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"Demokratie-Dellen" im Natur-Paradies

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Frau am Zaun: Claudia Roth leicht irritiert. foto: hornsteiner
Frau am Zaun: Claudia Roth leicht irritiert. foto: hornsteiner

Elmau - Bundestags-Vize-Präsidentin Claudia Roth zeigt sich schockiert von Umweltfrevel

Claudia Roth (59) gilt gemeinhin als Frohnatur - immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Doch bei ihrer Stippvisite am Sonntag im Elmauer Tal ist der langjährigen Frontfrau von Bündnis 90/Die Grünen das Lachen vergangen. „Ich komme mit vielen Fragen zurück nach Berlin“, meinte die Bundestags-Vize-Präsidentin bedeutungsschwer. Als sie diesen Satz sagt, steht sie auf der riesigen, asphaltierten Hubschrauber-Landefläche, auf der vor wenigen Wochen noch ein monströses „Partyzelt“ stand und auf dem in 27 Tagen sieben gestresste Weltpolitiker ihren Hightech-Helikoptern entsteigen werden - unweit vom G7-Gipfel-Tagungshotel Schloss Elmau.

Zuvor hatte die bekannte Grünen-Politikerin viele andere Dinge gesehen, die ihr ein Graus sind - beispielsweise den Schutzzaun, der die erweiterte G7-Sicherheitszone hermetisch abriegelt. Undurchdringbar für Mensch - und Tier. „Hier wird die Artenvielfalt mit G7-Stiefeln getreten“, wirft Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und langjährige Landtagsabgeordnete der Grünen (1990 bis 1998), ein. Denn genau dort, wo auf einer planierten Fläche mitten im Wald Container für Rettungskräfte in die Höhe ragen, soll ihr zufolge das Auerwild-Revier angrenzen. Doch nun patroullieren dort Polizeistreifen vor einem beleuchteten Sicherheitszaun. „Ich fürchte, dass der Auerwild-Bestand nachhaltig geschädigt wird“, glaubt die Tierschützerin.

„Irrsinn, was das kostet“, ergänzt Claudia Roth. Als sie an der Mautstelle bei Klais Richtung Schloss Elmau losfahren will, wird sie von einem jungen Polizisten angehalten. „Das war ein ganz netter Beamter“, erzählt sie ihren Parteifreunden vom Kreisverband, der zu dieser Exkursion geladen hatte. Was denn der Mann in Uniform zu ihr sagte? „Er wollte wissen, welchen Journalisten ich ein Interview gebe.“ Daraufhin war die Hauptstadt-erprobte Roth nicht gefasst und völlig irritiert. „Solch eine Frage wurde mir noch nie gestellt.“ Doch vor einem G7-Gipfel gehen die Uhren offenbar anders.

Das musste die Spitzenpolitikerin am eigenen Leib erfahren. Was sie bei ihrer Reise in das exklusive Tal sieht, schockiert sie. Auch die Tatsache, dass nicht in Sichtweite zum Tagungsort demonstriert werden darf. Das sollte laut Roth nach dem G7-Gipfel in Heiligendamm nach einem Spruch des Bundesverfassungsgerichts verhindert werden. In diesem Zusammenhang spricht sie von „Demokratie-Dellen“ und „gesetzesfreien Zonen“. Was für die Bundespolitikerin besonders schwer wiegt: Ausgerechnet bei einem Gipfel, der wichtige Antworten zum Klimawandel und Artenschutz geben soll, wird offenkundig am Tagungsort im Landschaftsschutzgebiet der Umweltgedanke mit Füßen getreten.

Der Bund-Naturschutz-Vertreter und pensionierte Revierförster Axel Doering glaubt, den Grund dafür zu kennen: „Das ist die Rache von Frau Merkel, dass wir die Olympischen Spiele nicht wollten.“ csc

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