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Das lässt auf eine goldene Zukunft hoffen. Martin Wild zur Entwicklung des Handballs.

Grosses Handball-Interview mit Martin Wild

Hier verrät der Panther-Dompteur seine Vision

Fürstenfeldbruck - Sie waren die große Sensation der vergangenen Saison. Ein Jahr nach dem Fast-Abstieg in der Süd-Gruppe hatten die Handballer des TuS Fürstenfeldbruck, die sich mittlerweile den Kampfnamen Panthers zugelegt haben, die Vizemeisterschaft in der 3. Bundesliga Ost gefeiert.

Die neue Saison spielt sich nun wieder in der als wesentlich schwerer geltenden Süd-Gruppe ab. Tagblatt-Reporter Tobias Huber hat mit Trainer Martin Wild vor dem Saisonstart am Samstag in Hochdorf über große Erfolge, kleine Haustiere und mittelfristige Zukunftspläne gesprochen.

Herr Wild, haben Sie ein Haustier zu Hause? Einen Panther vielleicht?

Martin Wild: Wir haben nach unserem Einzug ins neue Haus tatsächlich oft Besuch von einer Nachbarskatze. Aber die ist doch eher ein Kätzchen als ein Panther.

Aufgrund der neuen längsgestreiften Trikots scheinen aus den Panthern ja ohnehin Zebras zu werden.

Wild: Eigentlich waren mit unserem Werbepartner eigens designte Panther-Trikots geplant. Warum das nicht umgesetzt wurde, kann ich nicht beurteilen. Die Trikots hat unser neuer Teammanager, Basti Wöller, ausgesucht. Ich weiß nicht, ob wir damit eine tiefere Marketingstrategie verfolgen und demnächst das Logo wechseln (lacht). Die Meinungen über das Design gehen durchaus auseinander, mir gefallen sie aber ganz gut.

Apropos Manager: Auf dieser Position gab es zuletzt wenig Konstanz.

Wild: Erich Raff, der ja auch Bürgermeister ist, hatte diese Position glaub ich 25 Jahre inne. Vor der letzten Saison hat er sein Amt aufgegeben. Sein Sohn Alex ist dann zm Glück kurzfristig eingesprungen. Er hat aber zwei Kinder daheim, ist beruflich stark eingebunden und die Zeit wurde knapp. Deshalb hat Basti Wöller jetzt den Posten des Teammanagers übernommen.

Wie bewerten Sie die Organisationsstrukturen in der Abteilung?

Wild: Es hat schon einen gewissen Charme, dass bei uns noch alles zu 100 Prozent von Ehrenamtlichen gemacht wird. Natürlich ist es anstrengend, wenn der Trainer zum Beispiel alleine mit der Mannschaft ins Trainingslager fährt, das ist ein bisschen so wie bei einer Bezirksoberliga-Mannschaft. Aber mir macht das Spaß und ich bin es auch nicht anders gewohnt. Ich kann mir aktuell nur schwer vorstellen, ein Team zu trainieren, in dem 13 Profis mitspielen.

Ganz kostenlos werden die Spieler aber auch in Fürstenfeldbruck nicht auflaufen?

Wild: Selbstverständlich bekommen sie eine Aufwandsentschädigung, es sind meist Studenten, die auf das Geld angewiesen sind. In einigen Fällen deckt das aber gerade mal die Fahrtkosten, oder es bleiben ein paar Euro hängen. Es ist viel Idealismus und Leidenschaft für den Handballsport dabei. Im Ligavergleich sind wir sicherlich nach wie vor Schlusslicht.

Ein großer Sponsor ist die Schlossbrauerei Kaltenberg. Beim Pokalturnier gab es jedoch nicht mal Weißbier.

Wild: Die Frage habe ich am Wochenende auch gestellt bekommen. Ich habe keine Ahnung. Wir hatten zwar draußen einen Bierwagen, aber Weißbier gab es dort wohl keines. Ich muss aber auch sagen, dass ich froh bin, dass wir inzwischen überhaupt solche Möglichkeiten haben und unser Angebot erweitert haben.

Kommen wir zum Sportlichen: Die letzte Saison endete völlig überraschend mit der Vizemeisterschaft in der 3. Liga Ost. War die Gruppe schwächer als die 3. Liga Süd, in der sie im Jahr davor gespielt haben?

