Wer am Ende des Kurses weiß, wie jedes Teil aus dem kleinen Müllberg entsorgt wird, bekommt ein Diplom. tb-foto

Das große Trenn-Training

Völkerverständigung beginnt beim Müll

Fürstenfelbruck - Sachen, die man nicht mehr braucht, einfach irgendwo hinwerfen. Das gilt in manchen Ländern als Zeichen für Reichtum. Man kann es sich leisten, etwas Neues zu kaufen. In Bayern ist das anders – und damit kämpfen viele Neuankömmlinge. Um Ärger zu vermeiden, gibt es nun für Migraten und Asylbewerber Kurse zum Umgang mit Müll.

Landkreis – Aus aller Herren Länder sind sie nach Puchheim gekommen. Und nun stehen sie vor einem Müllberg – einem ganz kleinen Müllberg. Er wurde im Stadtteilzentrum auf einem Tisch extra aufgehäuft, um den Teilnehmern des interkulturellen Kurses das Problem zu veranschaulichen. Wohin kommt die leer getrunkene Flasche, was mache ich mit der zerissenen Plastiktüte oder der Dose, in der mal Tomaten waren? Beim Projekt des Ausländeramtes „Ankommen und Verstehen – der nachhaltige Umgang mit Energie, Wasser und Abfall“ wird all dies erklärt.

Rund ein dutzend junger Ausländer lauscht interessiert den Ausführungen der Kursleiter. Nicht wenige von ihnen hatten schon Ärger. Weil in einer Wohnanlage Mülltonnen überquollen, Abflüsse verstopften und sogar für alle die Nebenkosten stiegen. Andere wissen, dass es ihnen leichter fällt, von den Bürgern im Landkreis akzeptiert zu werden, wenn es rund um ihre Asylunterkunft nicht aussieht wie auf einer Müllkippe.

Bei diesem Kurs ist auch das Quartiersmanagement Soziale Stadt Puchheim mit im Boot. Er soll als Orientierungshilfe für zügige Integration dienen. Etwa fünfzehn Migranten oder Asylsuchende durchlaufen diesen und einige andere Workshops. Das Wissen, das sie von dort mitnehmen, sollen sie weitergeben.

Als so genannte Multiplikatoren werden sie versuchen, alles ihren Familien und Landsleuten zu kommunizieren. So erreicht die Information, dass kaputte Elektrogeräte auf den Wertstoffhof gehören, und nicht in den Vorgarten, auch Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, oder sich schwer tun im Umgang mit der westlichen Art zu Leben.

„Es war uns wichtig, die globalen Zusammenhänge der Mülltrennung zu veranschaulichen“, erklärt Birgit Baindl. Sie ist im Ausländeramt des Landkreises zuständig für das Ressourcenmanagement bei Asylunterkünften. In der Heimat der Kursteilnehmer kennt man Recycling oder Mülltrennung nicht. Dort wird Abfall entweder vergraben oder verbrannt.

Durch praktische Übungen – wie den oben erwähnten Müllberg –, durch Filme über Plastikteppiche auf den Ozeanen und aktive eigene Recherche wird möglichst viel Wissen übermittelt und veranschaulicht. „Unser Ansatz ist es, das Warum verständlich zu machen.

Wenn Bewohner verstehen, welchen Sinn Abfalltrennung macht, und sei es nur durch sinkende Nebenkosten, dann fällt im Alltag die Wahl der richtigen Tonne leichter“, sagt Martin Kulzinger, Quartiersmanager im Stadtteilzentrum. In der Puchheimer Planie mit ihrem hohen Ausländeranteil wäre das eine große Erleichterung.

Elke Raff, Beraterin für Abfallentsorgung beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises, erläuterte auch an einem großen Werstoffhof wichtiges zur Entsorgung von verschiedenen Leichtverpackungen. „Bei Unsicherheiten zur Trennung am Wertstoffhof stehen als Hilfestellung auch immer Mitarbeiter zur Verfügung“, sagt Raff.

Die Teilnehmer erhalten nach dem erfolgreichen Abschluss des Workshops ein Zertifikat. Und die nächste Multiplikatorenschulung ist schon in Vorbereitung: diesmal findet sie im Bürgerpavillon in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck statt.

Sieben Tipps zum Mülltrennen - nicht nur für Neuankömmlinge

Was man beim Mülltrennen unbedingt beachten sollte, erklärt Barbara Steinmetz, Sachgebietsleiterin im Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Fürstenfeldbruck:

1. In den Restmüll kommen nur Abfälle, die nicht verwertet werden können wie zum Beispiel Windeln, Gummi oder benutzte Taschentücher.

 2. Altpapier und Kartonagen gehören in hauseigene Papiertonnen oder in die Altpapier-Container an den kleinen und großen Wertstoffhöfen.

 3. Glas und Dosen werden am kleinen Wertstoffhof entsorgt. Weißglas muss sauber sein, sonst kann es nicht weiterverwertet werden.

 4. Organische Küchenabfälle werden in Bioabfallsäcken gesammelt oder können im eigenen Garten kompostiert werden. In Wohnanlagen stehen Sammelbehältnisse bereit.

5. Verpackungen aus Kunststoff, Getränkekartons und Aluminium sollen sortiert an den großen Wertstoffhöfen oder an den Kunststoffsammelstellen abgegeben werden.

 6. Sperrmüll und Elektrogräte sollen an den großen Wertstoffhöfen angeliefert werden.

7. Umwelt– und gesundheitsgefährdender Problemmüll wie Lacke, Lösungsmittel oder Holzschutzmittel müssen bei der Problemmüllsammlung abgegeben werden.

Mehr Informationen zum Thema Mülltrennung und Müllentsorgung gibt es online unter www.awb–ffb.de

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