Georg Sedlmeier verabschiedet Traudl Ippenberger.

Abschied einer Institution

Wachwechsel bei den Babysittern

Germering – Sie war eine Institution im Sozialdienst, jetzt gibt sie nach 15 Jahren das Zepter ab: Traudl Ippenberger legt die Leitung der Babysitter-Vermittlung in jüngere Hände. Denn die 67-Jährige möchte nochmal etwas neues ausprobieren.

 Eigentlich war Traudl Ippenberger Bürokauffrau. Über 20 Jahre arbeitete sie in einer Immobilienfirma: Pläne lesen, Grundstücke anschauen, Häuser verkaufen. Das war ihr Job. Doch 1996 löste sich das Unrernehmen auf und die damals 47-Jährige stand vor einem Neuanfang. Auf die Idee, zum Sozialdienst zu gehen, brachte sie ihr Mann.

Der erkundigte sich gerade, was er nach seiner Pensionierung machen könnte – und stieß auf die Germeringer Insel. „Klingt gut“, dachte sich Traudl Ippenberger. Aber sie wollte ihr eigenes Ding machen. Also ging sie zum Sozialdienst. Das erste halbe Jahr kümmerte sie sich um eine junge Familie. Sie machte den Haushalt, umsorgte die Kinder und griff der Mutter unter die Arme. Nebenher machte sie Hausbesuche bei Senioren.

Dann wurde die Leitung der Babysitter-Vermittlung frei. Ein Ressort, das der Sozialdienst seit 35 Jahren anbietet. Eine Kollegin sprach sie ganz direkt an. Ippenberger sei kommunikativ, fit und motiviert – und somit genau die Richtige für den Job. Die Germeringerin sagte Ja. „Ich hab’ mich für die Arbeit mit Kindern entschieden, weil zu dem Zeitpunkt bei uns noch keine Enkel in Sicht waren“, erzählt die 67-Jährige, die mittlerweile längst Oma ist.

Die Anfänge waren nicht leicht: Es war niemand da, der sie einarbeiten konnte. Die Vorgängerin war bereits nicht mehr da. Hinterlassen hatte sie ihr nur ein paar Zeilen auf einem Din A4-Papier. „Und man kann sich vorstellen, wie viel da drauf passt.“ Als sie die Leitung schließlich übernahm, krempelte sie einiges um: Jeder Neuling musste ab sofort einen Babysitterkurs absolvieren. Außerdem suchte Traudl Ippenberger den persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen. „Mir war das wichtig, dass ich jeden kenne.“ Und sie kümmerte sich: Etwa zwei Mal im Jahr fragte sie nach, wie’s läuft – sowohl bei den Babysittern als auch bei den Familien.

Besonders gefreut hat sie sich, wenn sie oder „ihre Mädels“ weiterempfohlen wurden. „Ich hatte aber auch ganz fleißige Jugendliche“, sagt sie stolz. An eine kann sie sich noch besonders gut erinnern. Das Mädchen machte bis zu fünf Jobs, um sich irgendwann ein Auto leisten zu können. Für sie war die Kinderbetreuung aber viel mehr als eine gute Verdienstquelle. Denn zu einer der Familien hat sie immer noch Kontakt – über viele Jahre schon. Mittlerweile wohnt die Babysitterin nicht mehr in der Stadt. Aber immer, wenn sie nach Germering kommt, besucht sie „ihre Kinder“.

Angefangen hat Traudl Ippenberger mit 24 Babysittern, abgegeben hat sie das Ressort nun mit über 50 Kräften. Einer, den sie im Babysitter-Kurs ausgebildet hat, war Frederik Weigl. Er fing vor drei Jahren beim Sozialdienst in Germering an. Der 29-Jährige ist ausgebildeter Kinderpfleger und studiert soziale Arbeit an der LMU in München. Er übernimmt die Geschicke der Babysitter-Vermittlung.

Er hat einiges von Traudl Ippenberger gelernt. Trotzdem möchte er dem Amt nun seinen eigenen Stempel aufdrücken. Der Babysitterservice soll moderner und bekannter werden. Das heißt zum Beispiel, Termine werden nicht mehr telefonisch vereinbart, sondern über E-Mails und Whatsapp. Außerdem möchte er das Ressort vergrößern. Dafür müssen die Betreuer bekannter werden. „Ich bin gerade dabei, ein Plakat zu gestalten“, sagt der 29-Jährige. Das will er in Kindertagesstätten und öffentlichen Schaukästen aufhängen.

Die Babysitter-Kurse werden zudem nicht mehr an einem Stück abgehalten. Sondern auf zwei Termine aufgesplittet. „Am Sonntag konnten viele oft nicht. Deswegen finden die Kurse jetzt unter der Woche statt.“ Und noch etwas: Wer einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, soll einen kleinen Bonus bekommen. Etwa einen Euro in der Stunde mehr verdienen. „Bisher sind das alles nur Ideen. Das muss ich natürlich noch absprechen“, sagt Weigl.

Traudl Ippenberger hat nur einen Tipp für ihren Nachfolger: „Man muss immer reden, wenn’s hakt.“ Sie selbst kümmert sich jetzt um ihre drei Enkel, macht weiter Volkshochschulkurse und ihren Sport. Außerdem hat sie schon wieder ein neues Projekt ins Auge gefasst: „Im Frauen- und Mütterzentrum wird jemand gesucht, der ein Mal in der Woche das Cafè macht“, erzählt sie.

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