Der Kiebitz und sein Retter: Gerhard Wendl hat den Vogel aufgepäppelt und dann ausgewildert. foto: weber

Ein Gröbenzeller und sein Lebenswerk

Der Vogelretter aus Leidenschaft

Gröbenzell – Fällt ein Jungvogel aus dem Nest, wird ein verletzter Piepmatz gefunden, dann weiß einer Rat oder nimmt das Tier auf: Der Gröbenzeller Gerhard Wendl hat so bereits Tausenden Tieren das Leben gerettet.

Seit 35 Jahren betreibt der 71-Jährige auf einem Grundstück am Olchinger See eine Vogelaufzuchtstation. Doch zieht Gerhard Wendl die Vögel nicht nur auf, er wildert sie auch aus. In diesem Jahr hat er einem Vogel das Leben gerettet, der im wahrsten Sinn des Wortes vom Himmel gefallen ist. Eine Mammendorferin hatte das Tier im Frühjahr gefunden und um Hilfe gebeten. Die Frau war zu Fuß unterwegs, blickte gen Himmel und sah eine Krähe vorbeifliegen. Eine Krähe, die etwas Kleines im Schnabel trug. Die Frau klatschte in die Hände, der Vogel öffnete den Schnabel, und vor ihr landete ein Federbällchen, ein kleiner Vogel. Eigentlich wollte die Tochter der Frau das Tier aufziehen. Doch der Vogel fraß nicht. In ihrer Verzweiflung wählte sie die Telefonnummer des Vogelnotrufes.

Ein paar Sekunden später wusste Gerhard Wendl, warum die Aufzucht scheiterte. Denn bereits am Telefon vernahm er den Klagelaut des Tieres und erkannte so, dass der kleine Vogel ein Kibitz ist. Ein Kiebitz aber frisst ausschließlich Lebendfutter, erläuterte der 71-Jährige. Beispielsweise Ameisenpuppen oder so genannte Heimchen (Grillen). Also kam das kleine flauschige Federbällchen zu Wendl an den Olchinger See und wurde dort von ihm problemlos gefüttert. Nach einigen Wochen gab der Gröbenzeller den Vogel aber an einen Bekannten weiter.

„Die Aufzucht ist eigentlich kein Problem“, erläutert Wendl. Schwieriger sei es, einen Vogel auszuwildern. Um das Tier darauf vorzubereiten, werden große Volieren benötigt. Der Kiebitz kam dazu in ein großes leer stehendes Gewächshaus. Als Wendl wenige Wochen später das Gefühl hatte, jetzt kann der Piepmatz ohne Hilfe überleben, wurde der Vogel in die Freiheit entlassen.

Kiebitze sind selten geworden, weiß Wendl. Einerseits sind die Vögel ein Opfer der Jagd – in Frankreich gelten sie als Delikatesse –, anderseits fallen sie der Biotopzerstörung zum Opfer. Früher brüteten sie vorwiegend in Mooren, im Laufe der Zeit sind sie auf Ackerflächen umgestiegen. Leer geräumte Flächen, wie ein noch nicht bestelltes Maisfeld, werden von ihnen gerne zum Brüten genutzt. Doch der Maisanbau wird den Tieren letztlich zum Verhängnis. Denn wenn sie ihre Eier ablegen, ist das Feld noch leer. Wird das Feld aber wenige Wochen später bestellt, ist das Gelege in Gefahr.

Der Kiebitz war einer von mehr als 100 Vögeln, die Wendl heuer großgezogen und ausgewildert hat. Rotkehlchen, Stieglitz, Zaunkönig und Amsel hat er zum Überleben verholfen. Die Liebe zu den Vögeln ist bei dem 71-Jährigen bereits in der Jugend erblüht. Aufgewachsen in der Holledau, erlebte er auf dem Bauernhof des Großvaters bereits Hühner und Tauben. Bei den einquartierten Flüchtlingsfamilien der Umgebung lernte er zahlreiche weitere Vögel in Käfigen kennen. „Selbst die Schule hat mich weniger interessiert als die Vögel.“ Vögel haben ihn dann sein gesamtes Leben begleitet. Selbst als er als Postbeamter erwerbstätig war, blieb er der Ornithologie treu.

Weil die Tiere regelmäßig gefüttert werden müssen, hat er sie kurzerhand mit in die Arbeit genommen. Im Laufe der Jahre hat er sich als Autodidakt ein derartiges Wissen angeeignet, dass er im Tierpark Hellabrunn als Berater tätig wurde.

Mittlerweile ist der 71-Jährige in Pension. Langeweile kommt aber keine auf. Dank der Vögel hat er vor allem im Frühjahr und Sommer einen 15-Stunden-Tag. Verreist ist er seit 20 Jahren nicht mehr. Große Sorge bereitet es Wendl, dass der Lebensraum für die Vögel immer weniger wird und damit auch die Tiere immer weniger werden. „Heute wird alles totgespritzt“, klagt er. Zwar gebe es Kommunen, die Blumenwiesen anlegten, gemäht werde dann aber immer wieder bevor die Blumen zum Blühen kommen. Doch ohne Blumen gäbe es keine Insekten. Und ohne Insekten auch keine Vögel. (sus)

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