Wild: Als erstes bleibt festzuhalten, dass der zweite Platz in der letzten Saison eine sensationelle Leistung war. Punkt. Man hört oft, dass die Ost-Staffel schwächer als die Süd-Staffel sein soll. Darüber kann man sicherlich diskutieren. In der Süd-Staffel gibt es spielstärkere Mannschaften, aber auch die Mannschaften aus der Ost-Staffel hatten ihre Qualitäten. Es war kein Zufall, dass wir Zweiter geworden sind, sondern das Ergebnis harter Arbeit. Wir haben sehr intensiv und umfangreich trainiert, die Jungs haben sehr gut mitgezogen. Das ganze wurde begünstigt durch einen sehr guten Saisonstart mit zehn Punkten aus den ersten fünf Spielen. Vor der Runde waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir drittligatauglich sind. Aber dann hat sich eine richtige Eigendynamik entwickelt. Die Zuschauer kamen und die Jungs haben sich fast wöchentlich verbessert. Wir haben in gewisser Weise einen eigenen Handball-Stil entwickelt mit unserer sehr offensiven und aggressiven Abwehr.

Was darf man von der neuen Saison erwarten?

Wild: Es wird sicher nicht einfach, so ein Ergebnis zu wiederholen. Das letzte Jahr ist annähernd optimal gelaufen. Wir wollen aber weiter unseren leidenschaftlichen Handball spielen. Primäres Ziel ist es, möglichst von Beginn an mit den Abstiegsrängen nichts zu tun zu haben. Das steht für uns an oberster Stelle. Ein einstelliger Tabellenplatz ist absolut realistisch. Die Jungs haben sich intern das Ziel gesetzt, sich wieder für den DHB-Pokal zu qualifizieren, sprich unter die ersten Sechs zu kommen. Das halte ich für sehr hochgesteckt, aber wenn alles optimal läuft, haben wir die Möglichkeit, wieder in diesem Bereich zu landen. Ziele sollen aber ja hoch gesetzt werden, von daher trage ich sie gerne mit. Ganz entscheidend wird sein, wie sowohl die Mannschaft als auch die vielen gewonnenen Fans damit umgehen, wenn man auch mal zwei, drei Spiele hintereinander verliert.

Gerade daheim war ihr Team eine Macht. Es gab nur zwei Niederlagen und ein Unentschieden.

Wild: Wer bei uns gewinnen wollte, musste sich schon sehr strecken. Und genau das wollen wir beibehalten.

Sie sind nun wieder in die Süd-Staffel versetzt worden. Das bedeutet aber dennoch weite Auswärtsfahrten.

Wild: Wir sind es ja inzwischen schon gewohnt. Wir haben in der letzten Saison über 10 000 Reisekilometer zurückgelegt, die Mannschaft ist damit sehr gut umgegangen. Für uns ist das kein Thema. Letzte Saison ging es Richtung Nürnberg, jetzt halt Richtung Stuttgart.

Ihr Team ist in der Umgebung konkurrenzlos.

Wild: Das hat seine Vor- und Nachteile. Es hat große Vorzüge, wenn man sich die Pole Position erarbeitet hat, gerade auch was die Verpflichtung von jungen Spielern angeht. Andererseits machen gerade Derbys den Reiz des Handballsports aus. Da schauen wir schon ein bisschen neidisch in die Stuttgarter, Mannheimer und Frankfurter Gegend.

Wie lässt sich das erklären, dass es in Südbayern keine Konkurrenz gibt?

Wild: Natürlich ist Fußball die klare Nummer eins, aber so einfach darf man es sich nicht machen. Ich bin überzeugt, dass sich in der Region mittelfristig Zweit- oder sogar Erstliga-Handball etablieren kann.

Andere Sportarten wie Basketball mit dem FC Bayern und Volleyball mit dem TSV Herrsching haben es in den vergangenen Jahren vorgemacht.

Wild: Das Modell der Herrschinger finde ich vorbildlich, ich verfolge das auch sehr genau und bin fasziniert, mit welchen Vermarktungsstrategien sie sich inzwischen einen Etat um die 300 000 Euro aufgebaut haben. Was der FC Bayern beim Basketball gemacht hat, finde ich persönlich nicht so erstrebenswert. Dass ein Uli Hoeneß die Schatulle aufmacht und sagt, Ihr spielt jetzt professionell Basketball. Ich glaube nicht, dass es für den Handball ein ähnliches Konzept geben wird.

In der vergangenen Saison wurde in Bruck das Thema 2. Bundesliga debattiert.

