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Eine der vielen Helferinnen im Frauenhaus: Ulrike Jurschitzka. Am 28. April feiern sie das 25-jährige Bestehen. foto: hering

25-jähriges Bestehen

Wenn Frauen nicht mehr weiter wissen

Fürstenfeldbruck - Seit 25 Jahren ist das Frauenhaus Fürstenfeldbruck Anlaufstelle für Frauen und Kinder, die unter häuslicher Gewalt leiden. Auf ihrem Erfolg ruhen sich die Mitarbeiterinnen aber nicht aus.

Häusliche Gewalt hat viele Formen: Manche Frauen werden von ihren Männern geschlagen, psychisch, sexuell oder finanziell unter Druck gesetzt, manchen wird der Kontakt zu anderen Menschen oder das Verlassen der gemeinsamen Wohnung verboten. Der Schritt weg von dem Misshandler fällt vielen schwer, oft brauchen sie ein paar Anläufe, bevor sie wirklich vor dem gewaltbereiten Mann fliehen.

Doch dann stehen sie vor der Tür des Frauenhauses, oft haben sie ihre Kinder dabei. Mehr als eine Plastiktüte voller Gepäck haben die Frauen meist nicht mehr eingepackt. Am Zufluchtsort stehen Sozialpädagogin Ulrike Jurschitzka und ihr Team den geflohenen Frauen bei, geben Halt und Rat.

Seit 25 Jahren gibt es das Frauenhaus Fürstenfeldbruck, das der Verein Frauen helfen Frauen 1991 ins Leben gerufen hat. Die Adresse des Hauses ist nur wenigen bekannt, damit gewaltbereite Männer die geflohenen Frauen nicht so leicht finden können. Viele suchen erst bei der Beratungsstelle der Einrichtung Rat, bevor sie sich für einen Aufenthalt entscheiden. Zudem gibt es aber eine immer besetzte Notfall-Rufnummer und auch die Polizei weiß, wie sie zum Frauenhaus gelangen kann.

Hilfe für 800 Frauen und 1000 Kinder

Rund 800 Frauen und 1000 Kinder haben in den vergangenen 25 Jahren den Schutz der Einrichtung in Anspruch genommen. Das ehemalige Tabuthema häusliche Gewalt gerate zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, berichtet Ulrike Jurschitzka. „Es wird immer bewusster, dass sie in allen Schichten auftritt und ein breites Spektrum hat.“ Auch die Frauenhäuser würden immer bekannter, weshalb mehr Frauen die Flucht erwögen. Die Bewohnerinnen haben viel durchlitten und müssen sich einigermaßen stabilisieren, bevor sie mit den Beraterinnen im Frauenhaus die Zukunftsplanung in die Hand nehmen.

Wie Ulrike Jurschitzka berichtet, helfe den Damen auch die Gemeinschaft mit anderen, die Ähnliches erlebt haben. Wer den Gewalttäter verlässt, bleibt oft ein halbes Jahr oder länger, plant die finanzielle Existenzsicherung, Trennung und Wohnungssuche. Doch einige gehen zurück zum Schläger, können sich nicht aus dem oft schon jahrelang bestehenden Abhängigkeitsverhältnis lösen. „Manchmal ist das deprimierend“, gesteht Jurschitzka.

Doch die Beratung sei bewusst ergebnisoffen gehalten. „Wir wollen den Frauen vermitteln, dass sie selbstständig sind und die Verantwortung für sich selbst tragen.“ Umso schöner sei es für die Helferinnen immer, wenn sie in der Nachbetreuung erleben könnten, wie Frauen und Kinder in ihrem neuen selbstbestimmten Leben aufblühen. „Zu sehen, wie die Kinder wieder lebensfroh werden, macht einfach Spaß.“ Auch für die drei Sozialpädagoginnen ist es wichtig, die Gespräche mit den geflohenen Frauen zu verarbeiten. Deshalb arbeiten die Beraterinnen eng zusammen und sprechen über die Fälle.

Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen

Sehr froh sind die Mitarbeiter um die Gruppe aus ehrenamtlichen Helferinnen. Büro- und Telefondienst, Frühstück und Deutschunterricht, Behördengänge – die Aufgaben der Freiwilligen sind vielfältig und wichtig. Jurschitzka weiß: „Unsere Ehrenamtlichen arbeiten eng mit unseren Frauen zusammen.“ Für die Zukunft plant das Frauenhaus einen Neubau mit einem neuen Konzept – wann und wo das realisiert werden soll, ist aber noch unklar.

Schon länger denken die Mitarbeiterinnen über einen offeneren Charakter nach, bei dem die Öffentlichkeit in den Schutz der Frauen eingebunden werden soll. Das bedeutet, dass das Frauenhaus allen als ein solches bekannt sein und durch die Gesellschaft und ihre Wachsamkeit geschützt werden soll.

Außerdem, erklärt Jurschitzka, kämen die Frauen oft aus abgeschotteten, anonymen Verhältnissen ins Frauenhaus, wo sie dann wiederum anonym und geheim leben würden. „Die Frauen sollten dann nicht in der Isolation bleiben, aus der sie kommen“, meint Mitarbeiterin Jurschitzka.

Maria-Mercedes Hering

So wird gefeiert

Das Jubiläum begeht das Frauenhaus-Team am 28. April mit geladenen Gästen. Dann sehen sie sich ein kritisches Theaterstück an.

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