nicht direkt unter Denkmalschutz. Es gibt zwar einen entsprechenden Antrag an das zuständige Landesamt. Dieses hat darüber aber bis heute nicht entschieden, wie eine Sprecherin des Amts bestätigt. Erst wenn ein genereller Kriterienkatalog für Gebäude aus den 60-er und 70-er Jahren vorliege, werde über die Denkmaleignung der Offizierschule entscheiden. Tatsächlich unter Denkmalschutz unterdessen steht der Kilometerbau. Diesen nutzt die Bundeswehr auch aktuell noch.

Weiter gegen den Verbleib in Bruck spricht laut Verteidigungsministerium die Tatsache, dass ein Umbau unter laufendem Betrieb stattfinden müsste, also auch Interimsunterbringungen nötig würden. Außerdem, so das Ministerium, wäre die OSLw nach dem Wegzug aller anderen Dienststellen aus Bruck die einzig verbleibende Einrichtung der Bundeswehr am Standort. Die vorhandene Infrastruktur würde daher nicht mehr wirtschaftlich ausgelastet.

Bruck attraktiver als Roth

Anders als Fürstenfeldbruck verfüge Roth schon heute über die erforderlichen Standortausbildungsanlagen in ausreichender Dimensionierung und akzeptabler Entfernung, so das Ministerium. In der Otto-Lilienthal-Kaserne würden neben der OSLw weitere Dienststellen untergebracht. Dafür seien 195 Millionen Euro bereitgestellt. Bezüglich des Personals verspricht das Ministerium „frühzeitigen Dialog unter Berücksichtigung dienstlicher Erfordernisse“. Es werde gelingen, die „meisten sozialen Härten“ aufzufangen, heißt es in dem Brief des Ministeriums.

Beim Bund der Steuerzahler hat man das Schreiben akzeptiert, auch wenn es im Haus durchaus Leute gibt, die den Umzug sehr wohl für die Verschwendung von Steuergeldern halten. Es bleibe aber letztlich nichts, als dem Verteidigungsministerium Glauben zu schenken, sagte eine Sprecherin.

Umzugs-Kritiker unterstreichen in diesem Zusammenhang stets die hohen Summen, die erst jüngst in das Blaue Palais gesteckt wurden (Brandschutz, Dachsanierung). Außerdem immer wieder genannt wird die bislang unter Verschluss gehaltene Untersuchung eines Architekten zum Blauen Palais. Dieser sei, so heißt es, vor einigen Jahren zu dem Schluss gekommen, dass man die Offizierschule für etwa 40 Millionen Euro zukunftsfit machen könne. Vor der Verwaltungsreform waren 100 Millionen Euro als Sanierungsbedarf für den ganzen Standort genannt worden. Außerdem führen Kritiker ins Feld, dass der Umzug der Offiziere und Angestellten den Bund zusätzlich viel Geld kosten werde. Klar außerdem: Innerhalb der Bundeswehr gilt Bruck auch wegen seiner München-Nähe als wesentlich attraktiver als Roth im Frankenland.

(Thomas Steinhardt)

Neujahrsempfang im Fliegerhorst: Der Abzug der Dienststellen geht weiter

Die Dienststellen der Bundeswehr am Standort Fürstenfeldbruck werden immer weiter reduziert. Zwangsläufig rückt nun auch der Umzug der Offizierschule nach Roth immer mehr in den Blickpunkt, sagte der Standortälteste und Kommandeur der Offizierschule der Luftwaffe (OSLw), Brigadegeneral Bernhardt Schlaak, beim diesjährigen Neujahrsempfang in Fursty.

Das Ausbaukonzept sei fertiggestellt und der Architektenwettbewerb erfolgreich abgeschlossen. Ziel sei es, den Lehrgangsbetrieb der OSLw im Jahre 2020 in Roth aufnehmen zu können, sagte Schlaak vor rund 200 Gästen in den Räumen der Offizierheimgesellschaft. Wie Schlaak auch ausführte, zähle die „Attraktivität in der Dienstgestaltung“ zum wesentlichen Bestandteil bei der Neuausrichtung der Bundeswehr. Das bedeutet auch für die Dienststellen am Standort, mehr auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einzugehen. Erstmals unterlägen Soldaten seit Beginn dieses Jahres der Europäischen Arbeitszeitverordnung. Das habe gravierende Auswirkungen auf den Dienstbetrieb. „Das macht das Leben der Soldaten nicht einfacher“, meinte der Kommandeur der OSLw.

Bernhard Schlaak und Erich Rasch.

In seiner Rede ging Schlaak auch auf die Sicherheitslage weltweit ein. Die Bundeswehr werde vor diesem Hintergrund an weiteren internationalen Einsätzen teilnehmen – und das betreffe alle Teilstreitkräfte.

Vize-Landrat Johann Wieser, der den an einer Grippe erkrankten Landrat Karmasin vertrat, ging in seiner Rede auf die Asylproblematik ein. Er sei sehr froh, dass sich hierbei die Bundeswehr als verlässlicher Partner erwiesen habe. Man arbeite mit Hochdruck daran, alle Flüchtlinge unterzubringen. Wieser erinnerte aber auch den Abzug der Fliegerhorst-Feuerwehr, der eine große Herausforderung darstelle. Dies zumal Fursty ja trotzdem weiter ein militärischer Sicherheitsbereich bleibe.

Brucks derzeit amtierender Vize-Bürgermeister Erich Raff wurde vom Hausherren versehentlich als „OB“ begrüßt und bedankte sich umgehend für die Beförderung. Für diesen Tag lasse er den Titel gelten, scherzte Raff. Ansonsten aber bleibe er zweiter Bürgermeister der Stadt. Erich Raff dann wieder ganz im Ernst und unter dem Beifall der Anwesenden: „Auch wenn der Abschied der Bundeswehr aus Fursty wieder um ein Jahr nach hinten gerückt wurde: Ich hätte nichts dagegen, wenn sich die Auflösung des Fliegerhorstes nicht nur um ein weiteres Jahr verschöbe, sondern die Pläne gänzlich in der Schublade verschwinden würden

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