Wild: Das Potenzial für die 2. Liga ist mittelfristig da. Vielleicht 2020. Aber dazu muss sich noch einiges ändern. Als Erstes müsste man das Ganze Schritt für Schritt professionalisieren und die Aufgaben auf noch mehr Schultern verteilen. Das Ziel muss sein, dass die Spieler höhere Aufwandsentschädigungen bekommen, um einen noch höheren Trainingsaufwand zu rechtfertigen. Wenn es möglich ist, in Herrsching Erstliga-Volleyball zu spielen, sollte in Fürstenfeldbruck Zweitliga-Handball realisierbar sein. Wir sind auf einem guten Weg, aber beim letzten Schritt tun wir uns noch schwer.

Was wäre, wenn ein Sponsor wie Red Bull nach Fürstenfeldbruck käme?

Wild: Ich glaube, wir müssen unserer Linie treu bleiben und auf junge einheimische Spieler setzen. Auf einen Schlag sich eine Profimannschaft zusammenzukaufen, wäre nicht unser Projekt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir jahrelang die 3. Liga als unerreichbares Ziel vor Augen hatten. Wir gehen jetzt erst in unsere dritte Drittligasaison, ich sehe uns dort noch nicht als endgültig etabliert an.

Zu einem anderen Thema: Wieso tut sich der Handball gerade in Großstädten so schwer? Auch Sie spielen gegen viele Gegner aus Orten, die man überhaupt nicht kennt.

Wild: Das ist schwer zu beantworten. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass Handball schon traditionell eher etwas für Dorfvereine zu sein scheint. Man muss sich ja nur die Altmeister aus Gummersbach und Großwallstadt anschauen. Durch den WM-Titel 2007 hat sich dann einiges getan, aber es bleibt schwierig. Bestes Beispiel ist die Insolvenz des HSV Hamburg.

Kommen wir zu Ihnen persönlich. Sie sind jetzt schon im siebten Jahr Coach beim TuS.

Wild: Ich stecke mit ganz viel Herzblut drin. Es ist für mich auch ein Privileg, eine Mannschaft zu betreuen, in der der älteste Spieler 25 ist, Tobias Prestele mal ausgenommen. Ich kenne die Spieler zum großen Teil schon seit mehreren Jahren. Meine Vision ist es, irgendwann mal mit dem Verein in die 2. Bundesliga aufzusteigen.

Dazu müsste man wohl in eine andere Halle umziehen. Die Herrschinger Volleyballer planen seit mehreren Jahren den Bau einer neuen Sportstätte.

Wild: Es gab bereits erste vorsichtige Anfragen, ob wir da bereit wären mitzumachen. Momentan ist das aber kein Thema, da haben wir ganz andere Baustellen. Generell könnte ich mir es schon vorstellen, für Heimspiele in der 2. Liga etwa nach Gilching (Anm.d.Red: Herrsching plant dort den Bau einer Arena) umzuziehen, wenn nötig. Aber bis dahin muss sich noch viel tun.

Nicht nur für Ihren Verein lief es zuletzt. Auch die Handball-Nationalmannschaft trumpfte als Europameister und Dritter bei Olympia groß auf.

Wild: Das tut unserer Sportart natürlich sehr gut. Ich finde man kann die Erfolge sogar gut vergleichen. Wir hätten einen Preis als Überraschung der Saison auch verdient gehabt (lacht). Von der Grundstruktur her gibt es Parallelen. Beides sind sehr junge Mannschaften, die über den leidenschaftlichen, konzeptionellen Handball kommen und sich nicht auf individuelle Klasse verlassen, so wie es zum Beispiel die Franzosen tun können. Die Entwicklung ist sehr rasant gegangen, vor einem Jahr kannte ich einen Julius Kühn auch noch nicht. Das lässt auf eine goldene Zukunft hoffen. Es wird aber auch da ganz sicher noch Rückschläge geben.

Was ist die größte Gefahr für ihre Mannschaft in der Zukunft?

Wild: Wir haben viele Studenten. Wenn die in die Berufswelt übertreten, werden wir die Spieler mehr entschädigen müssen, wenn sie weitermachen sollen. Davor warne ich schon seit längerem. Zu oft haben wir da in der Vergangenheit Spieler verloren.

In der Sportstadt Fürstenfeldbruck sind Sie mit Ihren Handballern inzwischen endgültig die Nummer eins.

Wild: Wir haben uns die Position als Nummer eins im Landkreis hart erarbeitet. Das ist aber kein Grund, sich auszuruhen. Wir werden weiterhin viel Arbeit investieren müssen, um den nächsten Schritt zu gehen.

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